HJ wirft katholischen Pfarrern Gegenarbeit vor
In einem Bericht der Gebietsführung Mittelrhein vom 3. Februar 1934 wirft die HJ der katholischen Geistlichkeit gezielte Gegenarbeit vor, um die Aufbauarbeit der HJ zu behindern und stattdessen die katholische Jugend zu fördern.
So werde in Bliesheim bei Euskirchen regelmäßig von der Kanzel und in den Kirchenzeitungen für die katholischen Jugendorganisationen geworben, und dabei falle stets das Wort "Hitler-Jugend". Der Pfarrer habe sogar in den Kirchenzeitungen eine "einseitige Werbung in der Schule für eine Jugendorganisation oder gar ausschließliche Einführung dieser Jugendorganisation in der Schule" abgelehnt. Die Kinder werden statt dessen aufgefordert, in die "bewährten Jugendvereine" zu gehen, damit sie am Christkönigfest Christus dem König geweiht werden könnten.
Auch aus den pfarramtlichen Mitteilungen der katholischen Kirchenzeitung für die Pfarre Küdinghoven und das Pfarrrektorat Holtorf wird zitiert. Hier wird der HJ vorgeworfen, das religiöse Leben zu stören, wenn nicht gar erheblich zu schädigen: "Es ist bedauerlich, dass ein Teil der Jugend die ersten beiden Tage des religiösen Triduums vor dem Christkönigfest vollständig versäumt. Solche und ähnliche Erfahrungen lassen vermuten, dass sich da Einflüsse bemerkbar machen, die eine ernstliche Gefahr für das Leben in unserer Pfarre bedeuten. Zu denken gibt auch, dass keiner der schulentlassenen Knaben es wagte, sich zur Aufnahme in den katholischen Jugendverein zu melden!" Dabei hätten die katholischen Vereine neben der HJ die "volle Gleichberechtigung", und der HJ gebühre nur ein "Ehrenvorrang".
Über den Ortspfarrer in Roisdorf wird berichtet, dieser habe am 8. Dezember 1933 in der Predigt die Eltern aufgefordert, die Kinder in die katholischen Vereine zu schicken, da sie nur dort eine religiöse Erziehung bekämen: "Wer führen will, muss führen können. Nur der ist ein wahrer Führer, der seine Kinder zu Gott führt. Katholische Eltner, schickt Eure Kinder in die katholischen Jugendvereine. Nur da habt Ihr die Gewissheit, dass sie zu Gott und Maria geführt werden!"
Pfarrer Drescher aus Hünshoven habe der HJ am 26. November 1933 sogar von der Kanzel herab vorgeworfen, die Jugend zum "nationalsozialistischen Unglauben" zu erziehen. Derselbe Pfarrer habe bereits zuvor "für Deutschland die Zeiten der päpstlichen Bannflüche und päpstlichen Bullen" herbeigewünscht. Auch habe er am Sonntag der letzten Novemberwoche "mit spöttischer Miene" das "Ja"-Abzeichen zurückgestoßen. Zuletzt lasse er auch noch das katholische Jugendheim lieber unbenutzt zerfallen, als es der HJ, die kein eigenes Heim habe, zur Verfügung zu stellen.