Auseinandersetzungen zwischen Katholischer Jugend und HJ in Marienheide
Laut einem Bericht der Gebietsführung Mittelrhein vom 3. Februar 1934 wehrt sich die katholische Jugend in Marienheide mit einigem Erfolg gegen die Totalitätsbestrebungen der örtlichen HJ. Dafür werden mehrere Beispiele gebracht:
„Als in Marienheide die Jungenschaft Schöneborn gegründet wurde und die Jungen noch zusammenstanden, während die Führer schon fort waren, gesellte sich der Pfadfinderführer Löcken aus Schöneborn zu ihnen, um die Jungen über das Jungvolk ‚aufzuklären‘. Dabei fragte er, was die Jungen denn als Katholiken überhaupt im Jungvolk zu suchen hätten, für sie wären doch die Pfadfinder da. Darauf blieben drei Jungen, die sich schon angemeldet hatten, am nächsten Tage wieder weg.
[…] Selbstverständlich hat dort – besonders neuerdings – auch im ganzen Bezirk, geführt von der katholischen Geistlichkeit, eine rege Agitation gegen das Jungvolk eingesetzt. Die Hitlerjungen, die versuchen, sich einmal Heimabende der Pfadfinder anzusehen, werden dort natürlich hinausgeschmissen. Dabei werden sie mit Ausdrücken wie: ‚Was will der Nazibonze hier‘ u.a. belegt.
Der Fähnleinführer Grise aus Marienheide hat einmal den Versuch gemacht, alle diejenigen Wölflinge der kath. Kirche zu notieren, die Schmährufe auf die Pimpfe und das Jungvolk ausbrachten wie ‚Braune Idioten‘, ‚Scheißjungvolk‘, ‚Uhr mit Euren schweißbraunen Hemden‘ usw. Nachdem ca. 75 Prozent aller in der Pfadfinderschaft befindlichen Jungen in dieser Liste standen, verzichtete der Fähnleinführer auf weitere Notizen.“