Der Regierungspräsident Osnabrück berichtet
„Die katholische Kirche war in der Berichtszeit außerordentlich rege. Man kann behaupten, dass eine größere Aktivität in den kirchlichen Organisationen, als sie in den vergangenen Wochen beobachtet wurde, kaum denkbar ist. Veranstaltungen des Männerapostolats, der Frauenvereine, der Jungfrauenkongregationen, der Kolpingfamilien, des Akademikerverbandes, der Arbeitervereine, der Jugendorganisationen lösen einander ab. Die Beteiligung übertraf alle Erwartungen. Das Volk zeigt sich in einem Maße der Kirche und dem Klerus verbunden, was nur aus der Besorgnis eines Angriffs des Nationalsozialismus auf den Glauben erklärlich ist. Selbstverständlich tun die Geistlichen das ihrige, diese Entwicklung der Dinge zu fördern. Rein örtlich ist hiergegen nicht viel auszurichten. Man kann dem katholischen Volksteil, der hier 56% der Gesamtbevölkerung ausmacht, zwar durch das persönliche Beispiel ab und an zeigen, dass der Nationalsozialismus in seiner Gesamtheit nicht so schlecht ist, wie man ihn etwa von Seiten der Kirche hinstellen möchte. Solange die Kirche aber auf Aussprüche leitender Nationalsozialisten hinweisen kann, die anscheinend kirchlichen Charakter tragen, wird es der Geistlichkeit immer möglich sein, diesen persönlichen Eindruck zu verwischen. Bedauerlich ist: Viele Katholiken, die anfangs durchaus positiv dem neuen Staate gegenüber eingestellt waren und sich ernsthaft bemühten, eine Übereinstimmung ihrer Weltanschauung mit dem Gedankengut des Nationalsozialismus herbeizuführen, fühlen sich z. Zt. enttäuscht.“