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Ereignisse
1934
Juli

Landrat fordert zur „Förderung der Hitlerjugend“ auf

Der Landrat des Kreises Lippstadt wendet sich am 3. Juli 1934 mit folgendem Schreiben an die Bürgermeister seines Amtsbezirks: „Es ist der Wille der Reichsregierung, dass die gesamte deutsche Jugend von den NS-Jugendorganisationen erfasst ist. Um festzustellen, inwieweit dieser Wille im Kreise Lippstadt bereits zur Tat geworden ist, habe ich feststellen lassen, in welchem Maße die Volksschuljugend der HJ bzw. dem BDM angehört.“

Das Resultat dieser Erhebung lässt nach Ansicht des Landrats viel zu wünschen übrig: „Es ist kein erfreuliches, zum Teil sogar tief trauriges, besonders hinsichtlich der weiblichen Volksschuljugend. Es muss nunmehr alles geschehen, um die Entwicklung der NS-Jugendorganisationen im Kreise Lippstadt zu fördern, und wesentlich zu bessern. In kürzester Zeit müssen mindestens 50% der Kinder vom 5. Jahrgang ab den Organisationen der HJ angehören.“

Um dieses Ziel zu erreichen, ordnet der Landrat an: „Zunächst ersuche ich, zu den Gründen des jetzigen Missstandes die Schulleiter und die in Betracht kommenden Klassenlehrer (innen) protokollarisch zu hören.“ Dabei, so wird ausdrücklich, aber nur bedingt glaubhaft hervorgehoben, sei „zu betonen, dass es sich nicht um ein Vorgehen gegen die Lehrer handelt, sondern darum, die Gründe des jetzigen Missstandes klarzulegen und Wege zu sofortiger Beseitigung zu finden“. Wie hoch der Stellenwert der als „Vernehmungen“ klassifizierten Gespräche angesiedelt wird, ergibt sich unter anderem aus der Anweisung, dass sie „nach Möglichkeit von den Herren Bürgermeistern selbst vorzunehmen oder doch nur von besonders befähigten Beamten“ durchzuführen seien, „die sich nicht über die wahren Gründe täuschen lassen“ würden und die zudem „als weltanschaulich unbedingt zuverlässig angesprochen werden können“. Die Einreichung schriftlicher Erklärungen der Lehrer sei unzulässig. „Ich ersuche gleichzeitig, mit den zuständigen Parteidienststellen (Ortsgruppe HJ, BDM) vertrauliche Fühlung aufzunehmen und über die politische Vergangenheit und heutige Haltung aller Lehrer Erkundigungen einzuziehen, wie der Pfarrer des betreffenden Bezirks sich zur Bewegung verhält. Soweit die Pfarrer hier schon bekannt geworden sind, genügt ein kurzer Hinweis darauf.“ Die entsprechenden Berichte seien bis zum 20. Juli 1934 bei der Kreisverwaltung in Lippstadt einzureichen.

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