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Ereignisse
1934
Juni

Der Landrat berichtet über die „politische Lage“ im Kreis Lippstadt

In seinem Lagebericht greift der Landrat erneut das in seinen Augen zentrale Thema „Lehrerschaft“ auf. „Es ist ausgeschlossen, dass in die heranwachsende Jugend der richtige Geist hineinkommt, wenn die Lehrer davon nicht erfüllt sind. Ich kenne Orte, in denen die Schuljugend 100 %ig der Hitler-Jugend bezw. dem BDM angehört, nur deshalb, weil der Lehrer sie dahin geführt hat. Im Kreise Lippstadt gibt es dagegen Gemeinden, in denen die nationalsozialistischen Jugendorganisationen überhaupt nicht vertreten sind, und im Übrigen gehört nur ein unverhältnismäßig geringer Teil der Jugend ihnen an. Was will es z.B. besagen, dass in Anröchte, einer Gemeinde von 2.500 Köpfen, ganze 35 Jungen der Hitler-Jugend angehören. Die Lehrerschaft ist z.T. viel zu alt, um sich noch so umstellen zu können auf die neuen Gedankengänge wie es notwendiges Erfordernis ist. Für meinen Kreis muss ich sagen, dass für diesen Teil der Beamten eine Reformation an Haupt und Gliedern in Bälde erfolgen muss.“ Zugleich wurde die Ansicht geäußert, die Lehrerschaft im Kreisgebiet anzuweisen, „die Jugend zum Eintritt in die nationalsozialistischen Jugendverbände zu veranlassen“.

Angesichts der andauernden Probleme von HJ und BDM sah es der Landrat als wünschenswert an, „wenn das Verhältnis der Turn- und Sportvereine sowohl zu den Volkssportorganisationen wie auch zu den Jugendverbänden ein für alle Mal klar geordnet würde“.

Er sah ein weiteres aktuelles Problem: „Die katholische Sturmschar besteht eifrig fort und wirbt eifrig neue Mitglieder.“ Er halte es daher für notwendig, dass die Sturmschärler zumindest gezwungen würden, ihren Namen zu ändern, da der jetzige „schon aus psychologischen Gründen bedenklich“ sei, da er „aufreizend“ wirke.

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