Der Landrat berichtet über die „politische Lage“ im Kreis Lippstadt
Die katholischen Geistlichen, so die immer wieder lehrende Meldung des Landrats, sei weiterhin „mit allen Mitteln“ bestrebt, die Jugendlichen unter ihrem Einfluss zu halten. So habe der Lippstädter Vikar Wortmann – zugleich Bezirkspräses des Jungmännervereins - in seiner Predigt am Ostersonntag erklärt, „in den kommenden Wochen müssten sich die Katholiken besonders treu zur Fahne stellen. das gelte vor allem für die Jugend; sie müsse restlos in die katholischen Vereine hinein. Man versuche heute, die Jugend der Kirche zu entreißen und bekämpfe die Fahne Christi; darum gelte es für alle Eltern und Erzieher besonders wachsam zu sein, sie seien für das gefährdete Seelenheil ihrer Kinder und Pflegebefohlenen verantwortlich“.
Dabei beobachtete der Landrat einen in seinen Augen gefährlichen Trend: „Um jeden anderen Einfluss von vornherein auszuschalten, ist man dazu übergegangen, die schulentlassene Jugend möglichst restlos in feierlicher Form in die Jugendvereine zu überführen. Diese Arbeit ist nicht ohne Erfolg geblieben, wie die Tatsache erkennen lässt, dass die nationalsozialistischen Jugendverbände wenig oder gar keine neuen Mitglieder bekommen haben.“ Zudem hätten die katholischen Jugendführer die Vereinsmitglieder im Falle einer Auflösung oder eines Verbots darauf festgelegt, sich keinen anderen Verbänden anzuschließen.
Der Landrat hatte immerhin auch einen Erfolg zu vermelden, denn „trotz der erbitterten Abwehr aller Auflösungs- und Vereinigungsbestrebungen“ sei es seit Sommer 1933 gelungen, 17 der insgesamt 20 DJK-Vereine im Kreisgebiet aufzulösen. „Das ist dadurch gelungen, dass ich den DJK-Vereinen die gemeindeeigenen Plätze entzogen und veranlasst habe, dass Doppelmitgliedschaften zu der SA und solchen Vereinen nicht mehr gestattet worden sind.“
Schließlich kam er erneut auf die politische Bedeutung der Volksschullehrer zu sprechen. „Der Frage der Besetzung der Lehrerstellen auf dem Lande muss größere Beachtung geschenkt werden. Der Lehrer spielt auf dem Lande eine noch größere Rolle wie in der Stadt. Wenn er nicht zuverlässig ist, wirkt sich das in der ganzen Gemeinde aus, ganz abgesehen davon, dass es natürlich mehr als bedenklich ist, unzuverlässigen Lehrpersonen die Erziehung der deutschen Jugend anzuvertrauen.“