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Ereignisse
1934
Januar

Der Landrat berichtet über die „politische Lage“ im Kreis Lippstadt

„Immer wieder“, o der Landrat, würde ihm gemeldet, „dass Geistliche sich während gottesdienstlichen Predigten oder in Privatgesprächen versteckte gegen den Nationalsozialismus zuschulden kommen“ ließen. „Sehr stark ist die Antipathie der kath. Geistlichkeit gegenüber der nationalsozialistischen Jugendbewegung. Intensiv wird an dem Ausbau der kath. Jugendverbände, insbesondere der kath. Sportorganisationen (D.J.K.) gearbeitet. Mit allen Mitteln sucht man den von den Mitgliedern der D.J.K. zum Teil selbst gewünschten Zusammenschluss mit den konfessionell nicht gebundenen Organisationen zu verhindern.“

So habe der Erwitter Kanonikus Loddenkemper erklärt, er sähe die Gefahr, „das bei einer solchen Eingliederung die Führung des Vereins in die Hände von Protestanten komme“. Und weiter: „Seitens der NSDAP sei keine Gewähr dafür gegeben, dass die Jugend in katholischem Sinne geführt werde, wenn sie in einem nichtkatholischen Verein zusammengeschlossen sei. Die DJK sei s.Zt. gegründet worden, weil die Jugend nur noch zu erfassen gewesen sei, wenn man ihr Gelegenheit gegeben habe, sich sportlich zu betätigen.“

Bei den Auseinandersetzungen zwischen Bekennender Kirche und Deutschen Christen in Lippstadt spiele auch „die Eingliederung des evangelischen Jungendwerks in die Hitlerjugend eine erhebliche Rolle“. „Als bedenklich wird die Abmahnung angesehen, dass jedes Mitglied des evangelischen Jugendwerks zuvor Mitglied der Hitlerjugend sein muss.“ Neben kirchenrechtlichen Bedenken befürchte   man hierdurch „eine zu starke Belastung an Geld, Zeit und Kraft für die kirchliche Jugend“. „Man sträubt sich auch hier gegen den Totalitätsanspruch des Staates auf die Jugend, der die völlige Auflösung der konfessionellen Verbände fordert.“ Trotz allem aber sei „die Haltung der evangelischen Geistlichkeit nicht so ernst zu nehmen wie die der katholischen“, da die nachrückenden evangelischen Pfarrer bereits „nationalsozialistisch erzogen“ würden, „was man von den katholischen bestimmt nicht sagen“ könne.

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