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Ereignisse
1934
März

Der Amtsbürgermeister berichtet aus Erwitte

Im März 1934 berichtet der Amtsbürgermeister dem Landrat über Konflikte zwischen der Verwaltung und den Verantwortlichen der örtlichen DJK:

„Den offenen Kampf um die Betreuung der Jugend hat die Geistlichkeit aufgegeben, es kann aber immer festgestellt werden, dass gerade auf diesem Gebiete die Geistlichkeit nicht untätig ist. Dies beweist eine neuerdings auf Veranlassung des Pfarrers Klausenberg vom Kirchenvorstand angestrengte Klage gegen die politische Gemeinde Erwitte wegen Überlassung des im Eigentum der Gemeinde stehenden Sportplatzes. Die Gemeinde Erwitte hat zwar diesen Sportplatz s. Zt. im Austauschwege von der Kirchengemeinde erworben und dabei die Verpflichtung anerkannt, den Sportplatz in erster Linie der Jünglingssodalität zur Verfügung zu stellen. Weil die weitere Benutzung des Sportplatzes durch die Deutsche Jugendkraft, den Sportverein Westfalia und die Hitlerjugend aber zu Unzuträglichkeiten führte und weil für 2 Sportvereine in der Gemeinde Erwitte kein Bedürfnis vorhanden war, weil ferner für den Sportbetrieb nicht der kirchliche Verein, sondern der Sportverein Westfalia in Frage kommen konnte, habe ich und ebenso der Ortsgruppenleiter und Gemeindevorsteher versucht, die Vertreter der Jugendkraft zu bewegen, sich dem Sportverein anzuschließen. Als diese Versuche als endgültig gescheitert anzusehen waren, hat der Gemeindevorsteher der Jugendkraft mitgeteilt, dass sie den Sportplatz nicht mehr benutzen dürfe. Hiergegen richten sich die Klage der Kirchengemeinde und der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung. In der Klageschrift kommt wieder ganz eindeutig zum Ausdruck, dass die Deutsche Jugendkraft eine Abteilung des Jungmännervereins ist und von dem geistlichen Präses des Vereins geleitet wird. Ein ‚dringendes‘ Bedürfnis der sportlichen Betätigung für die Sportabteilung des Jünglingssodalität, wie es in der Klageschrift heißt, besteht nicht. (…) Durch diesen Prozess wird die Kluft zwischen Kirchengemeinde und politisches Gemeinde noch weiter verschärft, was gut hätte vermieden werden können, wenn der Vertreter der Kirche, wie das an so vielen anderen Orten erfreulicherweise geschehen ist, mehr Verständnis und Entgegenkommen bewiesen hätte.“

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