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Ereignisse
1934
September

Organisationsstand der HJ im Amt Störmede

Am 12. September 1934 berichtet Amtsbürgermeister Joest dem Landrat in Lippstadt aufgrund einer Verfügung vom 15. Juni detailliert über den Organisationsgrad der HJ in seinem Amtsbezirk.

„a) Jungvolk.

Die Organisierung des Jungvolks ist hier in allen Gemeinden restlos durchgeführt. Die in Frage kommenden Jungen gehören mit einzelnen Ausnahmen auch restlos dem Jungvolk an.

b) Hitlerjugend.

Das Amt Störmede ist aufgeteilt in zwei scharen: Die Schar Ehringhausen und die Schar Böckenförde.

Die Schar Ehringhausen umfasst die Gemeinden Ehringhausen, Mönninghausen, Bönninghausen, Störmede, Langeneicke, Ermsinghausen und Dedinghausen. Für jeden dieser Orte mit Ausnahme von Bönninghausen und Ermsinghausen besteht eine Kameradschaft. Bönninghausen (106 Einwohner) ist der Kameradschaft Mönninghausen und Ermsinghausen (111 Einwohner) ist der Kameradschaft Langeneicke angeschlossen.

Die Schar Böckenförde umfasst die Gemeinden Böckenförde, Eikeloh und Westernkotten. Für jeden dieser Orte besteht eine Kameradschaft. Eikeloh und Westernkotten gehören zum Amte Erwitte.

Die Gemeinden Rixbeck und Esbeck sind offiziell einer bestimmten Kameradschaft nicht angeschlossen. Die Jungen aus Rixbeck haben sich nach Belieben bei der H.J. Lippstadt oder Dedinghausen aufnehmen lassen. Aus Esbeck gehören nur 2 Jungen der H.J. an, die nach Lippstadt gehen.

Der Führer der Schar Ehringhausen ist der Landwirtschaftsgehülfe Franz Gerling in Ehringhausen. Er führt gleichzeitig die Kameradschaft Ehringhausen. In Ehringhausen sind 14 Jungen vorhanden, die für den Eintritt in die H.J. in Frage kämen. Von diesen 14 gehören 7 der H.J. tatsächlich an. Diese 7 Jungen setzen sich aus allen vorkommenden Berufsschichten zusammen. Von den 7 Abseitsstehenden sind 4 Jungen ortseingesessen und 3 ortsfremde Landwirtschaftsgehülfen.

Einer von den 4 Ortseingesessenen hat der H.J. angehört, er ist aber wegen Kränklichkeit ausgeschieden. Es soll versucht werden, die anderen noch für den Eintritt in die H.J. zu gewinnen.

Die Kameradschaft Mönninghausen wird geleitet von dem Obersekundaner Alfons Niermann, Mönninghausen. Von den 24 in Frage kommenden Jugendlichen gehören 16 der H.J. [an.] Von den 8 Abseitsstehenden sind 5 Ortseingesessene. Die Mitglieder der H.J. setzen sich aus allen vorkommenden Berufsschichten zusammen.

Die Kameradschaft Mönninghausen befindet sich anscheinend in guten Händen.

Die Kameradschaft Dedinghausen wird geführt von dem Metzgergehülfen Josef Kohl in Dedinghausen. Von den 16 in Frage kommenden Jugendlichen in Dedinghausen gehören 11 der H.J. an. Sie setzen sich aus allen Ständen zusammen. Von den 5 Abseitsstehenden sind 4 Ortseingesessene. Kohl will sich bemühen, auch die jetzt noch Abseitsstehenden restlos für seine Kameradschaft zu gewinnen. Außer diesen Dedinghäusern hat er in seiner Kameradschaft noch einen Jungen aus Rixbeck. In Rixbeck sind 10 für die H.J.in Frage kommende Jugendliche vorhanden, von denen 3 der H.J. noch nicht angehören. Von diesen 5 Abseitsstehenden sind 4 Ortseingesessene, und zwar alles Arbeitersöhne.

Kohl scheint im Ganzen seine Kameradschaft in Ordnung haben. Er will aber jetzt auch in Rixbeck und Esbeck stärkere Werbungen veranstalten, um auch die Jugendlichen aus diesen beiden Orten restlos in seine Kameradschaft hineinzuziehen. Eigene Kameradschaften für die Orte Rixbeck und Esbeck lassen sich vorläufig nicht bilden, weil die Zahl der Jugendlichen zu klein ist. Außerdem fehlt es auch an Führerpersönlichkeiten.

Vor allem muss noch in Esbeck besser geworben werden, wo von 8 Jungen nur 2 der H.J. angehören.

Die Kameradschaft Langeneicke ist z.Zt. führerlos. Der bisherige Führer ist wegen Unterschlagung einkassierter Beiträge vor einiger Zeit seines Amtes enthoben worden. Dieser Vorfall hat die gesamte H.J., die hier schon allgemein schwer um ihre Existenz zu ringen hat, in Misskredit gebracht. Das Leben in der Kameradschaft liegt deshalb z.Zt. fast ganz brach. Wegen Neubestellung eines Führers schweben Verhandlungen. Ich werde darüber demnächst noch berichten.

Von den 29 in Frage kommenden Jugendlichen in Langeneicke gehören 15 der H.J. an. Sie setzen sich aus allen Berufsschichten zusammen. Die 14 Abseitsstehenden sind zur Hälfte Einheimische und zur Hälfte Auswärtige.

Die Kameradschaft Störmede, die eigentlich nach der Zahl der in Frage kommenden Jugendlichen den anderen Kameradschaften des Amtes ein Muster sein müsste, hat immer ein außerordentlich kümmerliches Dasein gefristet. Von den 53 vorhandenen Jugendlichen gehören nur 9 der H.J. an. Der Kameradschaftsführer war ein Schuhmachergehülfe, der vor einiger Zeit seine Stelle hier aufgegeben hat. Seitdem ist die Kameradschaft führerlos. Gerling gab mir an, dass er den Störmedern einen sehr geeigneten Jugendlichen aus Ehringhausen als Führer angeboten habe. Die Störmeder hätten diesen aber als Auswärtigen abgelehnt. Wegen der Bestellung eines neuen Führers schweben nun z.Zt. noch Verhandlungen. Ich werde dieserhalb in nächster Zeit noch berichten.

Die Jugendlichen, die der H.J.in Störmede angehören, sind sämtlich Söhne von Arbeitern, Handwerkern und Beamten. Gerling beabsichtigt, in Störmede mit verstärkten Werbungen einzusetzen. Das zu bearbeitende Feld ist hier aber außerordentlich schwierig.

Der Führer der Sohar Böckenförde ist der Unterprimaner Leo Koch-Schulte in Böckenförde. In Böckenförde gehören von 16 in Frage kommenden Jugendlichen 13 der H.J.an. Von den 3 Abseitsstehenden ist einer Einheimischer, der für die H.J. auch nicht zu gewinnen sein wird.

In Böckenförde scheint die H.J. wohl am besten in Ordnung zu sein.

Über die Beteiligung aus Eikeloh und Westernkotten habe ich keine Feststellungen machen können, weil ich eine Liste der in Frage kommenden Jugendlichen mangels Unterlagen nicht aufstellen konnte. Koch-Schulte gab mir aber an, dass die Beteiligung in diesen beiden Orten schlechter, in Westernkotten sogar recht schlecht sei.

Über die Gründe der Hemmungen befragt, mit denen die H.J. hier fast an allen Orten mehr oder weniger zu kämpfen hat, gaben mit die Schar- und Kameradschaftsführer sämtlich an, dass es bei den Abseitsstehenden ah dem erforderlichen Interesse mangele. Nur in vereinzelten Fällen konnten sie bestimmte Gründe (andere politische Einstellung der Eltern pp.) angeben. Schwierigkeiten, die in dem zeitigen gespannten Verhältnis zwischen Staat und Kirche beruhen, will keiner sehen. Ich bin aber davon überzeugt, dass dies an einzelnen Orten, vor allem auch hier in Störmede, nicht unwesentlich mit spricht.

Ein großer Mangel ist, dass es hier bisher an Heimen für die H.J. gefehlt hat. Geeignete Räume sind hier aber nirgend vorhanden. Für den kommenden Herbst und Winter muss aber wenigstens dafür gesorgt werden, dass geeignete Wirtshausräume und Säle für die Heimabende und für die Abhaltung von Freiübungen angemietet werden. Hier müssen die Gemeinden geldlich helfen. In der Geldfrage dürfte auch kaum eine Schwierigkeit entstehen.

o) Bund Deutscher Mädel.

Für den B.D.M. sind die Ermittlungen noch nicht vollständig abgeschlossen, sodass ich darüber noch nicht endgültig berichten kann. Der Bericht wird aber in den allernächsten Tagen folgen.“

[Leider ist ein entsprechender Bericht in der Akte nicht enthalten.]

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