Der Amtsbürgermeister berichtet aus Störmede
Ende Juli 1934 berichtet Amtsbürgermeister Joest dem Landrat turnusgemäß über die Stimmung im Amtsbezirk. „Mit fortschreitender Zeit ist aber die wahre innere Einstellung der Landbevölkerung dem neuen Staat gegenüber immer deutlicher zu erkennen. Das Verständnis für das nationalsozialistische Gedankengut ist durchweg nicht vorhanden. Infolgedessen steht man der neuen Staatsidee mehr oder weniger gleichgültig gegenüber. Es ist dies nicht böser Wille, sondern lediglich Unverstand. Dazu kommt die innerlich gegnerische Einstellung der Geistlichkeit dem neuen Staat gegenüber, die bewusst oder unbewusst sehr stark auf die Bevölkerung wirkt. Die Geistlichkeit ist hier bisher fast zu 100% meinungsbildend gewesen und wird es auch vorläufig bleiben. In der Jetzt lebenden Generation, das zeigt sich immer deutlicher, wird sich eine innere Umstellung nicht mehr vollziehen. (…)
Die Hoffnung beruht hier auf der jetzt heranwach senden Generation. Die Pioniere des neuen Staates müssen hier neben den wenigen in den politischen Organisationen tätigen und befähigten Führern die Lehrpersonen sein. Es war deshalb sehr richtig und notwendig, dass der Herr Landrat durch seine Verfügung vom, 3. ds. Mts. (…) die Anregung dazu gegeben hat, die Erfassung der gesamten Schuljugend vom 5.-8. Jahrgange durch die nationalen Jugendorganisationen von jetzt ab mit vermehrter Intensität [zu] betreiben. Ich verspreche mir von dieser Aktion den Erfolg, dass die infrage kommenden Jugendlichen in kurzer Zeit nahezu 100%ig von den Organisationen des Jungvolks und der Jungmädel erfasst sein werden. Es muss den Lehrpersonen auch bei jeder Gelegenheit klargemacht werden, dass sie selbst mit die stärksten Stützen für den neuen Staat sein sollen. Auf der anderen Seite müssen die Lehrpersonen aber auch wissen, dass der neue Staat sich keine Lehrer, die sich nicht voll für ihn einsetzen, leisten kann und leisten wird. Hier sind unbedingt noch innere Hemmnisse zu überwinden. Die Lehrerschaft weiß sehr genau, dass Gegensätzlichkeiten mit der Geistlichkeit, die lediglich auf politischen Gründen beruhen, hier in der Bevölkerung Übel vermerkt werden würden. Die Lehrerschaft wird hier im Allgemeinen in dieser Hinsicht mit der Zeit aber doch eine klarere Stellung einnehmen müssen als bisher. (…)
Auf die dortige Verfügung vom 15. Juni ds. Js IV.15/7 bin ich daran, eine genaue Statistik über alle schulentlassenen Jugendlichen aufzustellen, di e von den nationalen Verbänden erfasst werden könnten und die erfasst worden sind. Nach Aufstellung dieser Statistik werden sich nähere Betrachtungen über die Organisationen der HJ. und des BDM. ermöglichen lassen. Diese Organisationen führen hier auf dem Lande s.Zt. noch ein außerordentlich kümmerliches Dasein. Den Einfluss wie bei der Schuljugend wird man auf die Schulentlassenen selbst-t verständlich nicht haben. Zweifeillos wird sich aber auch zur Förderung dieser Verbände manches tun lassen, wem man sich die Ursachen der bisherigen Hemmnisse erst einmal klar vor Augen geführt hat.“