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Ereignisse
1934
Juli

Der Bürgermeister berichtet aus Geseke

Ende Juli 1934 berichtet der Geseker Bürgermeister über die politische Lage mit Blick auf die ortsansässige Jugend: „Aus den Kreisen der HJ., die hier eine sehr rege Tätigkeit entfaltet, wird immer noch Klage geführt über zwar heimliche, aber sehr intensive Werbung für die kirchlichen Organisationen, insbesondere für die Sturmschar. Nach Vermutungen einzelner Mitglieder der HJ. soll die Sturmschar in den letzten Tagen dazu übergegangen sein, sich Kleinkaliberwaffen zu besorgen, angeblich, um mit Hilfe dieser ein Vogelschießen zu veranstalten. Die sofort angestellten scharfen Beobachtungen haben bisher noch zu keinem Ergebnis geführt. Zu Reibereien soll es in den letzten Wochen innerhalb der Führung des B.D.M. gekommen sein. Genauere Angaben hier über liegen noch nicht vor.“

Am 1. August reagierte der Landrat auf die beunruhigende Meldung einer Bewaffnung der Geseker Sturmschar und wies den Bürgermeister an, seine Angaben dahingehend zu ergänzen, wer die Werbung für die Sturmschar betreibe, „in welcher Weise sie erfolgt, ob und welchen Erfolg sie bislang gehabt hat und was bezüglich der Anschaffung von Kleinkaliberwaffen inzwischen festgestellt worden ist“. Ende August wurde das harmlose, aber wohl zeitgemäß-typische Ergebnis der Ermittlungen nach Lippstadt mitgeteilt. Die von ihm „persönlich angestellten Ermittlungen betreffs Kleinkaliberwaffen der Sturmschar“, so der Geseker Bürgermeister, hätten „keinerlei Anhaltspunkte ergeben“. „Der Führer der H. J. scheint durch einen seiner Jungen falsch unterrichtet worden zu sein. Die eigentliche Sturmschar hat zur Zeit nur 6-8 Mitglieder, während die Jungschar noch ca. 50 Mitglieder haben soll. Wer die eigentliche Werbung betreibt, kann nicht einwandfrei festgestellt werden, da eine offene Werbung nicht erfolgt. Diese dürfte innerhalb der Mitglieder von Mund zu Mund durchgeführt werden. Der Haupturheber wird nach wie vor der Kanonikus Loddenkemper sein.“

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