Die Gestapo Bielefeld berichtet für den Regierungsbezirk Minden
Zur „Katholischen Bewegung“: „Die Tätigkeit der katholischen Aktion ist unverändert rührig. Auf ihr Wirken ist der feste Zusammenhalt der Vereine, die gründliche Pflege der Gemeinschaft der Katholiken untereinander und die einheitliche Behandlung von Weltanschauungsfragen zurückzuführen.
Eine im Westfälischen Volksblatt Paderborn veröffentlichte Beschreibung der Bonner Tagung der ‚Freien Vereinigung für seelsorgerische Hilfe‘ (eine katholische Einrichtung) endet mit den Worten des hl. Augustinus: ‚Es fürchtet keiner den Zornesblick des Mächtigen, der da haftet am Antlitz des Allmächtigen.‘ Hiermit ist ganz zweifellos die Grundeinstellung des überwiegenden Teiles der katholischen Bevölkerung gekennzeichnet. In ihrem politischen Teil nimmt zwar die katholische Presse eine positive Haltung zum Staate ein, betrachtet sich aber in kirchlichen Dingen ganz zweifellos in einer starken Abwehrstellung. Diese Haltung wirkt sich deutlich in den katholischen Gegenden auf das Verhältnis der katholischen Jugendverbände zur HJ aus. Die katholischen Jugendverbände sehen die ihr auferlegten Beschränkungen als einen Bruch des Konkordats an. Die Kirche selbst tut mit Erfolg alles, um die Jugend in ihren Verbänden zu halten.
Auch den anderen Organisationen der Bewegung gegenüber wird immer wieder die Besorgnis mangelnder seelsorgerischer Betreuung entgegengehalten. So wird z.B. gleichfalls in der Westfälischen Volkszeitung unter den Titel „Seelsorge und Landhilfe” eine Verlautbarung des Amtsblattes für die Erzdiözese Paderborn von 19. Oktober wiedergegeben, (es handelt sich um ein Hirtenwort des deutsche Episkopats), in den auf die großen Schwierigkeiten der Seelsorge bezgl. der Arbeitsdienstläger hingewiesen wird, ‚da die Seelsorge und die Abhaltung des Gottesdienstes in den Lägern durch die staatlichen Stellen verboten ist.‘ Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Landjahrheime nicht nach Konfessionen gegliedert seien, sondern gemischt. Es heißt dann weiter: ‚Dadurch entstehen eine ganze Menge von Gefahren für die Kinder. Die Kinder dieser Heine schreien geradezu nach Seelsorge.‘ Es unterliegt gar keinem Zweifel, dass durch derartige Verlautbarungen langsam aber sicher in der Bevölkerung der Eindruck erweckt wird, als seien die staatlichen Einrichtungen Gefahren für den Glauben und für eine ordnungsmäßige seelsorgerische Betreuung. Da derartige Erwägungen bei der katholischen Bevölkerung im Allgemeinen schwer wiegen, erschweren sie das Weiterkommen der nationalsozialistischen Bewegung sicherlich.“
Außerdem berichtet die Gestapo von der Amtsenthebung des HJ-Führers Kaldewey aus Fürstenberg und seinem Ausschluss aus der HJ wegen Verstoßes gegen den § 175. Kaldewey sei flüchtig und solle sich im Ausland aufhalten.