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Ereignisse
1934
Juli

„Förderung der Hitlerjugend“ – Ermittlungsergebnisse aus Rüthen

Der Rüthener Bürgermeister Töggeler erstattet dem Landrat in Lippstadt am 18. Juli 1934 unter der Betreff „Förderung der Hitlerjugend“ Bericht zum Organisationsgrad und zur Situation der NS-Jugendorganisation in der Stadt.

 

Klasse     Jhg.        Schüler      HJ

Ia            7/8           53           41
Ib            7/8           37           30
IIa           5/6           59           40
IIb           5/6           50          24
III             4             66          30
IV             3             47           11
V               2            63           14
VI             1             50            5

Ges.                        425         195
 
 

Ergänzend führt er aus:

„Die Hitlerjugend ist hier bei den noch volksschulpflichtigen Kindern verhältnismäßig gut vertreten. Der Prozentsatz der Klasse der Lehrerin Bloch ist deshalb geringer, weil es sich um die Mädchen im Alter von 10 - 11 Jahren handelt. Die Gründe, weshalb im Übrigen nicht alle Kinder der Organisation beigetreten sind, sind aus den Aussagen der Lehrpersonen ersichtlich. Ich füge diese in doppelter Ausfertigung bei. Es sind in der Hauptsache wirtschaftliche und häusliche. Die Eltern sind vielfach lange Jahre erwerbslos gewesen und scheuen daher die Aufwendungen; letzteres gilt auch von den kleinbäuerlichen Familien und Handwerkern, bei denen manchmal die größte Geldknappheit herrscht. Wenn auch vielleicht noch in einzelnen Familien eine Abneigung gegen die Organisation besteht, so ist das doch eine Ausnahme. Die Mädchen werden im Haushalte, besonders in den bäuerlichen Betrieben, zur Mitarbeit herangezogen.

Auch nach Angabe der Führerin der Jungmädel, Fräulein Stemmer hierselbst, bestehen keine besonderen örtlichen Schwierigkeiten. Die Arbeit ist hier viel leichter als auf den Dörfern. Frl. Stemmer will sich der weiteren Verbreitung der Jungmädelorganisation besonders annehmen. Über die politische Vergangenheit der Lehrpersonen usw. kann sie bei ihrem jugendlichen Alter noch keine Auskunft geben.

Nach Fühlungnahme mit den örtlichen Parteidienststellen möchte ich bemerken, dass gegen die heutige fragliche Haltung der Lehrpersonen, die früher der Bewegung fern standen, nichts einzuwenden ist. Der hiesige Pfarrer Behrens, - ein alter Herr- ^verhält sich gegenüber der Bewegung neutral, der Vikar Bürger ist dort bereits bekannt geworden durch die Predigt am Tage des Junggesellenschützenfestes.

Alles in allem geht die Förderung der Hitlerjugend in der Stadt Rüthen gut von statten. Der Bewegung gehört schon eine große Anzahl von Kindern unter dem 10. Lebensjahre an. Es wäre allerdings erforderlich, dass hierauf besondere Rücksicht in der Diensteinteilung und Dauer genommen würde. Dieses scheint nicht immer zu geschehen; denn mein Sohn, der 7 Jahre alt ist, war kürzlich von 2 Uhr bis ½ 9 Uhr nachmittags zum Dienst, ohne irgendetwas in der Zeit gegessen zu haben. Es wäre am besten, wenn die Führer der Jüngeren Kinder bei längerer Dauer des Dienstes die Kleinen entließen oder ihnen wenigstens aufgäben, Butterbrot mitzubringen. Der Erfolg der Jugendbewegung dürfte größtenteils von der Führerfrage abhängen.“

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