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Ereignisse
1934
September

September 1934: Die Gestapo Koblenz berichtet für den Regierungsbezirk Koblenz

Rubrik „Stimmung in der Bevölkerung“: „In den Kreisen des Bürgertums ist die Stimmung noch immer sehr geteilt. Die ausgesprochen oppositionellen Teile des Bürgertums befinden sich vor allem in den begüterten Kreisen der Kaufmannschaft und der Industrie. Diese sind vielfach der Ansicht, dass durch den Tod des Reichspräsidenten von Hindenburg das letzte Bollwerk gegen die sozialistischen Bestrebungen des Nationalsozialismus gefallen sei und dass sich diese nunmehr ungehemmt zum Nachteile des besitzenden Bürgertums auswirken würden. Große Teile des besseren Bürgertums halten sich noch immer für zu gut, gemeinsam mit dem einfachen Mann in einer Organisation vereinigt zu sein. Dieselbe Haltung nehmen diese Kreise auch hinsichtlich der Zugehörigkeit ihrer Kinder zur Hitlerjugend ein.“

Rubrik „Katholische Bewegung“: „Die katholische Geistlichkeit hält sich in politischer Hinsicht nach außen hin auch weiterhin zurück. Zwischenfälle von Belang haben sich nicht ereignet. Ein großer Teil der katholischen Geistlichkeit steht aber nach wie vor dem nationalsozialistischen Staat ablehnend gegenüber, wenn er seine ablehnende Haltung nach außen hin auch nicht kundtut. Besonders die als Hetzer bekannten Geistlichen setzen im geheimen ihre zersetzende Tätigkeit fort. Dies gilt auch hinsichtlich des Kampfes um die katholische Jugend, die sie nach wie vor restlos den katholischen Jugendverbänden zuzuführen bestrebt ist. Zu diesem Zwecke betreibt sie von der Kanzel herab eine eifrige Propaganda für die katholische Jugend-Zeitschrift „Die junge Front“. Es ist in mehreren Fällen festgestellt, dass diese Zeitschrift auch sonntags vor und nach dem Gottesdienst innerhalb der Kirchen von behelfsmäßig eingerichteten Verkaufstischen aus durch Angehörige der katholischen Jugendverbände vertrieben worden ist.

Die Angehörigen der katholischen Jugendverbände halten sich nach außen hin noch immer stark zurück. Zusammenstöße mit den nationalsozialistischen Jugendverbänden sind nicht bekannt geworden.“

Rubrik „Die Bewegung und ihre Organisationen“: „HJ, BdM: Die Durchführung des Staatsjugendtages hat in den Elternkreisen nicht überall den Anklang gefunden, den man von ihm erwartet hatte. Der Gedanke der Heranbildung einer Staatsjugend, die in nationalsozialistischem Sinne erzogen werden soll, wird zwar von der Mehrzahl der Eltern grundsätzlich begrüßt. Man hört jedoch ganz allgemein Klagen darüber, dass die jugendlichen Führer den Aufgaben, die sie zu erfüllen haben, nicht immer gewachsen seien. Insbesondere soll das Jungvolk in vielen Fällen durch ausgedehntes Exerzieren überanstrengt worden sein. Der Gedanke, dass Jugend von Jugend geführt werden soll, wird von der Mehrzahl der Elternschaft abgelehnt. Man wünscht vielmehr die Heranziehung gereifter, pädagogisch geschulter Kräfte. Es dürfte im Interesse des staatlichen Jugendwerks liegen, wenn hier Wandel geschaffen und die Tätigkeit der Jugendführer noch mehr wie bisher überwacht würde.“

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