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Ereignisse
1934
November

November 1934: Die Gestapo Aachen berichtet für den Regierungsbezirk Aachen

Rubrik „Katholische Kirche“: „Die Tätigkeit der katholischen Kirche konzentrierte sich im verflossenen Monat auf den Kampf gegen das sogenannte "Neuheidentum". In erster Linie ist es das Buch Alfred Rosenbergs "Der Mythos des XX. Jahrhunderts", gegen das fast bei allen Gottesdiensten - in teilweise sehr scharfer Form - Stellung genommen wird. Dabei weist die Geistlichkeit stets daraufhin, dass es für einen gläubigen Katholiken verboten ist, das Buch zu lesen. (…) In den Schützenbruderschaften und den Jugendorganisationen macht sich eine lebhafte Werbearbeit bemerkbar. Vor allem läuft die Werbearbeit der Jugendorganisationen darauf hinaus, Mitglieder aus dem Jungvolk und der HJ. zu gewinnen, was auch vielfach gelungen ist. Den katholischen Familien werden in reger Weise Flugblätter, die zum Eintritt in die katholischen Organisationen (Jungfrauen- und Frauenkongregationen, Bonifatiusverein, Jungschar usw.) oder zu deren Neugründung auffordern, zugestellt. Auffallend erscheint, dass man neuerdings auch zu Sonntagspredigten vielfach auswärtige Patres heranzieht, die in erheblichem Masse Verwirrung ins Volk bringen. (…) Zusammenfassend möchte ich sagen, dass man zwar in der katholischen Bevölkerung noch nicht von einer Frontstellung gegen die Regierung und die Bewegung sprechen kann, dass aber, falls nicht bald amtlicherseits eine eindeutige Stellungnahme zu dem Buche "Mythos" genommen wird, Misstrauen und Abneigung der Bewegung gegenüber sich immer stärker breitmachen.“

Rubrik „N.S.D.A.P. und ihre Gliederungen“: „Der Hitler-Jugend stehen noch weite Kreise der Bevölkerung ablehnend gegenüber, weil sie die Führung für ungeeignet halten. Sie können nicht verstehen, dass Jugend von Jugend zu führen sei und wünschen - mindestens beim Jungvolk - die Beteiligung der Lehrpersonen. Ich bin der Überzeugung, dass zahlreiche Eltern ihre Zurückhaltung gegenüber der HJ. aufgäben, wenn da eine Änderung eintreten wurde. Vorläufig glaubt man aber gerade innerhalb der katholischen Bevölkerung seine Kinder bei der Geistlichkeit besser aufgehoben als bei halbwüchsigen Jungens, die oft nicht mit der nötigen Sorgfalt an ihre Stelle gesetzt worden seien.

Besonders auffällig sind die Klagen über den Verlauf des Staatsjugendtages, an welchem zahlreiche Gruppen von morgens bis abends so gut wie völlig undiszipliniert herumlaufen und die Jungens sich fast selbst überlassen sind. Dies führt dann dazu, dass sie, wie es vorgekommen ist, sich mit dem Bewerfen von Zügen abgeben oder anderen Unfug stiften.“

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