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Ereignisse
1934
Oktober

Oktober 1934: Die Gestapo Aachen berichtet für den Regierungsbezirk Aachen

Rubrik „Katholische Kirche“: „Auf die Tatsachen, dass die katholische Kirche inzwischen auf der ganzen Linie zum Angriff übergegangen ist, es aber meisterlich verstanden hat, ihre Haltung als eine ihr durch das sogenannte „Neuheidentum“ und andere angeblich kirchenfeindliche Bestrebungen aufgezwungene Verteidigung hinzustellen, und dass sie dabei durch unermüdliche und psychologisch ganz individuelle Bearbeitung jedes Einzelnen den katholischen Menschen – erfolgreich – aus der totalen Weltanschauung des Nationalsozialismus zur totalen katholischen Weltanschauung wieder zurückzuführen versucht, habe ich in meinem vorigen Bericht eingehend hingewiesen. Sie hat sich für diesen Kampf im Verlauf des letzten Jahres im Stillen vorbereitet und ist jetzt in der Katholischen Aktion mit ihren zahlreichen Untergliederungen – organisatorisch aufs Beste vorbereitet – auf den Plan getreten. Dass sie sich dabei in Ausdruck und Form dem Nationalsozialismus abgesehener Propagandamethoden bedient, spricht m.E. nur für ihre Weltklugheit und ihr Geschick. So ist schon jetzt ein bemerkenswerter Erfolg nicht zu verkennen und insbesondere in den katholischen Jugendverbänden nicht nur eine innere Festigung, sondern stellenweise auch – zum Nachteil der Hitlerjugend – eine zahlenmäßige Erstarkung zu verzeichnen. Erleichtert wird der katholischen Kirche der Kampf schließlich durch die augenblickliche weitgehende Zurückhaltung der staatlichen Stellen sowohl als auch der Bewegung und durch das zunehmende Gerücht, nach Klärung der Saarfrage werde es doch noch zu einem Kulturkampf kommen. Öffentlich nachweisbare Angriffe gegen den Staat waren auch im Berichtsmonat selten. Umso nachdrücklicher wurde in Wort und Schrift gegen Rosenbergs „Mythos“ Stellung genommen.

Bemerkenswert war die Feier des Christ-Königs-Festes, die fast überall demonstrativen Charakter trug. Besondere Beachtung verdient die Ansprache des Aachener Bischofs Dr. Vogt, der u.a. ausführte: „Man will diese Kirche, die heilige römisch-katholische Kirche, die Christus gegründet und auf dem Felsen gebaut hat, ausrotten und losreißen vom Felsen Petri. Man will eine neue Kirche gründen, die sogenannte National-Kirche. Die alte Zeit soll wieder auferstehen, die Götter der Germanen sollen wieder lebendig werden. Das ist Unsinn, ja Wahnsinn, das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Wir wollen hoffen, dass es nur bei dem Versuch bleibt. Der Führer und Reichskanzler hat es mehr als einmal versprochen, dass er das Christentum schützen werde. Wir haben dieses Wert gehört und dankbar begrüßt und wollen darauf vertrauen.“

Der demonstrative Charakter der Veranstaltungen zeigte sich insbesondere in dem Verhalten der Sturmschar-Mitglieder nach Verlassen der Kirche, die sich zu einheitlichen Trupps versammelten und dann unter „Heil-Rufen“ geschlossen abzogen. (…) Im einzelnen sei z.B. darauf hingewiesen, dass die Bevölkerung kein Verständnis dafür hat, wenn der Westdeutsche Beobachter über eine im Kölner Dom stattgefunden Jugendkundgebung schreibt, dass grade das Mittelschiff angefüllt gewesen sei, während tatsächlich nicht nur der Dom überfüllt war, sondern sich auch noch eine nach Tausenden zählende Menge vor ihm und in den angrenzenden Straßen angesammelt hatte.“

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