Juli 1934: Die Gestapo Trier berichtet für den Regierungsbezirk Trier
Zur „Katholischen Kirchenpolitik“ heißt es: „Hier zeigte sich im vergangenen Monat ein wesentlich ruhigeres Bild als im Vormonat, der im Zeichen der HJ-Werbewoche mit ihren scharfen Kämpfen zwischen HJ und den katholischen Jugendorganisationen stand und die Geistlichen zu leidenschaftlichen Protesten gegen die Werbeaktion der HJ veranlasste. Zurückhaltend und beruhigend hat auf beiden Seiten entschieden auch die Wiederaufnahme der Konkordatsverhandlungen gewirkt, deren Ausgang mit Spannung erwartet wird. In den Predigten hat sich die Geistlichkeit durchweg größere Zurückhaltung auferlegt. Allerdings wurden immer noch die Gläubigen warnend auf das angeblich drohende Neuheidentum hingewiesen.
Der gemeinsame Fuldaer Hirtenbrief der deutschen Bischöfe ist auch hier von einigen Pfarrern verlesen worden. In einzelnen Kreisen wurde darüber hinaus versucht, Nachdrucke des Hirtenbriefes anzufertigen und in den Häusern und auf den Straßen zu verteilen. Dies ist jedoch durch Beschlagnahme der Druckschriften verhindert worden. Die katholischen Vereine, insbesondere die Jugendvereine, sind nach wie vor recht tätig und befinden sich fest in der Hand der Geistlichkeit. Wie stark der Einfluss dieser Vereine auf ihre Mitglieder ist, geht daraus hervor, daß in verschiedenen Fällen von SA-Leuten, denen nahegelegt wurde, aus dem katholischen Jugendverband auszutreten, erklärt worden ist, lieber aus der SA austreten und im Jugendverband verbleiben zu wollen. Die Mitgliederwerbung der katholischen Organisationen ist überall aktiver geworden. Es wurde beobachtet, dass katholische Geistliche, die Angehörigen ihrer Organisationen, insbesondere die örtlichen Führer, in regelmäßigen Zeitabschnitten in den Pfarrhäusern versammeln und regelrechte Instruktionsstunden über die Vereinstätigkeit mit ihnen abhalten. In verschiedenen Orten ist es auch in diesem Monat zur Neubildung von Jugendgruppen gekommen. Von Seiten der Geistlichkeit wird in den Vereinen das Lesen der Wochenzeitschrift „Junge Front“, die besonders im Moselgebiet sehr stark verbreitet ist, propagiert. Das Verhältnis der konfessionellen Gruppen zu den nationalsozialistischen Organisationen ist nach wie vor gespannt. Zu Zusammenstößen ist es aber nicht mehr gekommen, da beide Teile durch ihre Führer von Provokationen zurückgehalten werden.
Mehrere hundert Mitglieder der kath. Jugendverbände haben an der vor einigen Tagen in Saarbrücken stattgefundenen großen Kundgebung der katholischen Saarjugend teilgenommen. Die Kundgebung, die im nationalen Sinne einwandfrei war und bei der der Trierer Bischof anerkennenswerte deutliche Worte gegenüber dem Saarseparatismus gefunden hat, dürfte im Trierer Bezirk manchen Gegensatz überbrückt haben.“
Über die HJ wird berichtet: „Nach Beendigung der Werbewoche der Hitlerjugend ist es zu keinen nennenswerten Zusammenstößen zwischen HJ. und konfessionellen Jugendverbänden gekommen. Auch das wahllose Ankleben von Plakaten und das Beschmieren der Bürgersteige und Häuser hat aufgehört, nachdem von der Oberbannführung gegen die Mitglieder, die Ungesetzlichkeiten begehen, ebenso wie gegen die verantwortlichen Unterführer, die ihre Leute nicht in der Hand haben, vorgegangen wird. In einzelnen Fällen ist festgestellt worden, dass Unarten im Kampfe der HJ. von Mitgliedern begangen wurden, die früher der KPD. nahestanden und deren Methoden wohl heute noch nachahmen wollen.
Die Werbeaktion hat nach den Meldungen gute Teilerfolge erzielt; insbesondere sind die Kinder der Beamten und Angestellten sämtlicher Behörden so gut wie ausnahmslos den nationalsozialistischen Jugendverbänden beigetreten. Die Anordnung der Reichsleitung, dass die Kinder am Sonntag den Eltern gehören sollen, hat auch bei der Jugendwerbung gut und beruhigend gewirkt.“