Menü
Ereignisse
1934
Juli

Juli 1934: Die Gestapo Recklinghausen berichtet für den Regierungsbezirk Münster

„Katholische Kirche

Der politische Katholizismus im hiesigen Bezirk ist aktiver und reger denn je. (…) Die offensichtliche Oppositionsstimmung in der katholischen Bevölkerung wird unterstützt durch unzweckmäßige weltanschauliche Äußerungen einzelner Amtswalter im Besonderen aber H.J.-Führer. So hat der fast von allen Amtsstellen der Partei als ungeeignet angesehene H.J.-Führer M. in Dorsten in einem Aufruf von den Leuten gesprochen, die 10-mal in der Woche in die Kirche laufen. Derartige öffentliche Verlautbarungen werden von katholischer Seite begierig aufgegriffen und führen nur zum schweren Schaden der Bewegung. Es ist ein anonymes Flugblatt verbreitet worden, in welchem zum Ausdruck kam, dass der Fluch Gottes über dem heutigen Staate laste. (…)

Katholische Jugend

Die Durchführung meiner staatspolizeilichen Anordnung vom 28.6.1934 über die Einschränkung der öffentlichen Betätigung der konfessionellen Verbände und Standesvereinigungen stößt nicht auf Schwierigkeiten. In Zweifelsfällen werden Rückfragen gehalten. Allerdings hat der Herr Bischof von Münster gegen die Einschränkung der Betätigung der kath. Vereine mit Entrüstung Verwahrung eingelegt. Er Ist im Einvernehmen mit dem Herrn Oberpräsidenten dahin beschieden worden, dass die Einschränkung der sportlichen Betätigung nicht gegen den § 31 des Konkordats verstößt, welches sich nur auf Vereine erstreckt, die ausschließlich religiösen, kulturellen und karitativen Zwecken dienen. Es ist nunmehr Sache der H.J., die der konfessionellen Jugend durch meine Anordnung weitgehendst auferlegte Beschränkung fast jeder außerhalb der eigenen Baulichkeiten liegenden Tätigkeit zu ihren Gunsten auszunutzen. (…)

Die Partei und ihre Gliederung.

In meiner Einleitungsbemerkung habe ich darauf hingewiesen, dass die nationale Bewegung Im Regierungsbezirk Münster nur sehr schwer und unter teilweisem Geländeverlust Boden gewinnt. Die bei der Hitlerjugend gemachten Beobachtungen bestätigen diese Feststellung. Im Kreise Tecklenburg sind folgende Mitgliedsziffern der H.J. gemeldet:

Im Amt Tecklenburg       7% der kath. Jugend – 32% der evgl. Jugend

Im Amt Ibbenbüren         19% der kath. Jugend – 52% der evgl. Jugend

Im Amt Mettingen           20% der kath. Jugend – 20% der evgl. Jugend

Im Amt Hopsten                 16% der kath. Jugend – 20% der evgl. Jugend

Der Kreis Tecklenburg ist etwa zu 60% katholisch. In den Übrigen überwiegend katholischen Landeskreisen ist das Verhältnis noch ungünstiger. In einigen Amtsbezirken ist die Bewegung der H.J. durchaus rückläufig. Es kann nicht von der Hand gewiesen werden, dass die Ursache teilweise in der Besetzung der Führerstellen mit ungeeigneten Kräften liegt. Sei es, dass es sich um nicht einwandfreie Persönlichkeiten handelt, sei es, dass ihre Äußerungen in weltanschaulicher Hinsicht Schaden anrichten. Die Hitler-Jugend hat vielfach noch nicht ihre Aufgabe der Gewinnung der hiesigen katholischen Jugend erfasst und kämpft zum Teil noch im revolutionären Schwung gegen die katholische Jugend, statt um die katholische Jugend. [Im ganzen Bezirk wurde das Gerücht verbreitet, dass der Reichsjugendführer Baldur von Schirach mit einer großen Geldsumme über die Grenze gegangen sei.] Die HJ ist bestrebt, sich darin zu bessern und Anlehnung an die P.O. zu suchen.“

Baum wird geladen...