Schule im Nationalsozialismus

Schule im Nationalsozialismus

In einer Essener Volksschule: Der Klassenlehrer in SA-Uniform, Mai 1933


Nach der „Erringung der äußeren Macht" sollte nach Worten Hitlers vom Juli 1933 der „inneren Erziehung" der Deutschen „zur nationalsozialistischen Staatsauffassung" ein zentraler Stellenwert zukommen.[1] Wenn sowohl Adolf Hitler selbst als auch die meisten maßgeblichen NS-Führer bei diesem „Erziehungs"-Auftrag wohl eher an HJ und SA, Arbeitsdienst und Armee dachten, war dennoch klar, dass auch die Schulen ihren Beitrag zur „Formung" des „neuen Menschen" leisten sollten. „Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden", definierte Hitler sein Erziehungsideal, wobei für ihn nicht etwa intellektuelle Fähigkeiten den Ausschlag gaben, sondern die „rassische Qualität des gegebenen Menschenmaterials". Folgerichtig hatten Erziehung und damit auch die Schule den Auftrag, „den Rassesinn und das Rassegefühl instinkt- und verstandesmäßig in Herz und Hirn der ihr anvertrauten Jugend hineinzubrennen". Künftig sollten Schülerinnen und Schüler nicht mehr zum selbstständigen Denken und Handeln erzogen werden, sondern zu gläubiger Hingabe an „Führer" und „Volksgemeinschaft" und dem dazu notwendigen blinden Gehorsam.

Wie viel von diesen idealtypischen Absichten letztlich in die Tat umgesetzt wurde, ist kaum abzuschätzen. Die überlieferten Akten sagen zwar viel über Pflichten der Lehrer, Lehrpläne und Erziehungsziele aus, schweigen sich über die tatsächlichen Wirkungen aber zumeist aus. In Schreiben an die Schulaufsicht oder Parteistellen wurde seitens der Schulleitungen naturgemäß stets im NS-Sinne positiv berichtet, ohne dass das eindeutige Rückschlüsse auf die Realität in den Schulen zulassen dürfte. Diese Einschränkungen gilt es bei der Lektüre aller folgenden Abschnitte stets zu berücksichtigen.

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Fußnoten


[1] Die Darstellung folgt Joachim Trapp, Kölner Schulen in der NS-Zeit, Köln 1994, S. 1ff.