Gisbert Kranz
Lebensgeschichte

Gisbert Kranz

geb. in Essen 1921

Gefangenschaft nach Kriegsende (1945-1947) - „Dann traf uns der Schock des Films über die Konzentrationslager Belsen und Buchenwald“

Registrierungskarte als Kriegsgefangener für Gisbert Kranz


Das Kriegsende verändert die Situation der Gefangenen schlagartig. Mit der bedingungslosen Kapitulation verschwinden im Nu auch die Hakenkreuze von den Uniformen. Mit Macht bricht sich nun das Bedürfnis nach politischer Diskussion unter den Gefangenen Bahn: „Politische Themen, denen man bisher sorgfältig aus dem Wege ging, beherrschten jetzt die Gespräche. Die Skala der nun, nach langem Anstauen, ungehemmt hervorgebrachten Gefühle reicht von Wut, Empörung und Enttäuschung über Spott und Häme bis zur unverhohlenen Freude über das Ende der Tyrannei."

Einen tiefen Schock löst bei vielen der Gefangenen dann die Vorführung der Filmaufnahmen aus den kurz zuvor befreiten Konzentrationslagern Bergen-Belsen und Buchenwald aus, die ihnen die Gräueltaten des Regimes, für das sie gekämpft haben, deutlich vor Augen führen.

Im Oktober 1945 wird Gisbert in ein Arbeitslager bei Ripon verlegt, wo er über ein Jahr bleibt und verschiedenen Arbeitskommandos zugeteilt wird: „Ich arbeitete im Straßenbau und im Steinbruch, fällte Holz im Wald, half in einem Frisörladen und in einer Friedhofsgärtnerei und machte mich in Privatgärten nützlich. Meist aber war ich in Farmen beschäftigt."

Große Sorgen bereitet ihm nach wie vor das Schicksal seiner Familie, von der er erst nach und nach und dann mit großer Verspätung, Nachricht erhält. Die Briefe, die ihn seit Sommer 1945 erreichen, sind in der Regel Monate, oft sogar ein ganzes Jahr unterwegs gewesen: „Vierzehn Monate hörte ich nichts mehr von meinen Eltern, Brüdern und Freunden. Erst im November 1945 erfuhr ich, dass mein Bruder Günter am 2. Oktober 1944, am Tage der Silberhochzeit meiner Eltern, den Fliegertod gefunden hatte. Mein Bruder Karl Heinz war schon fast ein Jahr tot, gefallen an der Ostfront, als ich noch Briefe von ihm erhielt. Den Verlust meines Bruders, der zugleich mein bester Freund und Kampfgefährte war, habe ich bis heute nicht verschmerzt."