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Tagebuch Heinz B. (29.8.1944 bis 23.2.1945)

Dieses Tagebuch stammt aus der Feder von Heinz B. Im Juni 1926 in Essen geboren, besuchte er von April 1932 bis März 1938 die Volksschule in Essen-Margarethenhöhe, danach (offiziell) bis zum 1. Februar 1944 die Mittelschule Essen-West. Ab dem 18. Mai 1943 war Heinz B. jedoch bis zum 1. Februar 1944 als Luftwaffenhelfer in Essen eingesetzt, danach absolvierte er vom 15. Februar bis zum 25. September 1944 seinen Arbeitsdienst. Anschließend wurde er zum 1. Oktober 1944 zur Wehrmacht einberufen und war als Marinesoldat in Deutschland und in Dänemark im Einsatz, bis er dort am 8. April 1945 in Gefangenschaft geriet. Bis dahin in Schleswig-Holstein interniert, wurde Heinz B. bereits am 26. Juni 1945 wieder nach Essen entlassen.

Von ihm finden sich in den EzG noch ein ausführliches Tagebuch seiner Zeit im KLV-Lager Protiwin im damaligen "Protektorat Böhmen und Mähren".

Die Materialien wurden dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln von B.s Sohn Thomas mit der Bitte zur Verfügung gestellt, den Nachnamen zu anonymisieren. Die Unterlagen sind hier unter der Signatur N 1377 archiviert.

Dienstag, 29. 8. 44

Morgens zehn Uhr zum Dom. Treffe Annegretel, da schlechtes Wetter fällt Schwimmen flach. Bin im Grunde sehr erfreut darüber, lasse es mir aber nicht merken. Verabreden uns zu Kaffee am Abend nach der Messe für den Gefallenen Krieger Willi Stunther. Bete zum erstenmal vor, da kein anderer mehr von uns da ist, klappt alles gut. Nachher treffe ich Annegretel. Eine ½ Std. steht zum Plaudern zur Verfügung. Erfahre von ihr; daß Hilde Wegener bei meiner Tante in Kupferdreh war. Mein Erstaunen ist ihr nicht aufgefallen. Trotz alledem verspreche ich ihr zu schreiben. Warum? Bin mir selbst nicht im klaren darüber. Soll ich nun zum Zweitenmal nein sagen? Werde Albertine einweihen.

Mittwoch, 30. 8. 44.

Nach dem Mittagessen gehe ich sofort los, um Karten zu holen für den Film „Immensee“, in den ich mit Albertine rein will. Bekomme Rang-Sessel. 1405 kommt sie, 10 min. Zug Verspätung. Bin froh, mein Zwirn angezogen zu haben, sie auch in Schale. Der Film wie für uns geschaffen. Danach zum PR und dann Spaziergang in den Stadtgarten. Erzählt auch von H. Wegener. Ich meinerseits auch. Erzähle ihr von meiner Fotografie usw. Sie ist einverstanden. Ich glaube glücklich zu sein. Ich hoffe es zu werden mit ihr. Dann Wartesaal 1. Klasse. 5 Min. vor Abfahrt zum Bahnsteig. Ich winke ihr zum erstenmal, als sie abfährt. Sie winkt zurück. Ihr Versprechen Sonntag zu kommen, habe ich.

Donnerstag, 31. 8. 44.

Keine bes. Vorkommnisse, außer

 

Einkauf von Schreibwaren bei Kloid.

Da ich ihn darauf aufmerksam mache, daß er mir sowohl 1 Postkarte, als auch einen Feldpostbrief zuviel gegeben hat, gibt er mir noch schönes Schreibpapier für das Liebchen mit als Dank für meine Ehrlichkeit. Seine indiskrete Frage: muß ich ihm und kann ich ihm mit frohen Herzen beantworten. Seine Antwort: und meistens heiraten sie sich ja doch nicht. Dabei dachte ich mir, daß das wohl für mich nicht bestimmt sei, denn Albertine und ich, ich glaube, wir kommen nie mehr auseinander, ich hoffe es. – Brief an Mizzerl geschrieben.

Freitag, 1. 9. 44.

Gedient in der Messe für den gefallenen Fahnenjunker Uffz. Karl-Heinz Müller. Mit A. bis zu uns, Bücher geholt und umgetauscht. An der Sommerburgstr. Sieht uns H. W. Nach dem Essen gehe ich nach Haarzopf hoch, um mich von P. Hilger zu verabschieden. Zuvor treffe ich mich mit A. und nachdem ich unverrichteter Dinge umkehre,

kommen wir noch durch den Sommerbusch. Erkenne nun, daß das ein großer Fehler von mir war, denn trotzdem ich ihr innerlich ganz kalt gegenüberstehe, ging ich mit ihr spazieren. Ich muß mich ganz zurückziehen, sonst tue ich einer anderen Unrecht, was ich nicht will. Ferner muß nun auch E. Ä. aus dem Spiel bleiben von der ich am selben Tage noch Abschied nahm, was der zweite Fehler war. Missstimmung daheim.

Samstag, 2. 9. 44.

Am Morgen gelesen bis zum Mittag. Gebadet und dann zum Stephanns. Vorm. Telefoniert nach Albertine. Sie kommt. Vater gerade Urlaub. Gebe ihm eine Zigarre. Bis um 23 Uhr gelesen, dann ins Bett. Am Morgen noch Kaninchen geschlachtet mit Vater.

Sonntag, 3. 9. 44

Kein Alarm in der Nacht. Um 9 Uhr gedient. Hansi kommt mit der Nachricht, daß sie Stellungswechsel machen zum Westen. Mutter wieder ganz kopflos und voller Sorgen. Am Mittag Kaninchenfleisch. Er fährt

 

zurück und ich um 1400 Uhr zum Bahnhof. Um 1500 mit Albertine mit Straßenbahn zu uns. ½ 4 daheim. Mutter aufgelöst in Tränen als wir kommen. Grund Hansis Versetzung. Während des Kaffees kommt er zurück mit der Nachricht, daß er entlassen und zum RAQ kommt. Mutter beruhigt sich. Ich zeige der Albertine Fotos, Urkunden, das Hebarium, Alben. Essen zu Abend. Sie nimmt ein Album der Geschichte mit. Butter und Zigaretten hat sie mitgebracht. Verabschiedung. Vater, der auf einen Sprung da war, fordert sie auf, doch späterhin ruhig einmal vorbeizukommen. Sie schlägt’s auch nicht aus. Straßenbahnfahrt zum Bahnhof. Will mir wohl noch ein Päckerl zurecht machen, bevor ich fahre. Um 800 Uhr abends daheim. Esse und rauche eine Zigarette. Hansi kommt vor 2200 Uhr mit Koffer zurück. In der Nacht nicht viel geschlafen. Kein Alarm.

Die restlichen Tage bis zur Abreise gedachte ich mir noch schön zu gestalten. Am Mittwoch hatte ich vor, den letzten Tag noch mit Albertine alleine zu verbringen und mich mal etwas

weiter über meine Absichten verlauten zu lassen. Ferner wollte ich mich verabschieden. Aber es kam es anders. Am 5. 9.-, als ich gerade bereit war mit meiner Mutter nach Altenessen zu fahren, bekam ich meinen Befehl für 5. 9. abends 22 Uhr Kiel. Ich rief sofort bei Albertine an und teilte ihr die Neuigkeit mit, worüber sie sehr bestürzt war, da es ihr doch zu plötzlich kam. Ich vernahm da nun doch solche Worte, die ich vorher nie gehört hatte. Ich versprach ihr, sofort zu kommen. Zuvor ging ich jedoch zum WRK und bekam eine Tag verlängert. So konnte ich etwas länger in Kupferdreh bleiben. Ich aß sehr gut zu Mittag. Mit der Mutter hatte ich ein eigenartiges Gespräch, das sich um uns beide drehte, als Mausi gerade nicht zugegen war. Sie führte ihr junges Alter an und daß sie bisher noch nie mit einem Jungen hat ausgehen dürfen. Dieses fasste sie immer als eine Fügung auf, daß ich so zu ihnen kam und dadurch sozusagen Familienanschluß bekam. Ich wollte das

 

Thema etwas weiter erörtern, da kam Mausi zurück und wir mußten abbrechen. Es war schade. Doch auch ihre Einstellung zu uns lag nun klar zu Tage. Sie ahnte aber auch, daß das Verhältnis nicht von heute auf morgen bestand, sondern daß sich heimlich feste Bande verflochten. Sie wollte jedoch nur einwenden, daß auch sie das Spiel durchschaute undbereit war, falls es zu weit gehen würde, es eventuell abzustoppen. Doch wer langsam geht, kommt auch ans Ziel. Sie ist und ich, wir wissen genau, was wir wollen. Immensee wird uns immer das Fanal für unsere Liebe sein. Und die Treue steht an erster Stelle. Bei uns gibt es nicht solch einen Ausgang wie in Immensee. Darüber sind wir uns einige. Das alles wollte ich jedoch noch einmal vorbringen und als ich mit ihr allein durch ihre Felder und Wälder ging, sie bei der hand fasste, wagte ich mich langsam das Thema zu berühren. Ich getraute mich nicht ihr einen Kuß zu geben und sie in die Arme zu nehmen. Dann nahm ich Abschied von der Mutter und dem Vater und den Geschwistern. Sie selbst begleitete

mich, nachdem sie mir hübsch ein Liebespaket fertig gemacht hat, zum Bahnhof. Ein jeder ging jedoch seinen Gedanken nach. Es wurde das Thema, das beiden auf der Zunge lag, jedoch nicht mehr berührt. Ein kurzer Abschied und der Zug dampfte ab. Zu Hause meine restlichen Sachen noch gepackt bis spät abends. Ins Bett. Kein Alarm. Am Morgen in der Frühe aufgestanden; trotzdem Alarm war, ging ich zur Kirche, um noch einmal die hl. Sakramente zu empfangen. Konnte mich noch sehr gut vorbereiten, da der Kleine noch nicht fertig war. Befriedigt und frohen Mutes trat ich dann wenige Minuten später die Reise an, nachdem der Abschied von Mutter in üblicher, herzzerbrechender Weise vor sich ging. Vater ging mit zum Bahnhof. Dort wartete ich auf Albertine, die es sich nicht nehmen ließ0, sich auf dem Bahnsteig und in letzter Minute von mir zu verabschieden. Sie war jedoch ein wenig enttäuscht, als ich ihr sagte, daß mein Vater mich auch zum Bahnhof begleitet hat. Sie war der Meinung gewesen und ich hatte es mir

 

auch schon schön ausgemalt, daß wir beide ganz allein würden Abschied nehmen. So konnten wir auch in letzter Minute nicht das aussprechen, was beiden das Herze so voll machte. Aber verstanden haben wir uns auch so. Noch einmal ein Händedruck, nur ein Händedruck auch der Mausi und wir kamen uns aus den Augen. Der Abschied war sehr nüchtern ausgefallen, aber es war immerhin ein Abschied, wo sie mir durch kundtat, daß ich ihr nicht gleichgültig sei, nämlich nicht der Abschied daheim bei den Eltern, sondern in den letzten Minuten, wo die Gedanken mehr Worte formten, als der Mund aussprechen konnte. Ein Abschied immerhin zwischen zwei jungen Menschen, die voneinander und umeinander wussten, auch ohne viel Worte. Keinmal war von meiner sowohl von ihrer Seite das Wort Treue gefallen, doch ein jeder wußte, daß der eine dem anderen treu sein würde und für immer bliebe. Es war ein Scheiden, aber kein Vergessen.

Die Fahrt gestaltete sich erst sehr unangenehm. Bis Münster hatte ich Stehplatz und von dort bis Hamburg konnte ich sitzen. Zuerst verspürte ich überhaupt keinen Hunger, dafür arbeitete aber mein Hirn mehr und mehr. Einmal mit der Zukunft, die dunkel und schaurig vor mir liegt dann mit der schönen Vergangenheit, die nun immer eine Erinnerung sein wird. Immer war der letzte meiner Gedanken „Albertine“.

In Hamburg stieg ich um in den Zug nach Kiel. Dort angekommen fragte ich mich bis zum Autobus vor und bald durchschritt ich das Tor zu den Baracken an der Eckenförder. Was ich schon immer mit einem Gruseln kommen sah, das Überschreiten der Schwelle zum Soldatenberuf, war damit geschehen und ich begann das Soldatenleben, jedoch mit dem festen Vertrauen auf Gottes Hilfe und der immerwährenden Hilfe der Mutter Gottes, unter deren Schutz Mutter mich stellte, als ich Abschied nahm.    

                                                                      . / .

 

Am ersten Tage trat ich mit der Stube 9/3 an, wo ich auch drauf geschlafen hatte. Dann wurden wir in Gruppen eingeteilt und ich kam mit Fips zusammen, einem Jungen der die Oberschule besucht hatte und dessen Vater Arzt war im Range eines oberst. Er selbst hatte einanderthalb Jahr auf ihrem Gut gearbeitet. In dem Kreise, in den er geriet, fühlte er sich nicht wohl. Als ich von mir dasselbe sagen konnte, in ihm einen aus der anderen Klasse auf den ersten Blick sah, fand er zu mir und ich zu ihm. Es fügte sich, daß er eine Nummer nach mir hatte, so daß wir alleweil zusammen waren. Zuerst brachten sie uns in die Kaserne, zu der wir alle unsere Sachen mitnehmen mussten. Dort schleppten wir Strohsäcke auf einen langen Korridor, auf den wir des Nachts schlafen sollten. Unsere Sachen blieben dort und dann holte uns der Koch in seine Küche,

gab uns Messer und wir begannen Pellkartoffeln zu schälen. Es waren insgesamt 1400 l zu bewältigen. Woran arbeiteten wir über 7 Std. Aber dieses sture Arbeiten ohne Aussicht darauf, wann man es wird wohl geschafft haben, somit der eine auf das Schaffen seines nächsten angewiesen war, bildete sich schon eine Kameradschaft.. Es fanden sich aber auch die zusammen, die sich suchten. Nicht nur wir fünft, Harry, Charlie, Fips, Ulli und ich passten prima zueinander, sondern auch die anderen, die sich zusammentaten. Es wurde allerlei und viel erzählt, und manches konnte ich nicht mit meiner Auffassung vom Leben vereinbaren. Ich lernte mal wieder viel, aber für mich war es klar, daß dies nicht von einem guten Charakter zeugen kann, wenn man solche Stücke seines Lebens zum besten gibt. Aber sonst verstanden wir uns gut, hiel-

 

ten von dem Augenblick kameradschaftlich zusammen. Spät abends speisten wir auf dem Flur und legten uns dann zur Ruhe. Fips u. ich hatten ein Bett erwischt, in das wir uns legten, der eine oben, der andere unten und schliefen prima durch bis zum anderen Morgen. Alarm hat es keinen gegeben.

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Dann machten wir am nächsten tag die schriftliche Prüfung; ich hatte als Durchschnittsnote 7.2, was ein sehr gutes Ergebnis war. Am Nachmittage gingen wir zur Einkleidung. Meine Uniform stellte den schönsten Dreiklang vor, eine blaue Seemannskappe, eine Fliegerhose und eine Polenjacke. Da meine Gruppe ziemlich am Schluß stand und es noch Weile hatte bis wir an die Reihe kamen, ging ich auf eigene Faust in die Stadt, fiel auf, wurd aufgeschrieben u.

zum Rapport bestellt, zu dem ich niemals erschienen bin. Dann quartierten wir vom Korridor in die Stuben der einzelnen Baracken. Am Sonntag Vorstellung beim Psychologen und danach frei. Inzwischenzeit mehrere Briefe per Post abgeworfen.

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Montag war der Tag der Einstellung beim 2. ADO Kiel. Ich wurde zu den Funkern eingestellt, und da ich eine gute Handschrift habe nach der Aussage des Einstellungsoffiziers, wurde ich abgestellt zum Schreiben während die anderen in derselben Zeit Katastropheneinsatz in Kiel machten. So wanderte ich jeden Tag mit 8 Mann zum Eichhof. Auf dem Wege dorthin sanierten wir einen Schreibergarten, dem wir ab und zu einen Besuch abstatteten. Eines Tages gingen wir nicht zum Schreiben, sondern blieben im Bette liegen und schliefen. Als wir

 

endlich herausgeschmissen wurden, war es schon 15 Uhr durch. Mit ungefähr 30 Mann ging es dann los zum Eichhof Kartoffelschälen. Da ich schon vom erstenmal die Nase voll hatte, ging ich auf und davon, wurde mit Harry u. Fips aber geschnappt und aufgeschrieben. Bekamen eine Sonderbeschäftigung. Sonst keine weiteren Folgen. – In der Kantine waren keine Kartons mehr aufzutreiben; da entschloß ich mich, den Koffer heim zu schicken. Nachdem ich ihn kunstgerecht verpackt und verschnürt hatte, gab ich ihn auf. – In dieser Woche hatte ich mir auch viel saure Fische gekauft, ferner ein Kolißbrot, das ich immer verzehrte, wenn mir das Mittagessen wie Spülwasser schmeckte. So kam ich alleweil gut durch die Woche und die Zigaretten taten ihr übriges. Am Samstag war Brausen. Ich wusch, brauste und rasierte mich und los dann.

In diese Woche fiel auch der Tag, an dem Kiel mal wieder einen Angriff mitmachte und zwar des Nachts. Ich wollte zuerst in den Deckungsgraben, mußte aber in den Bunker. Ich ging mit Günter. Die Decke, die ich mitgenommen hatte, schlugen wir um uns. Am Bunker angekommen verstrichen wir uns ins Gelände, legten uns auf die Decke und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Vor einem Angriff hatten wir keine Angst, aber vor dem Ertapptwerden, denn jeder sollte und mußte in den Bunker. Die erwicht wurden, mussten im Barackenlager karren u. zwar in einer Stunde 7 Karren. Wer das nicht schaffte, mußte den ganzen Nachmittag karren. Darum legten wir uns platt auf den Boden. Als nun nachher Splitter runter kamen, da ein einzelnes Flugzeug nach unserer Meinung über uns hinwegflog, stellten wir uns unter, der festen Auffassung, es würde nur ein einzelnes sein. Aber es folgten mehrere nach. Plötzlich stand der Himmel

 

voller Leuchtkugeln, so daß die Nacht taghell erleuchtet war. Im ersten Augenblick wo wir es wahrnahmen, fielen die ersten Bomben. Ich hatte das feste Gefühl, daß mir nichts passieren würde, während Günter, der noch nie einen richtigen Angriff mitgemacht hatte, darauf drängte, in den Bunker zu gehen. Nachher wurde es auch mir zu bunt und so gingen, liefen, stürzten, stolperten wir vorwärts. Dasselbe hatte ich schon mal mitgemacht am 12. März 1943, nur mit dem Unterschied, daß ich jetzt mein Leben in Sicherheit brachte und damals es leichtsinnigerweise einsetzen wollte. Wir erreichten auch glücklich den Keller, wenn auch abgehetzt und ein wenig zitternd, was wir aber nicht wissen wollten. Wir wurden über die Lage oben befragt, sonst ließ man uns in Frieden. – Am nächsten Morgen schrieb ich sofort heim, daß mir nichts passiert sei. – Inzwischen war auch schon der erste Transport gerollt, der Harry und Ulli mitnahm. Nun bin ich alleine überge-

blieben. Dafür fand ich Günther, der sich mir anschloß und mit Bobeck führte ich alleweil lange Diskussionen. Er war ein noch kindlicher Charakter, der unbedingt für voll gerechnet werden will, warum bringt er die tollsten Sachen vor, von denen er sich nicht abbringen lassen will, da er eine ihm eigene Auffassung davon hat. Ich versuche nun meinerseits ihn umzustimmen, was mir nicht allzu sehr gelang, da er der Meinung war, man müsse immer das mitmachen, was die Masse mache, um nicht abseits zu stehen und als unkameradschaftlich zu betrachtet zu werden. Meine Erinnerungen mußte er aber auch als richtig anerkennen, trotzdem sagte er nach fünf Minuten, daß er sich eine Auffassung von den Dingen gemacht habe und von der er sich nicht abringen lassen würde. – Am nächsten Tage, Montag, 18.9.44 eröffnete uns der Oberfeld, daß wir nicht mehr zum Schreiben brauchten, da wir ja doch die Hälfte der Zeit nicht hingin-

 

gen. Ein Bombengeschädigter kam schon früh morgens, dem wir zugeteilt wurden, um ihm zu helfen. Nach getaner Arbeit bekamen wir Obst und gingen heim. – Am Samstag, 16. 9. ging ich noch mit Bobek und Günter in die Stadt Kill, die wir uns ansahen, natürlich nur die Trümmer von Kill. – Am Montag aufräumen im …. Ein älterer Rekrut führte und beaufsichtigte uns. Als ich mit Bobeck nach der Frühstückspause 10 Min. später kam, schrieb er uns auf. Ebenso noch mehrere andere. Darum verhielten wir uns ihm ganz stur gegenüber, was er auch merkte. Zu Mittag als ich im Ratskeller einen Karton mitgebracht. Bis um 1600 Uhr gearbeitet, dann nicht mehr, sondern protestiert, weil der Alte so lange schreiben wollte, bis der Maat kommen würde. Nachher gab er nach. Rückmarsch. Wachen in der Nacht. Im Graben mit Günter.

Dienstag, 19. 9. 44.

530 Aufstehen. Bei der Aufstellung werden sämtliche OB aufgerufen, bekommen Erkennungsmarke und den Bescheid, daß alle ihr Geld nach Hause schicken sollen, da morgen am nächsten TAG; Mittwoch; Den 20. 9. ein Transport nach Dänemark gehen soll, und zwar in zwei Gruppen. Ich komme zur zweiten Gruppe. Bin erst sehr enttäuscht darüber. Am selben Nachmittag rollt schon der erste Transport. Ich schicke 40.- RM heim. Verabschiedung von den Kölnern. – Als am Abend die anderen heimkommen, stellen zwei Mann fest, daß ihnen Zigaretten gestohlen worden sind und zwar 64 Stck und d. Verdacht fällt auf die Kölner, denen man es auch zutrauen konnte, denn zwei waren schon vorbestraft. Ich leihe mir für eine Zigarette eine Decke von Günter. Franz Rosendahl, den ich

 

am selben Tage treffe, und der auch mit dem zweiten Transport fortkommt, überlässt mir Bonbons für Zigaretten. Bin sehr erfreut darüber, ihn gefunden zu haben und unterhalte mich mit ihm, von daheim. Als es in der Kantine was zu kaufen gibt, und ich mir auch etwas holen will, treffe ich Gerd. Große Freude, die aber nur kurz ausgekostet werden kann, da er schon bald wieder fort muß. Erfahre aber von ihm, daß Mutter sich um mich nicht so sehr sorgt wie um Hansi, daß Hansi schon geschrieben hat und ihm in Holland ist. Das beruhigte mich, denn 14 Tage hatte ich schon keine Nachricht mehr von daheim und nun wenigstens etwas. Kurzer Abschied. Will dann von Walter Lorenz aus der Kantine Bonbons zurückgelegt bekommen, was er aber nicht macht. Habe sein Verhalten erst nicht verstanden, muß ihm aber nun recht geben. Mit gutem Gewissen eingeschlafen.

Mittwoch, 20. 9. 44.

Brauche am Morgen erst um 8 Uhr aufzustehen. Franz kommt u. weckt mich. Stehe auf und wecke mich. Eße meinen letzten Vorrat auf. Berate dann mit einigen, ob wir unser Geld restlos nach Hause schicken sollen, da wir ja nicht mehr als 10 RM mit über die Grenze nehmen dürfen. Kommen überein, es abzuschicken. Schicke nun 30.- RM als zweite Sendung heim. Behalte 10.- doch noch zurück. Als Franz mich nachher in Angst und Bange macht, weil er und ich sogar noch wegen Devisenvergehen unterschrieben haben, laße ich mich zum guten Schluß noch einschüchtern und zahle mit auf einer Zahlkarte die letzten schwarzen 10. RM ein. Nun besitze ich nur die zehn Mark, die wir an der Grenze umgetauscht bekommen sollen. Dazu noch ein paar Pfennige. Dann müssen wir unser Sachen packen und antreten vor Baracke 3. Der Oberfeld kommt hierzu und

 

sagt, daß wir noch etwas Zeit haben, da wir mit dem Auto zum Bahnhof gebracht werden sollen. Schreiben währenddem noch schnell an Mutter und Mausi und nach dem Essen, klettern wir auf den Wagen und fahren singend zum Bahnhof. Steigen dort in den Personenzug nach Flensburg ein. Ich hole noch Wasser. Als ich zurückkomme, haben meine Kameraden zwei Luftwaffenhelferinnen zu sich ins Abtei geholt. Sie machen nicht einen besonderen Eindruck auf mich. In der letzten Minute steigt noch ein Seemann zu uns ein, der nach echt Seemannsart seien Witze mit den Mädels reißt und mit denen rumtollt. Ich sitze derweil in meiner Abteilecke und esse. Plötzlich wird der Seemann von der einen Helferin auf mich gestoßen und meine Brille geht entzwei. Schicksal. Mit diesem Bruch ist aber auch meine Laune vorbei und nachdem der Seemann in Eckernförde ausgestiegen ist, mache ich es mir in der Ecke bequem und schlafe, da sogar die Helferin

mit den anderen Skat spielt und zuletzt sogar ihnen die Karten legt. So bleibe ich noch mit der anderen über, verspüre aber keinerlei Lust, mich zu unterhalten. Sie sind absolut nicht nach meinem Geschmack. Darum schlafe ich ungefähr 1 ½ Std. In Fredericia Flensburg ist Station. Ich werde geweckt. Marschieren dann zum Wehrmachtsheim, wo wir eine Suppe und Kaffee bekommen. In der Kantine kaufe ich mir Gehwohl und einige Karten. Scheibe heim und an Mausi. Denke viel an Immensee, da sich unter meinen Karten auch eine befindet, die eine Seerose zeigt. Nach dem Essen bekommen wir Ausgang für 2 Std., um uns ein Eis kaufen zu können. Mit Franz, Herbert u. Kurt gehe ich in das Eiskaffee, besser Eisdiele. Dort suchen wir unser letztes deutsches Kleingeld zusammen, um uns ein Eis zu leisten. Als wir zuletzt nur noch ein paar Pfennige übrig haben, kommen wir vier noch jeder eins gespendet, und warum? …. wir eben so auffällig ge-

 

macht hatten weil wir kein Geld mehr besaßen, so daß das Servierfräulein auf uns aufmerksam wurde und noch eins brachte für jeden. Alleine hatte ich mir nur zwei leisten können, so habe ich vier essen können. Dann ging’s zurück und lachten über die Eisgeschichte. Ein Mann sagt, man solle sich solang freuen wie es ginge, aber aus seiner Meinung wurde man nicht schlau. Ich glaube, daß er unser Tun auf der Straße verurteilt hat. Im Heim angekommen, bringen wir unser Gepäck unter und marschieren dann unter Singen durch Flensburg zum „Haus der Arbeit“, wo wir schlafen sollten. Bekommen noch einmal Ausgang bis 2200 Uhr. Zuerst gehen wir zur Post und heben Geld ab, weil wir keinen Pfennig mehr besitzen. Dann kehren wir ins Kolosseum ein, wo wir (Sprudel ich) Bier trinken. Kleine Kapelle. Fadenscheiniges Volk. Fühle mich nicht wohl. Als ich später in der Koje liege, ärgere ich mich, daß ich nicht im Hafengebiet gegessen habe wie die anderen. Nehme mir vor es nächstes mal so zu halten und schlafe schnell

sah ein. Franz weckt mich, da wir Decken holen sollen. Bald wieder eingeschlafen.

Donnerstag, 21. 9. 44.

Morgens um 400 Uhr wecken, anziehen und dann sofort Abmarsch zum Bahnhof. Singend ziehen wir durch die Stadt. Ein paar fragwürdige Gestalten kreuzen unseren Weg. Dort angekommen, holen wir unser Gepäck, essen noch ein Teller Suppe und trinken Kaffee und gehen dann auf den Bahnsteig. Zuvor haben wir noch unser Geld, das wir des Nachts geholt haben, in unserer Kleidung versteckt und gehen dann über die Zollgrenze. Überhaupt keine Kontrolle. Steigen in den bereitstehenden Zug ein. Fahren durch bis Fredericia. Dort quartieren wir im JRK Verpflegungsheim und essen erst; da wir einen guten Appetit mitgebracht haben, schmeckt es uns sehr gut. Dann bekommen wir die Erlaubnis auszu-

 

gehen. Wir starten sofort los zur Konditorei und mit den Kronen, die Kurt und Herbert bei sich haben, können wir uns jeder vier Schlagsahnetörtchen erlauben. Nach diesen sind wir vollständig satt. Franz gibt sogar sein viertes ab gegen eine Zigarette, da er es nicht mehr essen kann. Dann bummeln wir durch die Stadt und bestaunen all die Sachen, die es in Deutschland nicht mehr gibt. Um 200 Uhr sind wir zurück und um 230 Uhr geht unser Zug ab. Bekommen noch Platz mit. Die anderen spielen Karten, und ich versuche zu schlafen. Essen jeder 2 Sahneeis. Fahrt bis Nyborg und von Nyborg weiter über Svendborg nach Ollerupp. Von dort einen kurzen Marsch zum Quartier. In 10 Minuten dort. Bekommen Stube zugewiesen, räumen provisorisch ein und legen uns dann schlafen. –

P.S. In Nyborg kurzer Aufenthalt, in dem wir uns den Hafen beschauen. In ganz Dänemark nichts von Ausnahmezustand gemerkt.

Freitag, 22. 9. 44.

Morgen ½ 6 Uhr aufstehen, kann mich nicht waschen, da ich mit der Waschgelegenheit nicht vertraut bin. Schnell Kaffee trinken und Raustreten. Räumen dann unsere Sachen ein. Verspüren schon die militärische Zucht und Sprache, besonders als wir uns Baden sollen, um dann nachher sauber vor den Arzt hintreten zu können. Nach der Untersuchung zum Friseur. Währenddessen neue Einkleidung. Mittag. Machen am Nachmittage schon Dienst mit.

Samstag, 23. 9. 44.

Einteilung in Gruppen. Dann Marsch zum E.-Platz; dort Schießlehre Dreieckszielen und ein Schuß Platzpatronen liegend aufgelegt. Danach Ordnungsdienst. Mittag, Revierreinigen, Abmarsch zum Schießplatz. Schießen mit scharfer Munition. Ich habe 13 Ringe. 10 – 11 – 12 in der Reihenfolge. Rückmarsch. Schlafen.

 

Sonntag, 24. 9. 44

Schlafen bis 7 Uhr. Ab 830 Uhr „Rein Schiff“. Ich werde eingeteilt zum Speisesaal, den wir bis zum Mittag gereinigt haben. In dieser Zeit unterhandle ich mit Grete aus der Küche um Zigaretten. Gegen Kronen. Kommen schließlich auf Butter zu sprechen, wofür ich 24 Stck geben soll. Treffe Harry, der mir 10.- RM abläßt, die ich gegen Kronen eintauschen kann. Mittagessen. Dann bis zum Abend frei. Um 2030 Uhr Film: „Das sündige Dorf“. Als wir nachher in den Betten liegen, wirft uns der Spieß wieder raus, müssen an- und wieder ausziehen. Sofort eingeschlafen.

Montag, 25. 9. 44.

Ausbildungsdienst morgens und nachmittags. Morgens ½ Std. mit Gasmaske. Am Abend die ersten Kronen empfangen.

Dienstag, 26. 9. 44.

Das erste Flachrennen, das aber auch nicht von Pappe. Gruppenführer Holzhey hat auch schon festgestellt, daß ich alleweil zu denen gehöre, die auffallen. Am Mittag sind wir heilfroh, daß wir sitzen können. Als am Abend der Dienst zu Ende ist, gehe ich in die Katine und bringe meine ersten Kronen an für Milch, Äpfel und Seife. Mir wird eine Essenkarte angeboten und nachdem ich mich erkundigt habe über deren Bedeutung, kaufe ich sie u. nach wenigen Minuten erlau labe ich mich an einem handgroßen Kottelett mit Pellkartoffeln. Danach vollständig gesättigt.

Mittwoch, 27. 9. 44.

Am Morgen Ausbildungsdienst und Chefunterricht, der über die Pflichten des Soldaten spricht. Nach dem Essen sofort Abmarsch zum

 

Schießstand, auf dem wir die zweite Übung stehend freihändig schießen. Ich habe 18 Ringe, in der Reihenfolge 4 – 9 – 5, und habe somit die Bedingung erfüllt. Nach dem Schießen kaufe ich für 1 Kr Äpfel, die ein Däne dort feilbot u. ein riesiges Geschäft damit machte. Dann sofort Abmarsch, Gewehrreinigen und Zeugdienst.

Donnerstag, 28. 9. 44.

Habe an Mausi geschrieben und die Seerosen-Karte mitgeschickt. Am Abend wieder ein tadelloses Essen auf Esskarte. Als Abendverpflegung bekommen wir sogar ein Ei.

Freitag, 29. 9. 44.

Am Morgen 1 Std. harter Dienst (Laufschritt) unter Gasmaske. Am Nachmittage Geländedienst z. B. Schützenkette. Hat uns allen gut gefallen,

ist ja auch verständlich, solange nicht geschossen wird. Rückmarsch, Gewehrreinigen, bekomme Raucherkarte. Dann Abendessen (Milchsuppe) Sofort danach in die Kantine und bekomme noch als letzter meine Zigaretten. Lebenslauf schreiben und Tagebuch, das ich von einer Woche nachtrage.

Samstag, 30. 9. 44.

Der Spieß unterrichtet uns in Luftschutz und nachher fährt ein Maat fort, der auch nachher eine praktische Übung macht u. dabei den Schaumlöscher verspritzen lassen muß. Weil er den Verschluß nicht mehr schließen kann. Danach eine Stunde Ausbildung u. Flachrennen und dann Rein Schiff in der Kantine. Mittagessen. Brausen. Vom Brausen kaufe ich in der Kantine ein, u.a. auch den platten Schlagsahnekuchen. Am

 

Eingang schnappt mich und den H. J. Lau der U.v.D. ab und schickt uns zum Spieß. Wir verdrücken uns zum Abort, verstauchen unseren Kuchen und gehen zurück. Ich nehme den Weg durch den Wasserraum und werde nicht entdeckt, während Hans-Joachim aufgeschrieben wird und am Nachmittage Wasser fahren muß. Habe mal wieder zugelernt und werde es mir für die Zukunft merken. – Gewehrreinigen und Musterung. Zeugdienst und trinke dann Kaffee und mein Weißbrot esse ich dazu, danach Schlagsahneplattkuchen. An der Kantine verkauft einer Schmuggelware. Ich bekomme für 6 Zigaretten ein Stck Feinseife. – Auf der Esskarte gab es Bratwürstchen. Hat fabelhaft geschmeckt. Brief nach Hause. Tagebuch. Beim Spindappell falle ich auf, da ich meine Turnschuhe nicht sauber habe. Nicht gemeldet. Dann ins Bett.

Sonntag, 1. 10. 44.

Stehen eine Std. vor Wecken auf, um ½ 7, da wir zum Schießen gehen sollen. Um 800 Abmarsch. Bedingung ist 150 m liegend freihändig. Meine Ringzahl beträgt 25 Ringe 7 – 9 – 9. Bedingung erfüllt. Wann gehe ich in Deckung und zeige an. Als ich zurückkomme, bemerke ich daß mein Mündungsschoner abgeschraubt ist. Melde es dem Zugführer. Abmarsch. Mittagessen und dann Waschen meiner schmutzigen Unterwäsche, die ich noch in letzter Minute fertig bekomme. Ziehe mich schnell an, da Singen angesetzt ist von ½ 15 – 18 Uhr. Kompaniechef hört sich’s an. Nachfrage wer Fußballspieler ist. Tiefflieger. Gehöre zum Hilfstrupp und haste schwer bepackt zur Anhöhe. Aufbau des MG’s, dann sofort wieder Entwarnung, Rückmarsch. Dänen begegnen uns, die mit ihrer Fami-

 

lie spazieren gehen, wieder andere mit ihrem Hund, Mädel auf Rädern, Reiter hoch zu Roß. Sie alle leben im Frieden und gehen ihren Vergnügungen nach, während wir Krieg führen und auf den Feind warten, z. B. Tiefflieger. Eine große Sehnsucht und dann eine mächtige Wut bemächtigt sich meiner, besonders als uns ein Mädel (beritten) begegnet und ich an Albertine denken muß und damit an eine Zeit, in der ich auch noch nicht viel vom Krieg spürte, außer den Bombenangriffen, in der ich noch genau so meinen Vergnügungen nachging, wie die Dänen jetzt. Und nun?!? – Am Abend sahen wir wieder einen Film: „Carl Peters“. Es dauerte bis 2200. In zwei Minuten mussten wir im Bette sein. Schlief dann sofort ein und wurde erst wach, als am Morgen einige laut trampelnd zum Abort gingen. Wurde sehr ungelegen darüber.

Montag, 2. 10. 44.

Da die Uhr eine Uhr Stunde zurückgestellt wurde konnten wir eine Stunde und eine halbe dazu länger schlafen, da der Herbst schon eingetreten ist und um 600 Uhr wecken ist. Zuerst heraustreten und dann Gruppenführerunterricht am MG 42, bei der die Ausbilder in meinen Augen nicht gut abschnitten. Sie redeten alleweil von ‚alles einfach’, von Hebel, Raste und Sicherung und als sie nachher den herausgenommenen Lauf wieder einsetzen wollten, klappte es nicht. Und das durfte nicht vorkommen, zumal die Gruppenführer das MG bei Flieger-Zielangriff bedienen, und was dann, wenn es nicht klappt. Also Pleite. Dann Ausbildung. Zugführer prüft Halsbinden. ¾ des Zuges keine sauber um. Ich hatte am Samstag gewechselt, fiel also nicht auf. Doch nachher beim Lauf machte er bei mir Beanstandungen, weil er nicht sauber war.

 

Fast alle Gewehre waren verschmutzt. Er kommandierte Gewehr umhängen, rechts um, Laufschritt, hinlegen usw. Mehr und mehr kamen wir ans Schwitzen und die Kräfte ließen merklich nach. Bergrauf runter, hüpfen und zuletzt 2 Runden um den Platz und viele sackten mehr und mehr ab. Da machte er halt und ließ die Pyramide tadellos aufbauen und zur Pause wegtreten. Nach der ¼ Std. Pause setzte der Gruppenführer das Spiel fort und dann übten wir „Ablösung der Wache“. Mittagessen. Ich habe Backschafter. Spreche mit Grete wegen der Butter und gebe ihr schon die Zigaretten. Morgen soll ich die Butter bekommen. Rein Schiff, Tieffliegergefahr. Zum fotograf. und dann Handgranatenwerfen mit Puffluiese. Rückmarsch und Abendessen. Davor Reinigen und Zeugdienst. Wasche mich gründlich auch die Füße. Schreibe dann Tagebuch. Abendrunde und dann „Licht aus Schlafengehen.“

Dienstag, 3. 10. 44.

Der erste Tag, der vergangen ist, ohne daß wir Geschliffen worden sind. Am Morgen Marsch zum Kleefeld am See, und dann zur Wiese neben dem See, wo wir „Schützenblicke – Kette und Stellung“ einübten. Auf der Wiese standen noch einige Blumen und als ich eine Marguerite pflückte, wurde ich dabei erwischt und mußte den Berg runter und rauf hüpfen. Nachher suchte ich noch weitere Blumen, um sie zu pressen. Bis 1100 Uhr übten wir. Dann Ausrüstungs- und Bekleidungsappell. Meine Sachen waren alle vorhanden. Mittagessen. Gruppenführerunterricht u. dann Ausmarsch zum Dorf, wo die Kirche steht. Im Eilmarsch zurück, wobei ich mir den rechten Fuß wund laufe, da mich ein Stein drückte. Gasschutzunterricht, Gewehrreinigen und Zeugdienst. Will einige Sachen kaufen, aber Kantinenverbot. Esse zu Abend und schreibe dann. Habe auch heute keine Butter bekommen. An Eltern und Mausi Feldpostbrief geschrieben. An der Kantine 110 Zi-

 

garetten gegen 2 Stck. Toilettenseife eingetauscht. Mit Franz einen Brief an unseren „Kleinen“.

Mittwoch, 4. 10. 44.

Nach dem üblichen Morgendienst Antreten mit MG 42, empfangen jeder eine Stielhandgranate und marschieren dann los in Richtung Mühle. Nachdem wir unten im Loch angekommen sind, werden wir aufgeteilt. Ich komme mit dem Bayer zum Gasspürtrupp und bilden vor der lang auseinandergezogenen Reihe Kompanie mit zwei Mann die Spitze. Pflücke unterwegs Brombeeren und stecke eine Schmecke mit gestreiften Häuschen in meine Streichholzschachtel. An der Mühle angekommen, Gewehre zusammensetzen. Kinder, die zu dem Gelände hinkommen schicken die Führer fort Kuchen zu holen, wären wir nicht in Reih’ und Glied gestanden, so hätten wir ihnen alles vor der Nase weggeschnappt. Als wir uns nachher was holen lassen wollen, ist nichts mehr da u.

enttäuscht stecken wir wieder unsere Kornen ein, - Da ich in einiger Entfernung ein mit Stroh bedecktes Dach sehe, vermute ich, daß es da etwas zu kaufen gibt. Melde mich mit Elverfeld, einem Essener, zum Austreten ab. Nachher stellen wir fest, daß es nur ein Schafstall war. Einen Apfel hole ich jedoch vom Baum herunten. Dann Handgranatenwerfen. Von unserem Zug werfe ich als drittes. Meine Granate ist detoniert. War beim Wurf ganz ruhig und gelassen und überhaupt nicht aufgeregt, was ich als ein gutes Zeichen deute, während die anderen noch nach der Meldung japsten. Nach dreimaliger Pleite geht endlich die geballte Ladung in dem Tümpel hoch und ruft eine haushohe Fontäne hervor. Ich staune. Vier Mann meldeten sich freiwillig beim erstenmal und fischten die Ladung wie Gott sie geschaffen wieder aus dem kalten Wasser heraus. Dann wurden all die Handgranaten in die Luft gesprengt, die beim erstenmal

 

Nicht gezündet hatten. Wir liegen in weiter Entfernung dicht am Boden in Deckung. Habe wohl noch nie ähnliches gesehen. Dann Abmarsch. Mittagessen und danach habe ich, derweil die anderen Freizeit haben, Läufer vom Dienst. Den Kompaniechefunterricht muß ich mitmachen. Pflichten des deutschen Soldaten und geheime Sachen und Verhalten nach etwaiger Gefangennahme hat er Behandelt. Von dort sofort zum Impfen und dann Gewehrreinigen. Ab 1800-2000 Uhr stehe ich wieder LvD. In dieser Zeit hat Elverfeld Schinkenspeck gekauft von 4 ½ Pfund für 24 Kr. und nach dem Dienst esse ich mich erst einmal satt an Schinken. Welche Delikatesse. Um 2200 Uhr herumflachsen und mit 6 Mann noch auf der Stube. Mit Zeug aufs Bett. Um 1200 Uhr noch einmal Luftgefahr. Ausgerechnet ich, der ich um 200 Uhr schon wieder aufziehen muß, werde unter Gebrüll an Angeschrienwerden zum Nordbunker befohlen. Ich bin geladen bis oben-

hin und lasse alles, nur nichts Gutes auf den Maat niederkommen. Aber das alles hilft ja nichts. Als Soldat heißt’s ja nur gehorchen, auf eine Gerechtigkeit darf man nicht hinweisen und auf sein Recht niemals bestehen. Um ½ 2 Uhr Entwarnung. Durchfroren lege ich mich noch bis 2 Uhr auf Bett und ziehe dann wieder bis 4 Uhr als LvD auf. Von 4 Uhr bis 6 Uhr geschlafen u. Kann beim Wecken nicht verstehen, daß es schon morgen ist.

Donnerstag, 5. 10. 44.

Heute vor einem Monat verließ ich meine Lieben und meine Liebe. Hoffe fest, heute Post zu bekommen. Zuerst Gruppenführerunterricht in Karabiner 98 K. Danach bis zum Mittag fr. Dienst, der dadurch unterbrochen wurde, daß wir wieder zum Frieseur mussten, was noch gar nicht vonnöten war. Dafür sogar eine Krone zahlen. Mittagessen und dann heraustreten mit sämtlichen Decken, Kochgeschirr, Feld-

 

flasche und Halsbinde. Die Abschutgut hatten, mußten auch das mitbringen, das nachher untersucht wurde, ob „schwarze Ware“ mit verpackt worden war. Viele fielen auf. Auch die Spinde wurden kontrolliert. Musterung und dann Er-Dienst, der sich ertragen ließ. Über einen Matrosen mussten wir lachen, der feig, weich usw., aber Jungzugführer gewesen ist. Typisch Erscheinungsbild. Als er vor der Front stand, wagte er es nicht uns zu kommandieren usw, usw. Es war nur gut, daß auch die Ausbilder merkten, was für Typen die HJ als Mitarbeiter gebrauchen und befördern. Es gibt natürlich auch Ausnahmefälle. Von da Abmarsch, wegtreten. Gehe in die Kantine, hole Käse u. Messer ab. Mt. Erwischt mich. Reinigen, waschen und dann Abendessen, nachdem ich zuvor zwei Aale gekauft habe. Das Essen bestand aus Kartoffelsalat und einer großen Brühwurst. Finde zurückkommend einen Brief von Vater vor. Meine Sorge um Hansi ist aufgehoben. Tagebruch schreiben.

Freitag, 6. 10. 44.

Chefunterricht, in dem der Chef etwas von Treue, Härte usw. vorliest. Danach Exdienst, Feldw. erzählt einige Streiche aus seiner Jugend. Kurze Zeit mit Maske, Pause und dann noch Kurze Weile Exdienst, der unterbrochen wird durch Vollalarm der ungefähr um ½ 12 Uhr eintrat. Im Laufschritt zurück zur Wiese am See, wo wir uns links und rechts neben das MG in die Büsche hineinschlagen. In der Ferne werden Verbände gesichtet. Nach einer Std. ungefähr beendet. Musterung. Ich hole mir dann aus der Kantine Milch, Birnen und zwei Panzerplatten. Als ich zurückkomme, wieder Vollalarm. Finde auch einen Brief von Mutter vom 1.10. vor. Als ich wieder in Position liege, lese ich ihn. In ihm steht all das drin, was mir die ganzen Tage auf dem Herzen lag. Zuguter letzt zurück, da der Alarm zu lange dauert. Essen. Gibt Fisch und Karotten. Ich

 

esse hinterher meine Panzerplatten, so daß ich voll und ganz gesättigt bin. Es ist mittlerweile schon spät geworden. Nach einmal Liederprobe der Abteilung in der Sporthalle. Ein Leutnant übernimmt das Kommando, da uns Feldwebel in Urlaub geht. Reinigen. Als es ½ 8 Uhr ist in die Kantine und handle 2 Schachteln Pralinen für 18 Zigaretten und zwei K, 50 frei. Habe vor, sie mitzunehmen nach Flensburg, um sie dort nach Hause und nach Mausi zu schicken. Haben als letzte Stube Ronde. In der Nacht Alarm.

Samstag, 7. 10. 44.

Am Morgen zuerst zum Revier, wo wir untersucht werden sollen für die Fahrt. Der Sani macht es kurz. Als wir zurückkommen, werden wir sofort für die Kantine ausgespannt. Ich muß Fenster putzen. Zu Mittag Erbsensuppe. Baden und dann Reinigen der Uniform für die Vereidi-

gung. Musterung und Aufstellung in der Sporthalle. Es herrscht Totenstille. Ich denke mit keinem Gedanken an einen bevorstehenden Einsatz als Infanterist, bin aber ganz beherrscht von dem Eid, den wir zu leisten haben. Einmarsch des Ehrenzuges und dann kommt der Kapitän, der die Front abschreitet. Singen “der Gott der Eisen wachsen ließ“, „nur der Freiheit gehört unser Leben“ und nach einem herrlich vorgetragenen Gedicht spricht der Kapitän. Sprechen dann die Eidesformel nach mit erhobener Schwurhand. Die Vereidigung ist beendet. Zurück zur Unterkunft und am Abend ißt die Kompanie gemeinsam. Ich bekomme ein Kotelett. Sitze neben Obm. Holzhey, der die Meinung vertrat, wer nicht saufen kann, ist kein Mann. Er hätte seine Jugend ausgenutzt, sagte er, wo er auch nach aussieht. Ich hingegen setzte ihm entgegen, daß man auch auf anderem Gebiet seinen Mann beweisen kann und nicht nur um

 

Saufen. Weiter sagte er: Sie rauchen nicht, Sie trinken nicht. Was machen doch nur die Frauen. Warum tun Sie das? Ein Mann muß saufen können. Ich: Auch im Entsagen beweist sich der Mann. Das war ihm als Lebemensch zu hoch. – Es wurde noch gesungen und nachdem ich noch einige Vorbereitungen getroffen habe für die an Sonntag steigende Dienstreise, ging ich ins Bett. – Habe von Mausi Post mit Bild von mir bekommen.

8. 10. 44. Sonntag

Durch die Vereidigung hervorgerufene Feiertagsstimmung wurde am heutigen Sonntag erst um ½ 8 geweckt. Wir drei standen um 700 Uhr auf und trafen die letzten Vorbereitungen für die Abreise. Nachdem wir uns überall abgemeldet haben, zogen wir schwer bepackt zum Bahnhof. Unser Zug fuhr um fünfvor halb zehn. Der Omt. Rechnungsführer fuhr mit uns, der sich freiwillig zur Infanterie gemeldet hatte. Ein Weltkriegsteilnehmer 14-18, der schon das EK I Klasse er-

worben hatte und sich wieder zum Kriegsgetümmel zurücksehnte. Ich konnte mir über seine wirkliche innere Begeisterung kein richtiges Bild machen. Fahrt von Svendborg – Odense – Fredericias – Padborg – Flensburg. In Odense habe ich 10 Zigaretten für 5 Kr an einen Dänen getauscht. In Fredericia nahm ich ein 3 Kg Paket für die Bahnhofswache mit, das ich an einem ihm bekannten Zivilisten hinter der Grenze wieder abgeben soll, der es dann weiter besorgen will. Wie es sich wirklich verhielt, ist mir nicht klar geworden. Hatte es auch alleine nicht bemerkt, wenn mich nicht ein Oberfeld auf die Gefahr aufmerksam gemacht hätte! Habe viel zugelernt, aber auch mit steigender Begeisterung mich vor der Zollwache gefürchtet. Nun hatte ich hes schon, durch die dafür empfangenen 10 Kr schon angenommen. In Padborg war der Zivilist froh, daß ich noch da war. Er ging nun durch die Zivilsperre, ich durch die Wehrmachtssperre und war viel eher fertig als er, da ich so, ohne kontrolliert zu werden, passie-

 

ren konnte. Daraufhin wartete ich 20-25 Minuten vor dem Bahnhof, da wir keinen Ort vereinbart hatten. Er suchte mich hingegen überall, und als er schließlich die Halle verließ, stieß er auf mich und freute sich riesig, daß ich noch nicht durchgebrannt war. Er bot mir eine Zigarre an, die ich aber ausschlug. Da bat er mich um meine Heimatanschrift um Mutter ein ¼ Pfund Bohnenkaffee zu schicken. Aus Dankbarkeit. Das Paket, das rohe Butter und andere Deftigkeiten enthielt, war für eine Goldene Hochzeit bestimmt, wie er mir erzählte. Wenn der Mann so ehrlich ist wie ich, bekommt Mutter ein ¼ Pfund Kaffee. An der Expressabfertigung Aufgabe einer Kiste mit 25 kg Äpfel für den Chef und einem 12 kg schweren Paket für den Furier. Inhalt? Zur Roten-Kreuz-Unterkunft angemeldet, gegessen, geschrieben an die Eltern und dann mit der Bahn zum Haus der Arbeit, wo wir schliefen. Der Obm. ist in der „Nordmark“ geblieben, während die Mannschaften bis zum HDA mussten. Hoffentlich schaff ich es auch weiter bis zum Offizier.

Montag, 9. 10. 44.

Um 700 Uhr sind wir aufgestanden, gegessen und begaben uns dann auf den Weg zum Lazarett in Mühwik. Dort dan gaben wir unsere Pakete auf, ich meine per Einschreiben an Mutter u. Mausi. 30.- hob ich von meinem Guthaben ab, wovon ich 14.- RM an mich selbst nach Dänemark schickte und die zehn Mark an der Freigrenze umtauschte. Von dort zur Augenuntersuchung, die bis um 1200 Uhr dauerte. Zum Bahnhof zurück,* aßen u. ich schrieb eine Karte an Mausi. Um ½ 5 fuhr unser Zug. Darum gingen wir um 1500 Uhr schon zur Post und gaben die letzten Pakete auf. Kurz um 1600 erschienen wir auf dem Bahnsteig an der Wechselstube, wo wir 10,50 RM umgetauscht bekamen. An dem Schalter, wo ich zuerst war, wechselte der Knallkopp an der Kasse meine 10.- in 5 x 2 RM um (deutsches Geld) mit dem Hinweis, daß es auf Marschbefehl keine dänisches Geld gäbe, während ich es am rechten Schalter umgetauscht bekam. Es liegt

 

Also lediglich am Manne selber, ob er dem auf ihn angewiesenen Menschen guttut, oder ob er ihn nicht anhört. Es ist also immer noch möglich sich durch Menschenfreundlich vom sturen Paragrafenklüngel loszureißen. Ein Erfolg ist immer da, wo ein (guter) Wille, da ein Weg. Es liegt halt nur am Manne selber. Dann fuhren wir mit dem Zug bis Pattborg, verspeiste dort Weißbrot u. einen Aal und dann fuhren wir bis Fredericia. Unterwegs stieg ein Mädel (Volksdeutsche) zu uns, die mir Butter und Zuckermarken bra gab. Sonst ist sie keiner Erwähnung mehr wert. In Fredericia noch einen Teller essen können, dann Abmarsch zur Schule, wo wir kurz nach 2400 Uhr ankamen und sofort in tiefen Schlaf sanken.

Dienstag, 10. 10. 44.

Da wir uns am Abend ausgemacht hatten, erst um 1000 Uhr zu fahren, anstatt um 600 blieben wir nach dem Wecken

noch liegen. Als es uns plötzlich allen drin zu warm unter den Füßen wurde, sprangen wir aus dem Bett um zwanzig Minuten vor sechs und um vier vor 600 stiegen wir heilfroh ob unseres plot schnellen Entschlusses in unseren Zug und fuhren bis Odense. Dort kaufte ich ein. Zwei Brieftaschen, zwei Reißverschlüsse, Wurst und Zier. Um 1020 Weiterfahrt bis Svendborg, dort wieder 3 Std. Aufenthalt. Aßen im Wartesaal und standen fortwährend im Mittelpunkt und wurden genau von den Dänen beobachtet. Aßen Sahnetörtchen. – Im Zug nach Ollerup stieg eine ältere Frau zu uns ins Abteil. Wir waren bisher immer noch alleine gewesen, trotzdem der Gang ziemlich voll war. Diese Frau entdeckte auf einmal unsere Gewehre an der Wand, erfuhr durch umständliches Frage- u. Antwortspiel, daß sie geladen waren und verließ fluchtartig unser Abteil. Wir waren wieder unter uns. Kurz danach stellten wir uns wieder unter das Kommando unseres Vorgesetzten. Unsere Dienstreise war zu Ende, aber auch unsere Freiheit des Willens.

 

Mittwoch, 11. 10. 44.

Um 600 begann wieder der Dienst. Kompaniechef-Unterricht. MG-Ex-Dienst. Mittagessen. Gruppenführer-Unterricht. Ex-Dienst bei Hinners. Kloppen nach Dienstschluß noch den betonten Marschtritt. Reinigen. Zeugdienst. Warmes Essen. Schon verfrüht Stubenabnahme, bei der alle Spinde geöffnet werden mussten, die dann nach einem Buch abgesucht wurden. Da unsere Stube nicht in Reih’ und Glied stand, mussten noch bis zum Ende der Runde in Stillgestanden stehen. Als der Chef nach unserer Schuld fragt, wird ihm durch den Feldwebel die Sache ganz anders ausgelegt, worüber wir sehr entrüstet waren, aber die Schnauze halten mussten. Wir hielten sie zu.

Donnerstag, 12. 10. 44.

Sofort Abmarsch zum MG-Schießen und zwar 5 Schuß Einzelfeuer. Ich erzielte keinen einzigen Treffer. Da wir die Zeit

in der die anderen schossen, frei herumstanden, mussten wir zuletzt Lieder singen. Rückmarsch. Mittagessen. Danach Musterung um ½ 2 Uhr in Zahnbürste und Pasta. Zugführerunterricht über Wahl und Waffengebrauch bei Leutnant Knieps. Er machte gute Ausführungen, erklärte z. B. sehr gut die Begriffe Notwehr und Vergeltung. Danach Ex-Dienst. Holzhey setzt mich als Gruppenführer ein beim Wachexerzieren. Somit scheint sich seine Einstellung zu mir wohl geändert haben, wiewohl ich schon bemerkt habe, daß ich bevorzugt werde bei irgendwelchen besonderen Übungen, worüber ich mich bestimmt nicht wenig freue. Es macht mir mehr Spaß   als zuvor und das Ziel als Offizier steht mir immer vor Augen, darum werde ich mich nun alleweil anstrengen und guten Willen zeigen. Zu Abend auf Eßkarte wieder gutes Essen gehabt, aß aber trotzdem noch ein Ei mit Honig, wie ich es schon seit einigen Tagen tat, und was mir immer tadellos mundet. Brief an Mutter, Hansi, Mausi u. Heinz-Josef.

 

Freitag, 13. 10. 44.

Kompaniechef-Unterricht über Fahnenflucht usw. Dann feldmarschmäßiges Abrücken, mit Gasmaske, die wir sofort auf der Wiese am See aufsetzen und erst wieder um 12 Uhr absetzen. Also drei Stunden Dienst unter der Maske. Wir hatten Schützenreihe, -kette und Vorarbeiten mit Sprung auf, marsch, marsch. Als nachher mit MG geübt wird, zieht er drei Mann als MG-Bedienung heraus, darunter auch ich. Ich bin im innersten Herzen sehr froh darüber. Im Laufschritt mit Maske zurück, Mittagessen, bei dem ich auch die Unkameradschaftlichkeit meiner „Kameraden“ und mit mir noch zwei kleine Kartoffeln bekomme. Esse mich von meinem Vorrat satt. Am Nachmittag mit Maat Hinners Ausbildung (Nahkampf) Grützsuppe zu Abend. Ein Korvettenkapitän hält einen Vortrag über die augenblickliche Lage. In meinen Augen hätte es auch die Kraft der Herzen heißen können. – Esse ein Ei mit zwei Dottern. Er führte an: Wir könnten bald unsere freudige Einsatzbereitschaft unter Beweis stellen, denn wir wären ja freiwillige.

Samstag, 14. 10. 44.

Gasschutzunterricht im Speisesaal. Ex-Dienst und bekommen dann den Mantel verpasst. Beginnen sofort mit „Rein Schiff.“ Reinigen das U-Heim. Mittagessen. Baden unter kaltem Wasser. Gewehrreinigen, Zeugdienst Klar Schiff, Schreibe Briefe. Gebe dem Hoppe mein Päckchen. Film, der abgeblasen wird, weil der Apparat kaputt ging. Dann doch Film. „Rembrandt“. Nach dem Film kleiner Maskenball. In der Nacht mehrere Male 2x Voralarm.

Sonntag, 15. 10. 44.

Um ½ 8 ist Wecken. Rein Schiff. Klar Deck überall. Schreibe Briefe. Mittagessen. Am Nachmittag Fußballspiel III gegen den IV Zug. Ich spiele Mittelläufer. Danach schreibe ich noch zwei Briefe und dann Tagebuch. An Mausi auch noch einen Brief. Beginnen über Politik, Pro-

 

paganda usw. und dann sehr heftig über Religion und Konfession zu diskutieren. Es sind wie immer die selben Sachen, die gegen den Glauben und die Kirche vorgebracht werden. Sie selber haben aber für ihre Religion noch nicht mal ein Fundament, maßen sich aber an,, eine andere als unrichtig usw. zu bezeichnen. Sie konnten aber nicht umhin, das anzuerkennen, was ich für meinen und gegen ihren Glauben vorbrachte. Als bald Schlafenszeit ist, kommt Alarm und ich muß auf Posten ziehen bis zur Entwarnung.

Montag, 16. 10. 44.

Wache plötzlich und überrascht durch das Pfeiffsignal auf, was sonst gar nicht der Fall war. Unterricht und dann Turnen. Stelle fest, daß ich auf manchem Gebiet doch viel verlernt habe. Danach Brausen unter kalter Dusche. Mittagessen, das ab heute schon um 11 ¼ Uhr beginnt. Um 13 Uhr Muster-

ung und dann Abmarsch zum MG-Schießen. Der Muskelkater vom Fußballspiel macht sich doch bemerkbar. Kann kaum mehr gehen und bin froh, als wir da sind. Ich schieße alle drei Schuß Dauerfeuer daneben. Zugführerunterricht beim Feldwebel Schanowski, der wieder aus seinem Urlaub zurückgekehrt ist. Abendessen. Reinigen und Zeugdienst.

Dienstag, 17. 10. 44.

Schon vor dem Wecken wach. Beim Gruppenf.-Unterricht versucht unser Führer uns herunterzumachen, er sagt uns immer: Ich meine, ihr wärt Schüler. Meine Herren, meine Herren. Die zukünftigen Offiziere. Das hatten wir schon öfter hören müssen, zumal einige unter uns sind, die uns Schülern bestimmt keine Ehre machen. Darunter müssen dann natürlich alle leiden. Mit Sturmgepäack und Gasmaske Marsch.. Ich schleppe mich mühsam mit, da mir

 

meine Beine arg zu schaffen machen. Marschieren bis zur Werft zum Svendborger Sund. Auf dem Rückmarsch marschiere ich am Schluß. Mittagessen. Päckchen mit Zigaretten (45) von Mausi u. ein Brief von Hansi. Beim Wiederbeginn des Dienstes Alarm. Dann Geländedienst: Erstürmung einer Höhe. Obm. H. sucht sich neun Mann aus unserer Gruppe aus. Mich nennt er als erster. Pflücke einige Blumen, darunter auch ein Sumpfvergißmeinicht. Rückmarsch betonter Marschtritt. – Am Mittag Eier und Butter bekommen. – Schreibe Brief an Hansi u. Mutter. Tagebuch. Bei der Ronde kommt Obm. Holzhey durch. Er mustert den Inhalt der Taschen, und da ich alles in Ordnung habe, stellt er mich dem Falke gegenüber, der einen tollen Krämerladen hatte.

18. 10. Mittwoch, 19. 10. 44 Donnerstag

Zuerst Unterricht beim Lt. (MG) Knieps, der uns etwas von der

See und vom Seemann erzählte. Ex. Dienst Gewehrgriffe. Mittagessen. Unterricht über Wache usw., dann noch einmal Durchüben der Ablösung. Gewehrreinigen und fertigmachen zur Wache. Der Chef spricht noch einige Worte zu uns und dann lösen wir die alte Wache ab. Ich bin Läufer und muß immer zur Verfügung des Wachhabenden stehen. Auf Posten zu ziehen brauch ich nicht. Ab 2200 durfte ich schlafen bis um 100 Uhr früh und mußte den Obm. Ablösen, die Ablösung vornehmen und er legte sich schlafen. Um 200 Uhr erste Ablösung vorgenommen. Dann Briefe geschrieben an Mausi, Hansi u. Eltern. Mit Erich Rensch überlegt, was wir am besten für einen Brief abschicken an das Mädel, mit der er sich verkracht hat, so wie er will oder so wie ich will. Zuguterletzt sieht er ein, daß meine Ausführungen richtig sind und er beugt sich selbst unter seinem Willen. Den gan-

 

zen Tag über gelesen, geschrieben und unterhalten über alle Themen. Auch Schach gespielt gegen Obm. Holzhey. Dann ist unsere Ablösung beendet. Gemeinschaftsempfang: Staatsakt für Marschall Rommel. Film: Anuschka von der Luftwaffe gedreht. Nach der Vorführung sofort ins Bett. Bin ununterbrochen 22 Std. auf gewesen. Sinke auch dementsprechend in einen tiefen Schlaf.

Freitag, 20. 10. 44.

Überrascht erwache ich am Morgen. Nach dem Chef-Unterricht stellen wir uns auf zur Verabschiedung für Lt (MG) Knieps, der zu den U-Booten kommt. Er spricht vorher noch einige Worte zu uns u. dann bilden wir Spalier und singen ihm ein Abschiedslied. Mit der Kutsche fährt er ab und schwenkt freudig seine Mütze. Uns alle bewegen alle dieselben Gedanken, der Wunsch, auch zur U-Boot

Waffe zu kommen. Ein kleine Hoffnung ist nun wieder in uns, zumal vorher der Chef gesagt hat: er glaubte und hoffte nicht, daß wir dasselbe Geschick hätten wie unsere Vorgänger.“ Dann begann der Ex-Dienst in dem wir schwer auf und nieder mussten, weil einige ihre Spinde nicht in Ordnung hatten. Nachher ging es beim Gruppenführer weiter, der uns zum Schluß noch eine Predigt hielt, von wegen Offiziere werden, er könnte sich schon rausreden, dazu wär er schon zu lange Soldat. Uns könnte er erst beikommen, wenn es uns an unsere Ehre ging. Doch er hat nicht bedacht, daß man sich nicht durch jeden beleidigt u. an der Ehre verletzt fühlt. Mittagessen und dann in der Mittagspause Rein Schiff, weil am Morgen nicht richtig gereinigt worden war. Nach der Umplanung Geländedienst, bei dem unser Zeug, das vom Morgen noch durchnäßt und verschmiert war nun restlos durchfeuchtet wurde. Es wur-

 

de geübt Nahkampf, Schnell-Hüftschuß und Stich. Unterricht im Gesundheitswesen durch d. Oberstabsarzt in Hygiene, Geschlechtskrankheit usw. Abendessen Milchsuppe. Reinigen und Waschen. Kaufe mir 40 Zigaretten in der Kantine auf Karte. Tagebuch.

Samstag, 21. 10. 44.

Spießunterricht über Urlaub. Rein Schiff und dann Hupfen. Essen. Reinigen. Klar Schiff überall. Baden. Vorher jagt uns Holzhey im Karree um den Platz. Eine Runde nach der anderen laufen wir ungefähr 20 Min. Große Wut. Dann Baden. Am Abend Film: Postmeister. Dann sofort ins Bett.

Sonntag, 22. 10. 44.

Bis ½ 8 schlafen. Rein Schiff. Beim Waschen bekomme ich wieder starkes Nasenbluten. Werde aber noch

fertig. Gemeinschaftsempfang. Frei. Schreibe Brief an Eltern. Essen. Briefe von Hansi antworte ihm sofort. Fußballspielen zwischen 3. und 1., Zug. Wir gewinnen 2 : 1 Toren. Ich verknakse mir die Leiste und kann nur noch halb mitspielen. Schreibe Briefe. Unterhalten uns kurz aber heftig über Religion. Bei der Ronde geht Hinners durch. Zum Schluß sagt er nur ein japanisches Sprichwort: Aus altem Eisen macht man keine Nägel und aus guten Menschen keine Offiziere. In der Nacht Fliegeralarm.

Montag, 23. 10. 44.

Um ½ 6 schon wecken. Zuerst Gruppenführerunterricht, in dem Holzhey beim Ex-Dienst uns allerhand angedroht hat, wie wir ihm beim Zugführer blamiert haben sollen, da es nicht geklappt hat u. wir einiges vom Gewehr nicht

 

wußten. Der Feldwebel gibt zu, daß Laufbahn IV am 15. Nov. fortkommen soll. Bei ihm lässiger Dienst. Als dann die Gruppenführer den Befehl übernehmen, liegen wir bei unserem sofort flach. Er hält, was er versprach. Wir pfeifen auf dem letzten Loch. Ich hinke mit meinem Bein immer hinterher, da es dick angeschwollen ist. Holzhey sagt nicht, daß ich austreten soll, und ihn darum zu bitten, hielt ich meinen Kopf doch noch zu hoch, besonders nachdem ich erkannt hab’, daß der Mensch überhaupt keine menschlichen Gefühle kennt, nur stur nach mir, was ich ihm aber nicht übelnehmen will, da er ein „Fuchs“ ist. Mittagessen. Sport Tisch und Sprungbrett. Marsch nach Hvidkjilde (ein Schloß, in dem ein dän. Oberst gewohnt hat). Kriechen, Robben, Gleiten. Rückmarsch die ganze Kompanie unter Oberfähnrich Tuchtfeld. Paradeschritt. Reinigen. Tagebuch. Luftalarm. Schlafe mit Zeug bis zum Morgen. Höre vor Übermüdigkeit nicht das Pfeifen der Entwarnung.

Dienstag, 24. 10. 44

Unterricht und dann Raustreten zum Verpassen der Gasmasken. Ex-Dienst, der abgebrochen wird, da wir zur Gastaufe sollen. Erst spricht ein Oblt. zu uns und dann geht es mit der Maske in eine hochkonzentrische Gaswolke. Nach 10 Min. Lauf nun die Sporthalle und dann ohne Maske für eine Minute in den Raum. Ein furchtbarer Reiz in Nase und Rachen. Müssen noch ungefähr 5-10 Minuten nachher draußen mit Gasmaske Ex-Dienst machen, wobei die Nase fortwährend lief. Schreckliches Gefühl. Eine Erlösung, als wir die Maske abnehmen dürfen. Mittagessen. Unterricht. Ex-Dienst „Gewehr über“. Hole am Revier meine Brille ab. Drei Mann holen Wurst, Keks, Kakao usw. für jeden ungefähr 5 Kr. Ess zu Abend Kottlett u. einen Rollkuchen danach. So satt wie noch nie. Wasche mich. Tagebuch. Höre im Radio, daß Essen wieder angegriffen wurde.

 

Mittwoch, 25. 10. 44.

Anstatt Chefunterricht Gruppenführerunterricht über Rang u. Dienstgrade. Ausbildungsdienst. Kommando ausführen u. weil es nicht klappt, hinlegen, bis es hinhaut. Mittagessen. Zugführerunterricht Ausbildungsdienst nicht so streng beim Zugführer. Griffe kloppen. Abendessen. Impfen-Nachschau. Beim Gewehrreinigen kommt das Gespräch auf die Schule. Von mir wurde allgemein angenommen, daß ich Latein könnte also Oberschüler sei. Das war natürlich für mich eine große Freude, sie aber eine große Überraschung.

Donnerstag, 26. 10. 44.

Kantinen-Tragödie am frühen Morgen. Nachdem wir zurückgekehrt sind, sucht unser Obm. drei Mann aus, unter denen auch ich, die sich feldmarschmäßig fertig machen müssen. Nach ½ Std. Abmarsch.

23. 10. + 25. 10.

Luftkrieg: Anglo-amerikanische Terrorangriffe richteten sich gegen Orte in Süd-, Südost-, Nord- und Nordwestdeutschland, sowie gegen rheinisch-westfälisches Gebiet, vor allem gegen die Städte Augsburg, Regensburg, Hamburg, Neumünster, Münster, Hamm und Essen. Nächtliche Störangriffe richteten sich gegen Berlin und Hannover. Der Feind verlor insgesamt 120 Flugzeuge.

¾ Std. ungefähr Marsch, auf dem wir alles Mögliche ersinnen. Zu was wir überhaupt ausrückten. Pendeln im Dorf herum bis 10 Uhr und Punkt 10 postieren wir uns vor dem Fahrrad- und Autoladen von Jenssen auf mit Gewehr im Anschlag. Aber nichts Feindliches geschieht. Wir sind etwas enttäuscht, denn wir dachten, daß es nicht so einfach abgehen würde. Zumal auf dem Wege dorthin ein Kappo das Wort Erschießungskommando fallen ließ. Ich besetzte das Telefon und stellte das Radio an, holte mir dann die Musik, die mir am liebsten war, in den Kasten. Bis ½ 3 gehört u. Telefonwache geschoben. In der Zeit räumte Obm. den Laden aus. Der Oblt. holte später mit dem Auto die Sachen ab. Walter und ich gingen noch ins Cafe und aßen Sahneteilchen u. kauften drei Eier, wovon zwei beim Aufsteigen aufs Auto, mit dem wir zurückfuhren,

 

entzwei gingen. Aßen unser Mittagessen. Zu Abend gibt es noch Alarm. Mit Mantel auf unseren Positionsposten neben dem MG. Zurück u. dann Tagebuch. – Habe mal wieder festgestellt, daß unser Obmt. ein Mann ist, mit dem man kein Gespräch führen, wie viel weniger privat näher kommen kann.

Freitag, 27. 10. 44.

Da einige beim Kompaniechef sind zum Rapord, hat die Kompanie beim Oberfähnrich Tuchtfeld Unterricht. Sollen eigentlich schanzen, sehen aber den Film: Brandbomben u. feindliche Abwurfmunition. Marschieren dann ins Gelände und bauen Zelte. Ich baue am dreier mit. Danach kurzer Gasalarm und dann Rückmarsch. Kleiner .Wettkampf im Griffekloppen zwischen III u. IV. Zug. Mittag-

essen, Wacheinteilung, Wachunterricht, Fertigmachen zur Wache. Um 2 Min. vor sechs Uhr erst Vergatterung u. um ½ 7 Uhr Postenablösung. Ich ziehe mit Erich Reusch auf bis 2000 Uhr. Schreibe einen Brief u. führe dann auf. Schlafe bis 2400 Uhr. Ziehe wieder auf. Heftiger Wind. Vor meinen Augen ziehen meine Jugendjahre von 41 – 44 vorüber. Eine sich im Winde wiegende Birke erweckt in mir den Gedanken, daß es doch schöner ist Mensch zu sein als ein Baum, als gedankenloses und standortfestes Wesen, das nur auf seine Umgebung angewiesen ist. Und wenn das Leben noch so schwer wird, man soll immer bedenken, daß man neben dem Atmen auch noch denken, fühlen sich freuen usw., darf. Ein plötzlicher, heftiger Windstoß läßt mich erschreckt an den Druck u. Sog einer Bombe denken. Es war 120 am 28. Oktober 1944. Hof-

 

fentlich geht meine Ahnung nicht in Erfüllung, die sich meiner bis zur Abklärung, schon durch den kurz vorher gewesenen Angriff auf Essen noch krasser hervorgerufen, meiner bemächtigte. Schlafe bis 600 Uhr morgens.

Samstag, 28. 10. 44.

Zurück zur Unterkunft. Waschen und Essen und dann „Rein Schiff“ bis ½ 10. Musterung, Essen. Ich bekam Eier mitgebracht. Handschuhe soll ich auch bekommen. Gewehrreinigen. Brausen u. Zeugdienst. Putze, stopfe, flicke usw. Esse auf alter Karte. Tagebuch.

Sonntag, 29. 10. 44.

Ohne Unterbrechung bis zum Wecken um ½ 8 geschlafen. Rein Schiff, Gewehrreinigen, Klar Deck. Schreibe heim. Mittagessen. Brief an Hansi. Fußballspiel gegen den

II Zug. Gewinnen mit 2 : 1. Wasche mich und esse mich mal wieder satt. Brief an Mausi. Tagebuch.

Montag, 20 10. 44.

Scheiße!!! Den ganzen Tag Scheißefahren. Am Mittag Fotografieren. Am Abend im Radio das Lied: Schlaf Kindchen, schlaf ein, von dem Regensburger Domspatzen. Muß an den Abschiedsabend für Theo Kassing beim Kleinen denken.

Dienstag, 31. 10. 44.

Um ½ 6 Wecken. Abmarsch zum Schanzen nach Gruppenführerunterricht, der in üblicher Weise verlief. Unsere Gruppe schenkte einen MG-Stand. Als wir zurückmarschieren, gibt Obm. H. dem Schindler einen 1 Kr. Kuchen, worauf ich sage, daß der nicht heil ankäme. Daraufhin überlässt er ihn

 

uns zum Essen. Keiner ist mehr erstaunt als ich. Bis zum Mittagessen noch etwas Zeit. Schafe und danach bis zum Gruppenführerunterricht Ausbildungsdienst beim Obm. H. Gewehrgriffe mit Hocke, Hinlegen, Laufschritt. Muß abgebrochen werden, da wir zum Friseur müssen. Esse Bratwurst zu Abend, trinke Milch u. esse Rollkuchen dazu. Satt. Große Toilette nach Gewehrreinigen und Zeugdienst. Tagebuch.

Mittwoch, 1. 11. 44.

Gruppenführerunterricht. Bekomme zu schreiben auf – am Nachmittag. Am Morgen Chef-Unterricht. Ausbildungsdienst bei Obm. Holzhey. Liegen bei Griffekloppen mehr auf der Nase als sonst was. Wird abgebrochen, da wir zum Friseur müssen. Mittagessen. Am Nachmittage beim Feldwebel. Der Chef besichtigt die Züge. Da wir gut abgeschnitten haben, lange Pause und

und dann Schinkenkloppen. Rückmarsch. Abendessen. Erfahre, daß ich in der Kompaniemannschaft mitspielen soll. Am Mittag eine Eilnachricht von daheim bekommen. Leichter Schaden. Ich bin beruhigt. Die letzten Stunden des Tages verbringe ich mit Übungsschreiben.

Donnerstag, 2. 11. 44.

Chefunterricht über Nachrichten u. Spionageorganisation in Dänemark. Ausbildungsdienst. Essen. An Bekomme meinen Zucker gebracht. Turnen am Tisch mit Sprungbrett, Barren, Reinigen, Briefeschreiben, Tagebuch.

Freitag, 3. 11. 44.

Unterricht in üblicher Weise beim Gruppenführer. Ex-Dienst, bei dem unsere Gruppe zur wilden Sau gemacht

 

wird. Da der Ex-Platz vom Regen ganz aufgeweicht ist, ist unsere Uniform sehr bald von oben bis unten total beschmutzt und ganz durchnässt. Es ist keiner da, der nicht bis oben hin geladen war. Unendlich ist die Zeit bis zum Mittag. Essen. Umziehen in Drillichzeug. Am Nachmittage in der Halle Ex-Dienst. Wieder Griffe-Kloppen. Lange Pause. Rückmarsch usw. Milchsuppe. Als ich am Mittag eine Eilnachrichtenkarte (verspätet) vom 23. 10. bekomme, erkundigt sich unser Obm., was bei uns passiert sei. Ich sehr erstaunt darüber. Er nimmt also doch einigen Anteil an dem Geschick einzelner. Er hat also doch ein Herz unter solch einer wilden rauen und unbarmherzigen Schale.

Samstag, 4. 11. 44.

Gruppenführerunterricht. Ich komme schon wieder ein-

mal dran. Dann Rein Schiff. Mittagessen. Schreibe einen Brief an Hansi, Reinigen, wasche meinen Pullover und schreibe Brief weiter. Abendronde. Schauen der Generalprobe für den Kameradschaftsabend der 3. Kompanie zu.

Sonntag, 5. 11. 44.

Um ½ 8 Uhr wecken. Ich habe Stubendienst und gehe in der Zeit den Platz markieren. Schreiben. Mittagessen. Fußballspiel um 14 Uhr gegen die erste Kompanie. Gewinnen das Spiel mit 3 : 0. Danach sofort Fertigmachen zur Wache. Abmarsch. Ich bin mit 5 Mann für die Wache Kvidkilde ausgesucht worden, die beste Wache im Standort. Ablösung. Ich habe Posten von 7 – 4 und 1 – 3 Uhr. Zwischen den Wachen geschlafen. Sturmwind, macht mir Spaß.

Montag, 6. 11. 44.

Bis 7 Uhr schlafen, da ich auf Posten ziehen müssen. Unser

 

Obm. holt Wallnüsse und gibt sie uns. Er ist ganz gegen seine sonstige Art aufgelegt, so daß wir alle verwundert sind. Schreibe an Hansi und gehe dann Essen holen. Zurück und auf Posten, bis 1500 Uhr. Geschlafen bis 1700 Uhr. Aufräumen und Fertigmachen zur Ablösung. Rückmarsch, Waschen, unterhalten über Politik u. die 25 Punkte. Von den HJ.-Führern konnte keiner einen Punkt. Typisch. Sie aber platt, als ich sie ihnen aufzähle. Ronde.

Dienstag, 7. 11. 44.

Nach dem Rein Schiff zum Spieß und melde mich mit Erich Reusch ab, um mein Reinigungsgerät, das ich hab’ liegenlassen, zu holen von Hvidkilde . Heftiger Regen. Zum Kolonialladen und kaufen ein, kommen dadurch eine ½ Std. zu spät. Spieß schreibt uns auf. Lehre: Nicht gegen die innere Stimme handeln, die da sagt: gehe nicht! Es ist Dir nicht erlaubt. Mittagessen. Tagebuch. Bei der Mu-

sterung werden wir nicht zu Posten bestimmt. Aber gerettet sind wir noch nicht. Ausbildungsdienst. Abendessen Kottlett. Mohl kommt und sagt mir, daß ich Post mit Zigaretten habe. Ich jubel auf denn das konnte nur von Mausi sein. Von Mutter ebenfalls Post. Schreibe Brief an Mausi.

Mittwoch, 8. 11. 44.

Sofort Abmarsch zum Geländedienst. Tarnen des Hälfte Helms. Durchstreifen des Geländes. Pause von über einer Stunde. Rückmarsch der ganzen Kompanie. Mittagessen. Musterung. Gruppenführerunterricht. Ausbildungsdienst beim Obm. Er war heute nicht so streng und stur wie sonst. Der Dienst hat allen gefreut. Dann Zugexerzieren beim Zugführer. Keine Pause. Rückmarsch. Gewehrreinigen. Hören, daß V2 umgesetzt wird. Da bekomme ich viel zu hören und sofort fängt das Diskutieren wieder an. Abendessen. Schnelle Ronde bei Mt. Peters.

 

Donnerstag, 9. 11. 44.

Um 5 Uhr schon wach. Nach Rein Schiff Frühmusterung. Chef liest Geheimbefehl vor, daß die dänischen Saboteure am 9. abends Anschläge planen. Gruppenführerunterricht und dann Kompaniesingen (Lieder für den 9. November). Ausbildungsdienst. Mittagessen. Zugführerunterricht und wieder Aubildungsdienst. Räumen die Sporthalle auf. Rückmarsch nach der Aufstellung in der Halle und nach Durchsingen der Lieder. Reinigen. Kaufe Essensmarke und nach dem Essen zum Revier, um den Elverfeld zu besuchen. Danach zum Hamsterer u. Schmuggler. Kaufe aber nichts. Zeugdienst. Schreibe Briefe an Mutter und Mizzerl. Ronde. In der Nacht ging mal wieder der heilige Geist um. Chef erzählte, daß Hans Fritsche zu uns sprechen würde. Ich bin groß gespannt.

Freitag, 10. 11. 44.

Chef-Unterricht. Ausbildungsdienst. Mittagessen. Fertigmachen zur Feier. Ausziehen zur Halle. 1700 Mann sind in der Halle. Kommandeur schreitet mit Hans Fritsche die Front ab. Die Kapelle spielt und der Chor singt. Dann spricht Fritsche. Unter anderem führte er aus: Wer trägt die Schuld an den Rückschlägen. Antwort: Das Zeitgeschehen. Warum wir zurückgefallen sind, weil die anderen viel eher totalisieret haben, usw. Er sprach aber sehr schön. Dann Rückmarsch zur Kaserne. Reinigen. Schreibe Briefe und mache meine Fotographie fertig für Mausi. Kurz vor der Ronde Luftgefahr. Mit Zeug ins Bett, kurz danach Entwarnung. Kaufe am Mittag Tintenkuli.

Samstag, 11. 11. 44.

Sofort Anfangen mit Aus-

 

Bildungsdienst. Beim Zugführer Exerzieren. Er zeigt große Geduld. Gasmaskenreinigen. Mittagessen. Ich hole das Püppchen ab für Gisela (16), Musterung. Ich werde mit Erich Reusch aufgerufen zum Nachzüglerexerzieren. Hatte nicht mehr daran geglaubt. Zum Baden verstreichen wir beiden uns und waschen unsere Sachen. Ziehe mich dann um. Um 1500 Uhr beginnt der Rummel. Es erübrigt sich, darüber zu schreiben. Lehre: Sich nie etwas zuschulden kommen lassen, in Zukunft so Dienst machen, daß man mich nicht noch einmal zu dem Verein steckt. Aber in alles muß man einmal reingeschaut haben. Dusche mich mit Erich unter kalter Brause u. schreibe dann Tagebuch. Luftgefahr. Da die Unteroffiziere Kameradschaftsabend haben, kommt nicht Holzhey, sondern der Gasschutzunteroffizier durch. In der Nacht Alarm.

Sonntag, 12. 11. 44.

In der Nacht öfter aufgeschreckt wegen des Exerzierens. Werde überrascht auf durch das Weckfliehen. Ziehe mich sofort an, u. putze mich mich nur so durchs Gesicht. Um 8 ¼ Uhr Raustreten, und als wir auf den Platz kommen geht es sofort wieder los. Wüste Schleiferei, Zirkusmäßig immer im Kreis herum. Zwei Stunden Laufschritt. – Mache mich dann sauber und säubere mein Gewehr. Essen (Rosenkohl) Schreibe Briefe und mache mich dann fertig zur Waffe Wache. Zuvor Wacheinteilung. Ich werde wieder vom Obm. zum Läufer bestimmt. Um 1700 Ablösung. Ich schreibe und lese im Schundroman. Darf dann von 2130 bis 130 Uhr schlafen. Von da an auf bis zum Wecken wach. Lese einen schönen Roman: „Der erste seines Geschlechtes“. Sehr schön geschrieben. Nehme alle zwei Stunden die Ablösung vor.

 

Montag, 13. 11. 44.

Lese und führe die Sachen durch, die ein Läufer alle zu verrichten hat. Gehe zum Essen und esse dann meine Schlagsahne. Lese im Buch „Casanova“. Tolles und schönes, voll von Sinnlichkeit strotzendes Buch. Gehe dann nach Ollerup ein Birne (Taschenlampe) kaufen. Esse Teilchen und kaufe mir einige Sachen im Papierladen ein. Unterhalten uns bis zur Ablösung, besonders darüber, daß die Kompanie geschliffen wurde, weil sie gestern beim Singen der Nationalhymne nicht stillgestanden hat. Bis um ½ 12 nachts Maskenball und morgens um 5 Uhr auf, und dann von ½ 7 bis zum Mittag ohne Pause Ausbildungsdienst. Wir waren froh, daß wir Posten hatten, denn nun sehen wir heute den am gestrigen Tage ausgefallenen Film: „Waldrausch“. Abendessen, dann Tagebuch. Bei der Ronde sofort ins Bett.

Ich habe Bakschafter und hole Kaffee. Wasche mich nachher. Leutnant Müller erzählt von der See. Geländeausbildung mit Gasmaske. Unser Zug marschiert bis nahezu an Svendburg heran, machen wir eine Pause. Auf dem Marsch zeigte sich mal wieder der Gemeinschaftsgeist im krassesten Licht. Von den drei ersten: Alfred Hoppe, Horst Falke und Gerhard Dickhäuser lohnt es sich wahrlich ein Buch zu schreiben, in dem sie Charaktergestalten verkörpern könnten, aber Minusmenschen. Rückmarsch mit Gasmaske. Musterung. Essen und nach dem Essen Stillstehen auf dem Musterungsplatz, weil beim Essen keine Ruhe war. Dann Abmarsch zum Schießen. Drei Schuß unter Gasmaske 24 Ringe. Bis alle durch sind, stehen wir rum und frieren, da ein fürcherlicher Wind und es sehr kalt war. Reinigen. Als der Zeugdienst beginnt, darf ich vom Obm. aus in der Kantine Essenmarken holen und nehme Geld von Löb mit und verspreche einigen anderen, für sie mitzubrin-

 

gen. Bekomme aber keine. Dann muß ich als Bakschafter die Verpflegung aufteilen, während die anderen nun zur Kantine gehen und Essenmarken holen; aber keiner denkt an mich. Typisch. Ich zog nun die Folgerung daraus und schloß mich ab für mich und beachtete die anderen gar nicht und so werde ich es auch halten. Ich kann solch eine Unkameradschaftlichkeit nämlich nicht mitansehen, wo im Tage so oft das Wort „Kameradschaft“ fällt. Aber typisch, die im Jungvolk Volksgemeinschaft gepredigt haben, pflegen sie überhaupt nicht. Paßt aber mit allem anderen zusammen. Stopfe, nähe und wasche mich. Ronde. –

Mittwoch, 15. 11. 44.

Gebe auf der Schreibstube die Puppe ab. Zugführerunterricht: Ausbildungsdienst mit belgischen Gewehren. Musterung, Puddingverteilung so, daß sie fast alle habgierig ihren 3. Schlag haben wollen, wo einige nur erst zweimal etwas bekommen hatten. Fahre mal dazwischen. Bekomme Post von Vater, Mausi mit

Zigaretten und Annegretel. Gruppenführerunterricht. Ausbildung beim Zugführer. Voralarm, Vollalarm. Gasmaske um und dann in den Bunker. Ltn. Müller spielt Skat mit Maat Wagner u. einem Matrosen. Als wir zurückkommen, Mantel anziehen, Zeltbahn um und dann im Eiltempo zum Bahnhof, von wo wir Brote holen müssen. Zweimal 6 Brote getragen im strömenden Regen. Essen, Waschen u. Tagebuch. Sonderzulage an Wurst und Butter. Ronde bei Hinners. Als er zu meinem Spind kommt, sagt er: „Den darf ich nicht aufschreiben, der ist mein linker Verteidiger“. Es ist also gut, wenn man im Grunde alles kann. Schreibe Brief vor an Annegretel.

Donnerstag, 16. 11. 44.

Gut geschlafen, da ich zum erstenmal zwei Decken zum Zudecken brauchte. Feldwebel Runkel erzählt uns von den Freiheitskämpfern und dann ist Wacheinteilung. Der Rest unserer Gruppe geht

 

zum Friseur, wo wir bis zum Mittag bleiben. Nach dem Essen muß die Kompanie wieder auf den Musterungsplatz antreten, weil beim Essen keine Ruhe war. Bei Hinners Ausbildungsdienst, ziemlich lässig, Rückmarsch, Reinigen. Obfw. Kommt und bestimmt noch 6 Mann zur Wache. Auch ich bin dabei. Zuvor esse ich noch mein Abendessen u. ziehe mich dann schnell an. Ich habe die 3. Wache. Um 2000 Uhr lege ich mich wieder zum Schlafen, und zwar unter das Bett. Um 2300 Aufziehen bis 100 Uhr früh. Ziemlich kalt. Bis 500 geschlafen und dann wieder für zwei Stunden hinaus. Der Güterwagen am Bahnhof, den wir zu bewachen hatten, wurde immer noch nicht abgeladen. .Auf dem Rückmarsch kaufen wir Plätzchen.

+ Lehrfilm: Die Gruppe als Spähtrupp

Freitag, 17. 11. 44.

In der Unterkunft gegessen u. dann drei Briefe (Eltern, Rudolf u. Annegretel) geschrieben). Wachablösung. Kaufen zuvor Gebäck u. lassen uns dann noch für

5 Kronen bringen. Spiele dann mit Wölfchen Englisch-Fußball. Als der Ollerup-Express kommt, wieder Ablösung. In der Wachstube lesen Bubi und ich zusammen einen Roman. Wache beendet. Zurück Gasmaske holen u. zum Gasunteroffizier. Gewehrreinigen. Mein Docht mit Bürste bleibt stecken u. ich bin in großen Nöten. Zum Revier im Trab, damit ich von Günter Stange die Zange bekomme. – Verpacke mit dem Hptgefr. meine Puppe in Sperrholz (3 Kronen das Holz), zum Dank gebe ich ihm 10 Zigaretten. Wasche mich und sehen dann den Film: „Jud Süß“. Ronde. –

Donnerstag, 18. 11. 44.

Sofort am Morgen sehen wir den Lehrfilm: „Panzernahbekämpfung“. Rein Schiff. Dabei stelle ich fest, daß ich nicht zu Erich Reusch paße, aber er sagt mir von allen anderen noch immer am meisten zu. Trotzdem spüre ich, daß wir nie echte Kameradschaft pflegen können, eine Feststellung die mir leid tut, aber

 

mal wieder ein Beweis dafür, daß zu mir nur Menschen passen mit großen Herzen und keine, die zu engstirnige Mausköpfe besitzen u. nur kommen, wenn sie Hilfe und Halt bedürfen, aber sonst nicht weiter das Wort Kameradschaft u. Freundschaft beherzigen und Rücksicht auf den Mitmenschen nehmen. – Mittagessen. Gasmaskenreinigen, Gewehrreinigen u. Zeugdienst. Dann gehe ich mit Walter Schindler in die Küche u. wir brauen uns einen Pudding. Schreibe Briefkarte an Mausi u. gehe dann Leber essen. Bringe Günter Stange Bier ins Revier. Kaufe Horst Falke die Mundharmonika ab und spiele bis zur Abendronde, die Maat Peters durchführt.

Sonntag, 19. 11. 44.

Morgens um 200 Uhr wird die Kompanie geweckt, sie muß sich vollständig anziehen u. das Sturmgepäck bereitlegen. Mit Schuhen dann wieder ins Bett bis zum Morgen. Um ½ 800 werden wir durch Akkordeonmusik geweckt. Walter spielt

eine Unmenge Lieder. Gemeinschaftsempfang für die Großkundgebung für die Befreiung der Völker Russlands. Da Vlassa nur russisch spricht, wird sie abgebrochen, hören aber dafür den Artikel von Dr. Goebbels: „Das Trojanische Pferd“. Spiele Mundharmonika u. beginne zu waschen. Essen. Ich bin Bakschafter. Bekomme meine Handschuhe aber ungefüttert. Der Nachmittag ist frei. Ich schreibe Briefe heim, spiele Mundharmonika u. lese am Abend in Schopenhauers: „Über den Tod.“ Ltn. Müller kurz und bündig Ronde. Hören noch bis um 2200 Uhr die gute Musik. Barwik erwischt mich kurz vor der Ronde, als ich unten auf Abort war.

Durch meine Ausrede werde ich frei: Als ich seine Stimme gehört hätte, hätte ich keinen Mut mehr gehabt, mich hinzusetzen.

Montag, 20. 11. 44.

Müssen beim „Rein Schiff“ im Stammcafé aufräumen. Schalten die kleine Beleuchtung ein, und wir bekommen romantische Anwandlungen. Beim Feldwebel dann Gruppenunterricht im Zuge. Vor-Exerzieren für die Besichtigung, dann führt jeder Zug vor dem Chef

 

Gewehr über, Wendungen und Zugexerzieren vor. Essen. Danach schlafe ich in der Ecke und Schlesinger schreibt mich auf. Wacheinteilung. Ich habe Streife Ort. Wach- Unterricht u. fertigmachen für Wache. Von 7-9 Wache, vorher essen. Nach der Wache lege ich mich sofort schlafen bis um 1 Uhr. Von 1-3 wieder Posten im Regen u. heftigem Wind. Ab 3 – 6 geschlafen auf der Bank. Auf Posten standen wir zum erstenmal mit Gewehr im Anschlag, da sich in letzter Zeit die Sabotageakte in Svendborg vor allem gegen militär. Stellen sich häuften.

Dienstag, 21. 11. 44.

Um 6 Uhr Marsch zur Unterkunft. Obm. H. mit unserer Gruppe ab 8 Uhr Arbeitskommando. Müssen Kartoffelholen, am Bahnhof aus dem Güterwagen abladen bis zum Mittag. Ab 1300 Uhr fängt es wieder an bis zum Abend, wo der Mond schon am Himmel stand. Geschuftet haben wir, wie Akkordarbeiter. Holzhey selbst hat zum Schluß mit-

geholfen, aber es war eine ganz große Idiotie, mit 7 Mann 10 Tonnen Kartoffeln bis zum Abend in den Keller zu schleppen. Hätten gut noch einen Tag dafür verwenden können, aber der Barras kennt ja keine Rücksicht, immer stur durch die Wand mit dem Kopf und wer nicht durchkommt bleib liegen. Wir hielten uns gestern nur durch das Schlagwort: „Gelobt sei, was hart macht“ aufrecht. Und ich bin dafür, daß man mal alles mitgemacht haben soll. Gehe dann zum Essen und bekomme noch eines von den letzten Stücken Leber mit.

Mittwoch, 22.11. 44.

Chef-Unterricht. Er liest die Proklamation des Führers vor. Gruppenführerunterricht. Unser Oberfeld fährt nach Nyborg u. ein anderer Feldwebel übernimmt den Zug. Beantworte den

 

Brief an Mausi. Ronde. Der neue Uffz. kommt durch, stellt jedem eine Frage u. gibt einige Stückchen zum besten. Er scheint was los zu haben, aber sehr viel hat er bestimmt aus Büchern. Unterhalten uns noch einige Zeit nachher darüber. Aufbügeln der Hose, weil ein Kapitän kommen soll.

Donnerstag, 23. 11. 44.

Ab 600 Uhr muß ich auf Posten ziehen bis ½ 8 Uhr am Müllkasten. Esse schnell, dann sofort Unterricht. MG 42. Danach Aufmarsch auf dem Sportplatz, denn der Kapitän z. See (Oberst), Kommandeur der dänischen Inseln, will uns besichtigen. Danach kleiner Spaziermarsch, auf dem es wieder durch das Singen einen Streit gibt mit den vorderen Rotten. Mittagessen. Brief von Vater und Hansi, der wieder in Essen ist. Sport (Barren, Pferd, Boxen) Gewehrreinigen. Der Uffz. erzählt wieder. Bekomme Postgeld. Nach dem Sport soll Molch ein Erlebnis erzählen. Nicht viel. Ich melde mich freiwillig u. erzähle von der geplanten Flucht aus der KLV Träume von Mutter und Hansi

Freitag, 24. 11. 44.

Der Oberfähnrich erklärt die Begriffe 1., 2., und 3. Reich. Gruppenführerunterricht über das MG Geländedienst: Erstürmen u. Anschleichen einer Stellung. W. Schindler und ich sind Spähtrupp. Vom Baume aus überschauen wir das ganze Gelände u. können bald die Meldung nach hinten geben. Beim Pirschen durch den Wald scheuchen wir mehrere Male einen Fasan auf. Mittagessen. Mit dem 4. Zug Wacheinteilung. Klarmachen u. Wachunterricht. Ich habe 3. Posten Nachtstreife O’heim (Verwaltungsgebäude). Um ½ 7 lege ich mich schon auf die Bank schlafen bis 9 Uhr. Gehe nicht essen. Von 9 – 11 (21 – 23) Wache. Mache zum erstenmal Meldung auf Posten an den OvD. Hat über mein Erwarten hingehauen. Ab 23 Uhr schlafe ich weiter auf der Bank, weil in den Betten Bewohner sind, die einem immer … mitnehmen. Meine Braut (Gewehr) liegt neben mir, einige suchen nämlich Gewehrstöcke.

 

Samstag, 25. 11. 44.

Um 3 Uhr muß ich meinen Schlaf wieder unterbrechen. Als ich den Kurt Berger ablöse, besonderes Vorkommniß: Erhöhte Aufmerksamkeit, da er in einiger Entfernung ein Anschlagen an einen Topf gehört hat usw. Ich setze vorsichtshalber meine Mütze auf, um besser lauschen zu können. Der Wind, Regen u. das Rascheln des Laubes täuschen mich oft u. alles ist gespannt in mir. Furchtbares Warten u. Lauern auf den Feind, von dem man nicht weiß, ob er da ist oder nicht. Um 4 Uhr morgens ungefähr ein Hundebellen, das sich anhört, als wäre es vom Menschen nachgemacht. Daraufhin entsichere ich und lege mich öfter auf die Erde, um besser hören u. alles erkennen zu können in der stockdunklen Nacht. Aber nichts passiert, trotzdem ich immer vermeine, es schleiche sich einer heran. Es war eine tolle Nacht, in der ich zwei Stunden auf einem Fleck stand und lauschte. Bin froh darum, als die Ablösung kommt. Schlafe noch eine Stunde und dann

zur Unterkunft zurück. Wasche und rasiere mich. Einteilung zum Rein Schiff. Holzhey holt mich zurück zu seiner Gruppe, um in der Kantine zu arbeiten. Bedeutend besser. Gewehrreinigen. Essen.. Gasmaskenreinigen u. dann Brausen. Ich lasse meine Seifendose liegen. Gehe zum Obm. Müller und frage, ob ich Nachzügler-Exerzieren mitmachen muß, weil ich vor dem Antreten zum Baden Fußball gespielt habe mit einem Stein. Klar Deck überall. Esse Bratwurst zu Abend. Sehr prima. Zum Revier zum Günter Stange u. dann in den Papierladen. Rauche eine Zigarette in der neuen Spitze, die ich mich mir zugelegt habe. Schreibe am Themenheft Gewehr 98. Ronde kurz und bündig von der Galerie aus durch Oflwb. Schanowsky. – Träume von der Wache, auf der ich angegriffen wurde. Al ich schieße, werde ich überrumpelt u. beim Hilferufen werde ich wach. – Um 1500 Uhr Übergabe der Abteilung an den neuen Kommandeur.

Sonntag, 26. 11. 44.

Um ½ 8 Wecken. Rein Schiff. Schreibe dann an meinem Themenheft

 

Mittagessen. Hole Wurst und Milch. Post von Vater mit der Nachricht, daß sie daheim seit 5 Wochen ohne jede Nachricht von mir sind. Aber noch öfter schreiben kann ich nicht und daß alle Post verlorengegangen sein soll, kann ich mir gar nicht vorstellen. Was wird Mutter sich wieder Sorgen machen. Ein Glück, daß Hansi daheim ist. Schreibe am Themenheft bis zur letzten Minute. Fertigmachen zur Wache, nachdem die Einteilung vorgenommen worden war. Wir haben Handwerkerschule und ich bin Läufer. Vergatterung. Zuerst lese ich in Schopenhauer’s und dann lachen wir uns fast tot über Kölsche Witze. Nachdem ich um 2100 Uhr die Ablösung vorgenommen habe, kann ich schlafen bis um 100 in der Frühe. Bringe dann erst die Post vom Obmt. zur Kompanie. Der Mond steht hoch am Himmel und die Sternlein leuchten liebevoll auf die Erde. Dann beginne ich einen langen Brief an daheim und Mausi zu schreiben, die ich erst um 5 Uhr beende. Vertiefe mich dann in den Roman „Erinnerungen“ von Casanova. Um 700 Uhr steht die Wache auf.

Montag, 27. 11. 44.

Um 735 ein Anruf „Alarmstufe 2. Bald darauf sämtliche Chefs und Zugführer zum Kapitän. Dann beginnt heftiges Leben und Treiben, als sie zurückkehren. 2 Handgranaten werden ausgegeben und 30 Schuß Munition. Es sollen im Raum Ringe Fallschirmjäger gelandet sein. Als wir um 4 Uhr die Ablösung vornehmen, erscheint auf einmal eine Wache von der 3. Komp., eine Garde alter Herren, die gerade drei Tage hier sind u. noch nicht laden können. Wir ziehen uns an u. in der Unterkunft machen wir unser Sturmgepäck fertig, empfangen 2 Handgranaten, 30 Schuß Munition und für 5 Mann Eiserne Portion, und warten auf unseren Marschbefehl. Aber nichts. Zuletzt beginnen wir mit Unterricht, essen und treten dann raus zum Ausbildungsdienst, Da wir morgen eine Kompaniegeländeübung machen sollen, sprechen wir noch einmal Karte u. Kompaß usw. im Gelände durch. Als die ersten Züge zurückkehrten, teilt uns unser Oberfeld mit, daß die

 

Übung beendet sein, nur eine Vorbeuge, um im Notfall gerüstet zu sein. Geben dann wieder alles ab und setzen den Gruppenführerunterricht fort, zwischendurch werden wir gescheucht. Gewehrreinigen u. ich mache große Reinigung mit Haarwaschen. Schreibe am Tagebuch. Ronde durch den neuen Feldwebel: Ausziehen – Schlafengehen!

Dienstag, 28. 11. 44.

Um 500 in der Früh wecken durch das Schreien des U.v.D. Alarm zur Übung. In höchster Eile anziehen und auf dem Musterungsplatz auftreten. Bis ½ 7 haben wir dann Zeit zum Waschen, Essen und Bettenbauen. Munitionsempfang 10 Schuß Platzpatronen. Abmarsch durch Felder und Wälder. Ich vermeine, daß wir einen weiten Umweg machen und in der Runde marschieren. Um 810 Uhr in Schützenkette durch einen Wald von 2,5 km Länge und 2 km Breite, den wir durchzukämmen haben. Ich bin Stellvertretender Gruppenführer und am linken Flügel, habe somit die Fühlung zu halten mit der 9i. Gruppe. Als wir an einen

Teich kommen, den die einen rechts, die anderen links umgehen, reißt die Verbindung ab, die auch bis zum Abschluß der Aktion nicht wieder aufgenommen werden kann in dem dichten Wald. Vor mir versinkt Maat Hinners im Sumpf bis zum Bauch. Er kommt allein wieder raus. Finde zum Schluß wieder Anschluß an meine Gruppe. Marschieren dann auf die Höhe 110 zu, umgehen sie auf einen Waldstreifen zu und kommen so ziemlich nahe heran. Bajonettaufpflanzen und dann sprungweise bis zum Steinwall. Heftiges Feuer schlägt uns hingegen und der Feind ist fast kaum auszumachen und wenn man ihn sieht, so ist er wieder verschwunden, wenn man ihn anvisiert hat, Ich habe aber viel beim Sturmangriff gelernt, vor allem, daß es kein Kinderspiel ist. Er erfordert Mut, Entschlossenheit und Übersicht über die ganze Lage. Auf Pfiff ist der Krieg aus u. die Schiedsrichter geben ihr Urteil ab über das Geschehene. Auf dem Rückmarsch merken wir, wie uns das alles angestrengt hat und wie müde wir sind. Mittag-

 

essen. Von 2-3 Gewehrreinigen, 3-4 Zugführerunterricht, der noch einmal zu allem Stellung nimmt. Das Licht geht aus und wir sitzen bei Kerzenlicht. Dann spricht ein Divisionspfarrer zu uns über „Ehre und Freiheit“. Wunderbar gesprochen, ganz im deutsch-germanischen Sinne. Abendessen. Tagebuch. Als wir schlafengehen wollen, kommt die Waffenkammer und wir müssen Munition aus dem Bunker zur Kammer tragen. Wie jedes Mal wird dazu die erste Stube genommen, mithin die Gruppe 8

Mittwoch, 29. 11. 44.

Kurz vor Mitternacht wird unsere Gruppe wieder geweckt und die Munition wird wieder in den Bunker getragen. Da bleibt uns die Spucke weg, aber Befehl ist Befehl. Doch mal wieder ein Zeichen für die Sturheit des Barras. Damit nicht genug, um 415 wird die ganze Kompanie rausgeschmissen, Bereitschaftsgrad 1. Großes Sturmgepäck fertig machen und bereithalten. Dann Munition empfangen und

[Abb. Zeitungsausschnitit]   29. 11.

Ueber dem Reichsgebiet beschränkte sich die feindliche Fliegertätigkeit auf einzelne Angriffe im frontnahen Raum und auf schwächere nächtliche Störflüge. In den frühen Morgenstunden des heutigen Tages führten die Briten Terrorangriffe gegen Essen, Düsseldorf und Neuß.

auf dem Flur antreten, wo der Kapitän alles überprüft. Bis um 7 Uhr zieht sich die Ungewissheit hin, ob in Wirklichkeit Alarm ist oder abermals Übung. Dann ausziehen und klarmachen zum Gruppenführerunterricht. Wir kommen nicht mehr klar. Ausbildung am MG 34, Griffe kloppen. Essen – Musterung. Ex-Dienst beim Zugführer, Abendessen. Reinigen. Höre im Radio, daß unsere Stadt wieder angegriffen worden ist.

Donnerstag, 30. 11.44.

Erwache um ½ 6 aus einem Traum auf, in dem ich mit Hansi und noch zweien beim Schwimmen bin. Nach dem Unterricht fällt der Sport für unsere Gruppe aus und wir marschieren zum Handgranatenwurfplatz, um die Hülsen zu suchen, die fehlen. Im Sturmschritt zurück. Ex-Dienst am Nachmittag mit 6 Mann, da der andere Teil auf Wache ziehen mußte. Ausgleich muß deshalb ge-

 

schaffen werden, weil wir die Vergünstigung haben, nicht auf Wache zu brauchen. Deshalb Schliff. Pause bis zum Dienstschluß, bei dem wir dem Boxen zwischen 1. und 2. Zug zuschauen können. Reinigen und dann zum Kottlettessen auf Karte. Da es sehr gemütlich ist auf Stube, rauche ich zur Abwechslung eine Zigarette. Schreibe Tagebuch. Dann geht wieder das Licht aus bis weit hinter der Ronde. Mit Zeug ins Bett. (Brief geschrieben an daheim und Mausi).

Freitag, 1. 12. 44.

Um 6 Uhr wachen 4 Mann aus einem tiefen Schlaf auf. Schöne Ruhe auf der Stube. Gruppenführerunterricht bei Maat Hinners. Geländedienst mit Gasmaske. Holzhey macht uns wieder zur wilden Sau, trotzdem nur 7 Mann unserer Gruppe da sind und die restlichen 9 Mann auf Wache sind. Er sagte wörtlich: „Wenn Ihr nun meint, einen gemütlichen Verein aufmachen zu können, so täuscht ihr Euch.

Nein, da Ihr die Vergünstigung habt, nicht auf Wache ziehen zu brauchen, so muß ein kleiner Ausgleich geschaffen werden.“ So hatten wir die Ehre, sehr oft mit der Mutter Erde in Berührung zu kommen, obwohl gar kein richtiger Grund vorhanden war für einen Schliff, da wir doch nur zu 7 Mann waren. Aber wenn der Mensch keinen Druck ausübt, so ist er nicht gesund. Erstens fand ich es schon gemein, daß er uns paar Männeken nicht zur Ruhe kommen ließ und dann hatten wir noch die Gasmasken auf. Erlöst atmeten wir auf, als der Oberfeld Pause anpfiff, in der wir die Masken abnehmen durften; aber dafür ging es nachher noch toller her. Am Nachmittag Ex-Dienst in der Halle wieder beim Gruppenführer. Unterricht bei Schnaat. Reinigen Waschen, Tagebuch. Ronde bei Holzhey: Wulff fragt er, ob er noch im Hass auf ihn sei.

 

Samstag, 2. 12. 44.

Bei „Rein Schiff“ bleibe ich it Kurt Berger auf der Stube und reinige sie. Gasmaskenreinigen, Mittagessen, Baden, Gewehrreinigen, Waschen, Rasieren und dann zum Abendessen (Bratwurst) Voll bis oben hin. Sehen den Film: „Späte Liebe“, der das Motiv einer Vernunftsehe behandelt. Danach sofort ins Bett.

Sonntag, 3. 12. 44.

Um 7 Uhr wecken, Rein Schiff und Klarmachen. Dann Morgenfeier: Deutschland, Heimatland. Klar Deck. Essen. Pfeifen und Lunten aus. Im Radio ist das von mir so gern gehörte Mittagskonzert, so daß ich beschließe, mal eine Zigarette zu rauchen, um meine sentimentale Stimmung mehr zu verkörpern, bedenke aber nicht, daß Pfeifen und Lunten aus ist gepfiffen wurde. Werde natürlich geschnappt Nehme mir vor, keine Zigaretten mehr zu rauchen. Setze

mich dann in die Ecke und schlummer ein wenig. Haben dann wieder das Thema: Religion zum Gegenstand unserer Betrachtungen. Brief an daheim geschrieben, mit der Mitteilung, daß wir in längstens 14 Tg nicht mehr in Dänemark sind, da heute unsere Kommandieren angekommen sind. Ronde.

Montag, 4. 12. 44.

Chef-Unterricht. Sport. Vortrag eines Kapitäns zur See über die Bedeutung der Seefahrt und über Japan einige Betrachtungen mit Lichtbildern. Danach Ex-Dienst. Beim Gewehrreinigen geht meine Kette entzwei und ich soll mich beim Spieß melden. Komme aber nicht dazu, weil die ganze Kompanie „Rein Schiff machen muß, da sie ohne Aufstellung zu nehmen einfach zum Abendessen ging. Ronde durch Schnaat, der mit Licht aus, Schlafengehen sagte. In der Nacht Tieffliegergefahr.

 

Dienstag, 5.. 12. 44.

Nach der Frühmusterung Gasschutzunterricht. Dann Ex-Dienst, der schon bei weitem lässiger war als sonst, doch unser Gruppenführer ließ sich nicht dazu her, wie die Anderen der Gruppe was zu erzählen, also praktisch keinen Dienst zu machen. Mittagessen. Ex-Dienst. Zum Revier, wo ich eine Spritze in den linken Arm bekam. Päckchen gepackt. Da am Mittag Kleiderbestandsmusterung, mußte ich am Abend wieder den Spind einräumen. Tagebuch. Um 915 Ronde.

Mittwoch, 6. 12. 44.

Kompanie-Singen: Lieder der Bewegung. 8 Gruppe zum Friseur. Bekomme mal wieder einen vernünftigen Haarschnitt. Holzhey macht Gasschutzunterricht, darum unsere Gruppe bei Hinners Dienst. Lässig. Mittagessen. Einteilung zur Wache. Holz-

hey nimmt mich nicht mit nach Hvidkilde. Ich lerne ihn nun so richtig kennen und zeige ihm auch meine Verachtung. Kommentar erübrigt sich. Film = Lehrfilm Gruppe im Gaskrieg. Fertigmachen zur Wache. Ich habe 2. Posten mit Safarik aus Graz. Da wir Luftbeobachtung stehen, ist es uns möglich, uns zu unterhalten, da die Möglichkeit erwischt zu werden nicht besteht. Das haben wir aber auch ausgenutzt. Die anderen sehen: „Wunschkonzert“

Donnerstag, 7. 12. 44.

Bis 7 Uhr konnten wir liegen. Dann Posten bis 1 Uhr. Lerne Gedichte. Hole mir Schlagsahne nach dem Essen. Dann Posten von 1-3. Schlafe ein wenig u. esse Schlagsahne. Die anderen Züge werden in blau eingekleidet. Ablösung. Essen: Rinderbraten.

 

Freitag, 8. 12. 44

Vorbesichtigung durch den Chef, die bis zum Mittag dauerte. Essen. Ex-Dienst beim Feldwebel und dann Gruppenweise Dienst. Das erstemal keinen Dienst bei Holzhey. Aber er ist stur und was er sagte, konnte mich nicht sonderlich imponieren. Als er etwas vom Offizier erzählte, empfand ich das direkt als Hohn. Unterricht am MG 42 beim Obm. Müller, dann Zugführerunterricht.

Samstag, 9. 12. 44.

Unterricht am MG 42, dann Rein Schiff. Gasmaskenreinigen. Essen. Zeugdienst. Gehe an Land mit dem Feldwebel und kaufe mir einen Pullover, zwei Paar Strümpfe, einen Rasierpinsel. Dann holen wir noch 6 Torten, die wir dann auf der Stube verputzen mit 15 Mann. Ich gebe jedem Raucher eine Zigarette. Um 1800 Uhr müssen

wir in der Kantine die Räume einräumen, da das U-Korps einen Kameradschaftsabend macht. Schreibe Tagebuch. Brief an Mausi und Hansi.

Sonntag, 10.12. 44.

Um ½ 8 Uhr Wecken und den ganzen Morgen über Klarmachen zur morgigen Besichtigung. Letzter Essensturn. Schreibe am Nachmittag einen Brief heim und erzähle dann mit Franz von daheim.

Montag, 11. 12. 44.

Chef-Unterricht. Klarmachen zur Besichtigung. Mittagessen. Aufstellung auf dem Ex.-Platz der K 3. der Chef ranzt Ltn. Müller zusammen. Dann kommt der Kommandeur und schreitet die Front ab und besichtigt und untersucht alles. Unser Zug muß Unterricht machen. Wir nehmen Aufstellung im Un-

 

terrichtssaal. Nach über 2 Std. kommt er zu uns. In unserer Gruppe hat es geklappt, bei den anderen Mängel. Als wir zurückkommen ist meine Brille da, nachdem sie über zehn Wochen beim Optiker gelegen hat. Ich freue mich sehr, da ich sie schon auf die Verlustliste gesetzt habe. Am Abend kommt Holzhey durch. Er sagt nur „Licht aus – Schlafengehen.“

Dienstag, 12. 12. 44.

Kompaniesingen – Chefunterricht. Danach Waffenreinigen und Zeugdienst. Am Nachmittag Einkleidung in blau. Neue Sachen. Bekommen aber keinen Seesack. Ziehen die Uniform sofort an. Der Knoten bereitet uns einige Schmerzen. Holzhey macht meinen auf seiner Stube. Wasche mich und kleide mich dann in blau an für den Kameradschaftsabend, der bis um 23 Uhr dauert. Als Essen ein Kottlett und zum Trinken 2 Flaschen Bier, die ich abgebe. Rauche eine Zigarette.

Mittwoch, 13. 12. 44.

Um 7 Uhr erst Wecken. Frühmusterung. Die Kommandierungen werden uns bekanntgegeben. Ich komme mit Franz auf Sylt zur Funkschule Rantum. Unsere Freude ist groß, daß wir nicht auseinandergerissen werden. Waffenreinigen. Essen. Musterung. Siehe 14. 12. Unterricht durch den Spieß. Empfang von Seesäcken. Rein Schiff, bei dem ich erwischt werde, weil ich nach nach getaner Arbeit mit dem Besen longierte. Stehe darum Läufer von 8-10 Uhr abends. Keine Ronde. – Angriff auf Essen.

Donnerstag, 14. 12. 44.

Fertigmachen der grauen Uniform, Umtausch. Revier. Mittagessen. Siehe 13. 12.

Freitag, 15. 12. 44.

Wecken und Fertigmachen zum Abmarsch. Oberfw.

 

verabschiedet sich von uns. Holzhey hielt es nicht für nötig. Abmarsch. In Svendborg Umsteigen in Güterwagen. 40 Mann in einen Wagen. Zuvor Organisieren von Holzkisten. Auflauf von Dänen. In Fredericia Umsteigen und Essen in der Kommandantur. Ich kann lang liegen, auf dem Stroh neben Wölfchen. Ziemlich eng. Weiterfahrt.

Plötzlich wachen wir aus dem Schlaf auf, ein Zischen und Krachen und dann steht der Zug. Vier Wagen sind umgestürzt, die Lok beschädigt. Wir waren sofort hinter der Lok und haben nichts abbekommen. Die Dänen haben uns in die Luft gesprengt, aber kein Toter. Lange bleiben wir still liegen, dann mit einem vorüberkommenden Zug bis Padborg. Von Padborg bis Flensburg und dort wieder umsteigen in den Zug nach Sylt.

Rekrutenzeit beendet

Samstag, 16. 12. 44.

In Westerland Aussteigen und Ablegen der Seesäcke. Bleiben bis zum Abend in der Bahnhofsgaststätte und fahren dann mit der Kleinbahn nach Rantum. Empfang durch den Spieß: Es gibt hier viel zu lernen, aber wenig zu lesen und zu schlafen. Empfangen Decken usw. u. kommen dann vorläufig auf eine Stube.

Sonntag, 17. 12. 44.

Wecken um 7 Uhr. Einteilung zum Rein Schiff. Muß Aufklarer spielen. Dann bis zum Mittag Rein Schiff. Nach dem Essen klar Deck. Schreibe Briefe. Unterhalten uns mal wieder von der Politik, Religion usw. Schreibe Briefe und gehe dann ins Kino: Liebesprimiere. Danach in der Koje erzähle ich von der schönen Zeit am Baldeneysee, vom Schwimmen, Paddeln usw.

 

Montag, 18. 12. 44.

Kompanieeinteilung. Ich komme auf Stube 93, Gruppe 8, Funkmaat Walter. Spindbauen.

Dienstag, 19. 12. 44.

Vortrag vom Spieß und einem Zugführer. Am Nachmittage Hörer empfangen und Wäschezeichnen. Wegen Lichtsparstunde geht um 640 Uhr das Licht aus und um 915 Uhr wieder an. Schlafe durch von 700 bis zum Morgen.

Mittwoch, 20.. 12. 44.

Zugführer-Unterricht, Wäschezeichnen den ganzen Tag über. Schreibe einige Briefe. Empfang von Uniform usw.

Donnerstag, 21.. 12. 44.

Der erste Unterricht. Wie in der Penne. Das Gebiet ist sehr reichhaltig. Mittagessen. Ich habe Flurdienst.

Am Nachmittag Fortsetzung des Unterrichts. Am Abend müssen wir alle aufstehen, weil der Flurdienst nicht angetreten war. Gefechtsmäßiger Anzug. Gewehr empfangen mit 90 Schuß Munition. Erlange holländische Flinten.

Freitag, 22. 12. 44

Unterricht, Mittagessen. Am Nachmittage Abmarschieren der Stellungen in den Dünen. Sehe zum erstenmal die Nordsee und erfreue mich an der kommenden Flut, die sich am Strande bricht. Üben des Chores, ich muß meine Verse sprechen für die Weihnachtsfeier. Habe mich nämlich als Sprecher gemeldet. Am Abend kontrolliert der Gruppenführer (148 cm) unsere Erkennungsmarkenbänder. Nicht in Ordnung, darum bis 12 Uhr nachts Seesackpacken, Spind schrubben, Zeugmusterung. Vollzähligkeitsappell, Spindbau u. –Appell usw. Schlafe herrlich aber mit einer anderen Meinung vom Grup-

 

penführer ein.

Samstag, 23. 12. 44.

Unterricht am Vormittag u. am Nachmittag Rein Schiff. Die Sänger und Sprecher mußten auf die Bühne. Somit habe ich auf der Rein Schiffverteilung gefehlt und half nachher auf der Bude mit. Um 7 Uhr in die Koje und um 9 Uhr die ganze Kompanie raus zum Kartoffelschälen bis nachts um ½ 1.

Sonntag, 24. 12. 44

Um 7 Uhr wecken, ziehen erst grau an. Dann Sonntagsanzug. Nach dem Mittagessen Weihnachtsfeier, die mich schwer enttäuscht hat. Ich wirke als Sprecher mit. Zum Schluß wird das Lied gesungen: „Heilig Vaterland in Gefahren.“ Bescherung. 6 Päckchen Bahlsen Keks, eine Tüte Bonbon und ein Buch „mein Freund Marseille“. Zum Punschtrinken kommt der Fkmt. auf unsere Stube. Berliner Ballen (Ölkrabbeln). Für Weihnachten blöde Gespräche.

Montag, 25. 12. 44.

Weihnachten! Um 8 Uhr wecken, kurz „Rein Schiff“ und dann Klar Deck. Ich beginne mit Briefschreiben. Essen und Fertigmachen zur Urlaubermusterung. Ich gehe wieder zurück, erfahre dann, daß die Aufklarer sofort eine Urlauberkarte bekommen haben und nicht erst kontrolliert wurden. Bin ungehalten darüber und beginne den Maat nicht mehr zu achten, da er dadurch den Gemeinschaftsgeist zersplittert. Schreibe an meinen Briefen weiter u. um 2100 Uhr in die Koje. Der erste Tag vorbei und was hat er mir gebracht? Nichts und von Weihnachtsstimmung kann gar keine Rede sein. Von daheim u. von Mausi Post empfangen, ferner von Ana und von Hansi.

Dienstag, 26. 12. 44.

Weihnachten! Um 7 Uhr Wecken und Rein Schiff. Schreibe dann an meinen Briefen weiter bis zum Mittag. .Klarmachen zum Gottesdienst. Von unserer Stube gehen 4 Mann, von den anderen

 

sagt keiner etwas. Ich gehe beichten und kommunizieren. Der Pfarrer findet eine treffende Predigt: Mein Sohn, Du brauchst mich“, und er spricht mir wirklich aus dem Herzen. Ich bin seelisch ausgeglichen und verspüre einen tiefen, innerlichen Frieden! Weihnachten. Wie ganz anders empfinde ich nun das Fest als nach der Julfeier. Weihnachten ist und bleibt doch ein christliches Fest und keine Sonnenwende. Wasche noch meine schmutzige Wäsche. Plötzlich ein Knall auf dem Flur. Kompanie antreten, doch der Täter meldet sich nicht und ist auch nicht herauszubekommen. Nach langem Warten können wir wieder auf die Stuben gehen. Abschluß des Festes sehr trübe. Als Frank mich abholen will, liege ich schon im Bett. – Am Abend plötzlich Alarm zur Übung. Grau und feldmarschmäßig antreten. Schützenreihe und Kette bis in die Dünen hinein und Rückmarsch und das auf Weihnachten.

Mittwoch, 27. 12. 44.

Wieder um ½ 6 Wecken. Am Morgen Unterricht, u. a. Schlüssel m. Ich passe nicht auf u. muß eine Ronde laufen. Mittagessen. Am Nachmittage

Versuche am Gerät. Unterricht abbrechen, da wir Gruppe vom Dienst, Schlauchwagen und Schläuche zur 2. Komp. bringen. Ab 6 Uhr bin ich Läufer. Um ½ 8 ins Kino: „Der zweite Schuß“, ein Film, der von Ehre handelt. Nach meinem Geschmack. Sofort in die Koje danach.

Donnerstag, 28. 12. 44.

Von 2 – 4 Uhr morgens Läufer. Geschlafen bis ½ 6 Uhr. Unterricht. Wacheinteilung. Wir sind Bereitschaftszug und müssen mithin mit Zeug schlafen. Am Nachmittage wird der Unterricht abgebrochen und verschiedene müssen wieder mit dem Schlafwagen los. Die Anderen kauen Berechnung von Widerständen durch.

Freitag, 29. 12. 44.

Unterricht, Essen und wieder Unterricht, nichts besonderes. Flurdienst, Abort

Samstag, 30. 12. 44.

Der Waschraum ist wieder in-

 

takt. Stubendienst. In der Schule schreiben noch eine Arbeit von 4 Std. über alles, was wir hatten. Post von daheim von Weihnachten, mit der Nachricht, daß mein Paket von Flensburg nach 11 Wochen angekommen ist. Schreibe sofort Antwort mit tröstenden Worten für Mutter. Zigarettenmarke u. Päckchenmarke hinein getan.

Sonntag, 31. 12. 44.

Um 7 Uhr wecken. Rein Schiff. Nach dem Essen wandere ich mit Krick und Elverfeld am Strand entlang und bewundern die Erhabenheit des Meeres. In Westerland gehen wir zur Kirche und marschieren dann wieder heim. Schreibe noch Briefe und gehe dann mit Zeug in die Koje. Um 5 Min. vor 12 wieder auf, denn Adolf spricht zum neuen Jahr. Esse meinen dritten Krabbel u. die Koje.

Montag, 1. 1. 45.

Um 8 Uhr wecken, kurz

Rein Schiff und dann Klar Deck. Am Nachmittage wieder zum Dom. Elverfeld besucht noch eine bekannte Familie in Westerland, während Karl-Heinz u. ich warten. Rückmarsch auf der Landstraße zurück. Ziemlich müde, aber es doch schön. Schleiche mich noch ins Kino, sehe: Die goldene Spinne. Danach sofort in die Koje.

Dienstag, 2. 1. 45.

Den ganzen Morgen Zeugdienst und Klarmachen zur Antrittsbesichtigung. Essen. Nach der Musterung Ex-Dienst. Lässig. So einen wünsch ich mir immer. Danach Blau anziehen. Abmarsch zum Flugfeld. Der Kommandeur schreitet die Front ab und spricht nachher noch zu uns. Rückmarsch. Abendessen.

Mittwoch, 3. 1. 45.

Um 5 Uhr aufstehen, Rein Schiff Am Morgen und am Nachmittag Unterricht. Sonst nichts Besonderes. Briefe von daheim u. Hansi.

 

Donnerstag, 4. 1. 45.

Unterricht. Am Mittag muß ich umziehen auf die kleinere 6 Mann Stube. Die anderen wollen mich nicht fortlassen. Ich freue mich, daß ich von der großen Stube fortkomme. Am Nachmittag Musterung u. Unterricht. Abends Abend hören ohne unseren Funkmaat Komme nicht ganz mit. Zum erstenmal Antreten zur Abendronde, weil alle Stuben wegen Unsauberkeit auffielen. Der Kompaniechef verlas bei der Musterung seine Gegenmaßnahmen, z. B. kein Ausgang, Kino usw.

Freitag, 5. 1. 45.

Unterricht. Bei der Musterung stellt der Spieß unsere Stube als vorbildliche Stube hin. Unterricht. Am Abend auf der Nebenstube großer Rabbatz u. Durchsuchung, weil unter ihnen ein Dieb ist und fortlaufend Sachen verschwinden. Unsere Stube muß Rein Schiff machen und ausschmücken.

Samstag, 6. 1. 45.

Unterricht. In einer Stunde schreibe ich einen Brief an Hansi und werde erwischt. Muß mich beim Zugführer melden bei der Musterung. Als Strafe muß ich Läufer stehen. Den Nachmittag bis 5 Uhr Ex-Dienst beim Kleinen (Funkmaat). Ich beantworte den Brief von Hansi u. Mausi. Letzterer hat mich ganz besonders erfreut denn darin geht sie zum ersten Mal aus ihrer Haut heraus und teilt mir mit, daß sie bei uns daheim war. Ich bin dadurch ja nur glücklich überrascht.

Sonntag, 7. 1. 45.

Um 7 Uhr Wecken. Rein Schiff. Ich wasche meine Strümpfe usw. Rein blau an, weil wir Wachkompanie sind. Mittagessen. Schreibe Briefe, schicke alte Briefe heim, ferner 2 Puddingpulver u. mache Päckchen fertig für Vater und Briefpapier für Mausi. Schreibe Tagebuch.

 

Montag, 8. 1. 45.

Unterricht – Mittagessen – Unterricht nichts besonderes.

Dienstag, 9. 1. 45.

Zuerst spricht der Chef zu uns und dann Gasschutzunterricht bei dem aber alles einfierte bis auf den letzten Mann. Zeugdienst, Mittagessen, danach Spindkontrolle nach Munition. Wüstes Durcheinander. Am Nachmittage spricht ein Offizier über das „Gesetz des Lebens“. Zum Abend sieht unsere Kompanie den Film: Bismarck. Keine Ronde.

Mittwoch, 10. 1. 45.

Unterricht. Zur Musterung Wacheinteilung. Ich komme auf Stützpunkt Frida. Nach der Vergatterung Abmarsch. Es ist sehr kalt draußen und der Bunker bietet keine Schlafgelegenheit. Bin froh, als wir am Morgen wieder zurückmarschieren. Kontrolle kam unbemerkt bis in den Bunker.

Donnerstag, 11. 1. 45.

Nur mit 10 Mann auf der Schulbank. Üben Schlüsseln und RHV. Essen. Am Nachmittage dasselbe. Da am nächsten Morgen Res-Hören ist, haben wir noch Abend hören! Danach sofort in die Koje. Zugführer macht Stichproben in FT bei uns.

Freitag, 12. 1. 45.

Müssen Raum wechseln, da einer Kurzschluß gemacht. Machen trotzdem Res-Hören. Alles haut daneben. Essen. Unterricht. Lerne etwas in der Koje.

Samstag, 13. 1. 45.

Am Morgen Unterricht. Essen. Dann Panzerfaust und Panzerschreck-Vorführung in den Dünen. Tadellos. Hasenjagd. Zeugdienst. Schreibe Brief und lese. Gehe früh in die Koje, denn Antreten zur Abendronde ist wieder aufgehoben. Bekomme Nachricht, daß Reinhold dem Terror zum Opfer fiel.

 

Sonntag, 14. 1. 45.

Um 8 Uhr Wecken. Rein Schiff. Mittagessen. Fliegeralarm (Vollalarm 3 Min.) Fußball gespielt. Platz schlecht, es hat mich trotzdem erfreut. Gewaschen von Kopf bis zum Fuß. Briefe geschrieben - Tagebuch.

Montag, 15. 1. 45.

Der übliche Dienst, Abendhören.

Dienstag, 16. 1. 45.

Zeugdienst, Vortrag, Unterricht. Bei der Musterung melde ich mich als Hilfskrankenträger. Gesundheitsmusterung. Abends ins Kino. Film die Wiener Sängerknaben, Konzert in Tirol. Einfach herrlich.

Mittwoch, 17. 1. 45.

Üblicher Dienst. Abends den Film Die Feuerzangenbowle. Habe meine Schuhe bekommen. Bekomme Nachricht, daß Vater bei Hansi war u. daß er sich zur SS melden will. Schreibe sofort einen Brief.

Donnerstag, 18. 1. 45.

Am Morgen Unterricht, während 50 Mann zur Kombüse müssen und bis zum Mittag Reiben schälen. Unterricht am Nachmittag Spritzgebäckpäckchen.

Freitag, 19. 1. 45.

Am Morgen Race-Hören Tempo 30 Ich erfülle mein Tempo (1 : 2) Am Nachmittag der übliche Dienst. Sturm über Rantrum. Die Pfannen fallen.

Samstag, 20. 1. 45.

Unterricht. Nach dem Mittag, zum Revier Hilfskrankenträgerkurs von 2 – 4 Uhr. Ich frische meine Kenntnisse über den menschlichen Körper auf. Danach schreibe ich Briefe, während die anderen Arbeiten, da wir Gruppe vom Dienst sind. Bekomme Schuhe.

Sonntag, 21. 1. 45.

Rein Schiff und danach waschen. Da wir Wachkompanie sind, können wir erst ab 1600 Uhr ausgehen und ich kann somit nicht in den Dom gehen. Schreibe lange und viele

 

Briefe bis zum Abend. Unterhalten uns noch herrlich am Abend, ja noch im Bett, bis drei Mann von Ausgang zurück sind. Stürmisch.

Montag, 22. 1. 45.

Viel Post u. a. auch die Nachricht von Mausi, daß sie einen Stellungsbefehl zu den Wehrmachtshelferinnen bekommen, aber reklamiert hat. Frage offen. Warte gespannt auf den nächsten Brief. Sonst nichts besonderes.

Dienstag, 23. 1. 45.

Es spricht zu uns der Schuloffizier mit Lichtbildvorführung über: „Ewiges deutsches Soldatentum.“ Der Vortrag dauert bis zum Mittag. Essen. Am Nachmittag spricht der Chef, dann Zeugdienst und Abend hören. Der Russe beginnt seine Offensive.

Mittwoch, 24. 1. 45.

Als wir vom Unterricht kommen, wird schon davon gesprochen, daß alle östlich der Oder fortkommen

zum Osten. Nach der Musterung kommen die Freiwilligen rechts raus und die beim letzten Race am schlechtesten gehört haben, von jeder Gruppe 5 Mann. Karl-Heinz Krick kommt auch dazu. Franz und ich nicht: - In der Nacht heftig geschneit, hoher Schnee. – Unterricht.

Donnerstag, 25. 1. 45.

Die Abgestellten machen noch Unterricht mit. Viel Hören. Essen. Bekomme einen Brief von Mausi mit 100 gr Fleischmarken. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Unterricht u. am Abend müssen 90 Mann zur Kombüse von denen zum Schluß nur noch 30 überbleiben. Ich konnte dadurch meinen angefangenen Brief nicht beenden.

Freitag, 26. 1. 45.

Unterricht beim Kleinen ist prima und macht Spaß. Sind auch nur noch mit 13 Mann. Mittagessen und dann wieder der flotte Unterricht. Abendhören fällt aus und ich gehe ins Kino: „Kameraden“, das Schicksal der zwölf Schillischen Offiziere.

 

Samstag, 27. 1. 45.

Mit gemischten Gefühlen zum Unterricht, da das gestern ausgefallene Race-Hören heute ist. Tempo 40. Ich erfülle (0:2) Essen. Hannes Lau u. ich zum Revier. Dann kalt gebraust und gereinigt. Schreibe, lese u. besuche auch mal den Franz. Lese noch in der Koje. Von daheim Post, mit der Nachricht, daß sie von Hansi schon seitdem Vater bei Hansi war keine Nachricht mehr haben. Sie sind in Sorge. Auch ich bin der Annahme, daß er schon an der Front ist, da auch ich lange keine Post mehr von ihm habe.

Sonntag, 28. 1. 45.

Erst um 800 Uhr Aufstehen. Kommen vom Wirtschaftsgebäude zurück, da wir kein Rein Schiff zu machen brauchen. .Lege mich in die Koje und lese. Anzug blau Mittag. Karl-Heinz bittet mich, mit nach Westerland zu gehen. Da hier scharfer Wind geht und hoher Schnee liegt, bin ich erst nicht dazu geneigt. Beim Flurdienst muß ich mich auf Befehl des U. v. D. fertig machen und nach Rantum Hörmann einen Befehl bringen. Aus diesem Wege heraus sofort durch

bis Westerland. Eine Stunde gelaufen. Um ½ 4 sind wir da. Ist noch Predigt, von der wir einen Teil noch mitbekommen. Gehe zum Tisch des Herrn, Trotz Verspätung und vorherigem Essen, da ich darin kein Hindernis sah, mein Verlangen zu stillen. Gegessen in Westerland und dann zurück. Tiefsinniges Gespräch, besonders, da Karl-Heinz nun fortkommt zur Infanterie. Esse u. lese noch bis zum Abend.

Montag, 29. 1. 45.

Der Dienst beginnt wieder in alter Weise. Am Mittag Post von Mausi u. Hansi. Mausi noch kein Bescheid. Hansi’s Bataillon kam zur Westfront, und da er im Revier nicht dabei. Ich selbst sehe es an als eine Fügung Gottes. Vertrauen wir ihm weiter. Am Abend Kompaniehören. Erster Unterricht beim neuen Gruppenführer.

Dienstag, 30. 1. 45.

Zeugdienst. Anzug blau und Abmarsch zur Vereidigung. Schöner und ergreifender als unsere Vereidigung, da sich unser Vaterland z. Z. in einer der schicksalhaftesten Stunden der Geschichte befindet. Kapelle ist auch

 

da. Mittagessen. Dann muß die Kompanie Kartoffelschälen bis zum Abend. Die Infanteristen rücken ab um 1500 Uhr. Am Abend sofort in die Koje. Stehe nicht mehr auf als der Führer zu uns spricht aus Anlaß des 30. Januar, da ich mich nicht wohl befinde. Mich bezeichnen sie als Sonderling, weil ich nicht ihre Meinungen teile und nicht ihre dreckigen Reden und ihr Getue gut heiße. Meine Antwort: Ich bin stolz darauf, in dieser Beziehung ein Sonderling zu sein.

Mittwoch, 31. 1. 45.

Da unser Gruppenführer krank, haben wir wieder bei Apropo Piccolo Unterricht. Am Mittag Schuheverteilung und dann Hören. Abendessen. Danach Einteilung auf neue Stuben. Ich komme auf Stube 72 mit den alten Kameraden zusammen. Bin nun wieder mit 10 Mann auf der Stube. – Von Mutter einen Brief, der mir große Freude brachte.

Donnerstag, 1. 2. 45.

Wieder Unterricht bei Fkmt.Löscher.

Zum Mittag drei Briefe von daheim, Hansi und Mausi. Abendhören. Ich melde die Stube ab, da die anderen Kartoffelschälen müssen, weil der Flurdienst am Mittag gebummelt hat. Nicht gut geschlafen, unten ungewohnt.

Freitag, 2. 2. 45.

Bleibe auf Stube und reinige, da ich nun als Stubenältester auf Stube bleiben muß. Rees-Hören Tempo 40 (8 : 8) Fkmt Löscher krank, haben nun Lehmann den ganzen Tag über. Gehe nicht zum Abendhören, schreibe drei Briefe. Lambertus verabschiedet sich von uns. Zum Kino, komme aber nicht rein. In die Koje, da das Licht ausgeschaltet wird von 20 – 2130 an geraden und 18-1930 an ungeraden Tagen.

Samstag, 3. 2. 45.

4 St. Unterricht bei Fkmt. Lehmann. Essen. Wacheinteilung. Gehöre nun mit zu den Trupp und Wachen u. zwar I-Trupp, brauche darum nicht auf Wache. Zwei Stunden Unterricht im Revier und dann zum Geschäft Weißbrot gekauft.

 

Wasche meine Strümpfe usw. Das Licht geht aus, und beim Kerzenlicht lese ich der Stube den Brief vor. Der Bruder schreibt dem Bruder, weil die Masse der Stube die Ansicht vertrat, jeder Junge müsse einmal mit einem Mädchen in Geschlechtsverkehr gestanden haben, um zu wissen wie das geht und ist. Ich war als einzigster in der Opposition, und was ich auch vorbrachte, und war es noch so in schöne Worte gekleidet, ich wurde bald verlacht. Da nahm ich Zuflucht zum geschriebenen Worte von Goethe, Storm, Claudius usw. und griff dann zum Brief. Da verstummte auf einmal alles und, mit Widerstreben, dann aber ihre Fehler einsehend, gaben sie mir recht und teilten meine Meinung. Einer, der vorher einer meiner stärksten Gegner war, bat mich zum Schluß, den Brief abschreiben zu dürfen. – Ich bin stolz auf meinen Sieg.

Sonntag, 4. 2. 45.

Um 7 Uhr Aufstehen. Alleine Stubendienst auf der Stube, Essen. Mittagschläfchen bis ½ 3 Uhr. Schreibe

dann Briefe bis zum Abend. Singen noch allerlei Lieder in der Koje.

Montag, 5. 2. 45

Eine Stunde Hören und Geben und sehen dann im Kinosaal Lichtbilder vom Führer mit Vortrag. Essen. Post. Unterricht. Abendessen. Kinofilm: „Frau Luna“. Habe mich bald tot gelacht. Von Gerd Antwort.

Dienstag, 6. 2. 45

Erst Zeugdienst, dann Abmarsch zum Schießstand. Unsere Gruppe macht Geländedienst auf die lasche Tour. Mittag. Stehe Läufer bis nach der Musterung. Geländedienst. Als wir Pause machen, verkrümelt sich unsere Gruppe in eine Mulde und singt Lieder, während die anderen Dienst machen. Als man auf uns aufmerksam wird, müssen wir Sprung auf machen u. ranarbeiten. Hannes Lau verliert sein Seitengewehr. Ich suche mit ihm. Marschieren hinter der Kompanie her. Schreibe Brief an Mausi als Läufer von 18 – 20 Uhr. Um ½ 23 Uhr alles aufstehen und Gewehrreinigen bei Fkmt Klooß.

 

Mittwoch, 7. 2. 45.

Zeugdienst. Da wir Gruppe vom Dienst sind, müssen wir die Seehalle ausschmücken, wie die 6. Kompanie abkommandiert wird zur Infanterie. Brief an Mausi. Essen und wieder abprotzen der Seehalle. Unterricht. Alarmprobe. Die zwote läuft. Leise weinend wieder zurück. Am Abend zum Hören, während die anderen Kartoffelschälen. Ins Kino: „Zirkus Renz“.

Donnerstag, 8. 2. 45.

Hören und FT. Essen: Steckrüben und Pudding. Schlüsseln und wieder Hören. Dann noch zwei Stunden, womit wir an einem Tage 6 Hörstunden hatten.

Freitag, 9. 2. 45.

Rees – Hören, Tempo 50 (0:3) Unterricht, Essen und wieder Unterricht.. Abendhören

Samstag, 10. 2. 45.

Unterricht am Morgen. Essen

Klarmachen zur Wache. Vergatterung. Ich stehe von 6 – 8 und 12 – 2 Fkmt Löscher hat sein Radiogerät mit und da ich Haupttor habe, so kann ich während der Wache Musik hören. Einfach herrlich. Mir kommen heimatliche Gedanken. Verlebe im Geiste schon meinen Urlaub. Somit sind die zwei Stunden schnell herum. Trage mich mit dem Gedanken, der Evi ….. in Unterricht zu schreiben, weil sie schweigt. Schwerer Kampf zwischen Stolz und Gefühl.

Sonntag, 11. 2. 45.

Von 2 - 6 Uhr schlafen können, dann bis 8 auf Wache. Schreibe Briefe bis um 11 Uhr und esse dann dicke Schläge zu Mittag. Volkskonzert lassen mich nur an Mutter denken, so wie ich an dem Tage sehr sentimental war. Ablösung um 1600 Uhr. Kino: „Tanz mit dem Kaiser“. Es hat mich begeistert. Gegessen. Koje Aufsatz „Ich und die Sturheit.“

Montag, 12. 2. 45

Unser Fkmt kommt in Brass über unsere Sturheit. Essen. 2 Std. Schlüsseln, dann Halbzeitarbeit der

 

Kompanie in FT. Unterricht und Essen. Abendhören Koje. Spieß liest vor, daß Briefe in Morseschrift verboten sind.

Dienstag, 13. 2. 45.

Schon früh Abmarschieren Schießplatz. Da es in Strömen regnet, wird es abgebrochen. Danach sofort Kompanie-Arbeit in UO. Mittagessen Unterricht bei Stbom. Lohmann im Kinosaal. Hörverein, ich lege mich in die Koje und filz. Vater Versuch zum Beamten gescheitert.

Mittwoch, 14. 2. 45.

Rein Schiff im Wirtschaftsgebäue. Unterricht. Löscher hält uns eine Predigt. Disput zwischen Becker und mir. Läufer. Unterricht. Von 18 – 20 Uhr Läufer, schreibe ich Briefe. In der Nacht weitere vier Briefe. Schlafe noch von 4 – ½ 6 Uhr.

Donnerstag, 15. 2. 45.

Auf der Stube Groß-Rein-Schiff, da der Admiral kommt. Während des Unterrichts soll er uns auch besuchen. Bleibt aber aus, Mittagessen. 2 Std. Unterricht in UO. Aufmarsch der Kompanien

vor der Seehalle. Admiral spricht zu uns. Nach seinen Worten bleiben wir wohl bei der Marine. Konzert im Kinosaal (Musik aus Opern und Operetten). Einfach herrlich. Muß unwillkürlich an die Vergangenheit denken, an die schöne Zeit meiner Besuche im Opernhaus. Und wie wird die Zukunft ausschauen?

Freitag, 16. 2. 45.

Unterricht bis zum Mittag. Essen. Wieder nur zwei Stunden am Nachmittage, dann frei. Beginne die Tauchkunst zu erlernen. Schreibe FT – Buch. Pastor schickte mir das Johannes-Evangelium zu. Von Hansi zwei Briefe. Er ist versetzt worden. Seine Freude ist groß darüber.

Samstag, 17. .2. 45.

Vier Stunden Unterricht und dann Essen. Bekomme 500 gr Weißbrot. Kursus im Revier, kurze Prüfung. Kaufladen. Weißbrot und 200 gr Leberwurst. Es hat mir herrlich geschmeckt, Gebraust.

 

Sonntag, 18. 2. 45.

Groß – Rein – Schiff. Ich scheuer mit kalten Händen Tisch u. Schemel. Wasche meine Wäsche. Mittagessen. Beginne Brief nach Hause. Mittagschlaf bis um ¼ vor 3 Uhr. Brief. Film: „Leichte Muse“. In mir reift der Entschluß Evi ein Lied zu schreiben. Beende Brief an zu Hause, Mausi und Evi. Lese im Johannes u. schlafe.

Montag, 19. 2. 45.

Unterricht. Bekomme ein Paket von daheim und von Mausi. Rasierapparat ist da. Von Mausi Zuckerzwieback, Milch, drei Würstchen u. Zigaretten. Ich komme mir armselig vor und muß immer an Evi denken. Unterricht, Abendhören. Höre ein schnelleres Tempo.

Dienstag, 20. 2. 45.

Im Kinosaal Vorführung: Ewiges Deutschland (Landschaftsbilder) Essen. Ex-Dienst im strömenden Regen. Hat Spaß gemacht. Takelzeug anziehen u. Zeugdienst. Unsere Stube vor Dienstausscheiden. Brief geschrieben usw.

Müssen drei Tage vor’, Spind antreten. Abendhören Tempo 40. Ronde von Renkewitz. Er sucht u. findet bei jedem etwas.#

Mittwoch, 21. 2. 45.

Zugführer-Unterricht mit Gasmaske. FT 2 Std. Essen. Unterricht. Ronde bei Kloß.

Donnerstag, 20. 2. 45.

Unterricht. Gruppe vom Dienst. Unterricht. Schreibe mein FT ein. Zum Briefschreiben komme ich überhaupt nicht mehr. Meine Briefschulden häufen sich. Ronde bei Regler. Unter den Spinden gefegt. Lese in der Koje.

Freitag, 23. 2. 45.

Unterricht. .Essen. Bin im Brass auf Löscher. Unterricht. Abendessen. .Zugriff auf Essen. Unterricht.