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Lagerbücher

Die Jahre zwischen 1933 und 1945 waren eine Zeit der sich stetig ausdehnenden Lagererziehung. Ob aus ideologischen (und weniger arbeitsmarktpolitischen) Gründen massenhaft eingerichtete Lager für Aufenthalte im Landjahr oder im Reichsarbeitsdienst – um hier nur die wichtigsten zu nennen – oder die ungezählten Lager der „Erweiterten Kinderlandverschickung“, die kriegsbedingt seit Ende 1940 in schneller Folge in angeblich „bombensicheren“ Gebieten eingerichtet wurden: sämtliche, in aller Regel monate- und nicht selten jahrelangen Aufenthalte in diesen Lagern bedeuteten für die dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben. Zumeist erstmals von der Familie getrennt sahen sie sich in den Lagern in aller Regel einer oft sehr massiven ideologischen Beeinflussung ausgesetzt.

Nur sehr wenigen gelang es, hierüber im herkömmlichen Sinne – also aus eigenem Antrieb und ohne jegliche äußere Kontrolle nur für sich selbst – Tagebuch zu führen. Solche Dokumente wurden in den meisten Lagern vielmehr in Gruppenarbeit angefertigt und entsprechend als Instrumente zu einer wirkungsvollen Indoktrination genutzt. Andererseits gab es offenbar – im Einzelnen zu untersuchende und nachzuweisende – Spielräume bei der Erstellung solcher Lagerchroniken, so dass ihnen durchaus zu Recht der Status von Selbstzeugnissen zukommt.

Allerdings darf bei der Analyse solcher Quellen nie der konkrete Entstehungszusammenhang aus den Augen verloren werden. Gerade bei diesen „Lagerbüchern“ gilt es immer wieder kritisch zu überprüfen, inwieweit in ihnen Ideologie transportiert wurde, ob und auf welche Art und Weise sie in Aufbau und Inhalt offiziellen Vorgaben folgten, ohne dass das den Heranwachsenden unbedingt bewusst gewesen sein muss. Insbesondere bei diesem Quellenmaterial dürfte die vergleichende Hinzuziehung der – hier unter „Presseerzeugnisse“ einsehbaren - einschlägigen Zeitschriften sehr gewinnbringend ausfallen.