Reichstagung des CVJM aufgelöst
Das evangelische Jugendwerk plant, vom 4. bis 6. Juni 1938 in Siegen seine diesjährige Reichstagung durchzuführen. Zu dem Treffen reisen etwa 4000 Jugendliche an, darunter auch Teilnehmer aus Schweden, Dänemark, Holland und Italien. Bereits am ersten Tag wird das Treffen jedoch auf Veranlassung des SD-Unterabschnitts Arnsberg von der Staatspolizeistelle Dortmund aufgelöst, obgleich sich die örtliche Parteileitung zunächst dagegen wendet. Als Grund für die Auflösung wird angeführt, dass sich unter den Teilnehmern ein großer Prozentsatz an Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren befindet, so dass die Tagung als "unangemeldete Freizeit im Sinne des Erlasses des RFSS vom 4.8.1937" anzusehen ist. Zudem sei der weitaus größte Teil dieser Jugendlichen nicht im Besitz von HJ-Urlaubsscheinen.
Gestattet wird nur ein gemeinsamer Gottesdienst, auf dem die Verbotsbegründung verlesen werden muss. Zudem wird dem Leiter des evangelischen Jugendwerkes, Dr. Stange, erlaubt, am Pfingstdienstag eine Tagung für die Leiter des evangelischen Jugendwerks im Hotel Kaiserhof in Siegen abzuhalten. Stange verlegt die Tagung jedoch statt dessen nach Kassel und führt als Begründung an, dort sei man in eigenen Räumen und vor der "Bespitzelung der Staatspolizei" sicher.
Vermutlich über einen V-Mann erhält der SD des Oberabschnittes West dann dennoch Einblicke in die geplante Gestaltung der zukünftigen Arbeit des evangelischen Jugendwerkes. So solle fortan streng darauf geachtet werden, dass die Anforderung von Urlaubsscheinen nie wieder Grund für eine Auflösung sein könnte. Das Verbot der Siegener Tagung habe gezeigt, dass der Staat beabsichtige, "den ganzen Verband zu zerschlagen". Sollte es noch einmal zu einem solchen Verbot kommen, werde man der Öffentlichkeit diese Absicht klar machen.