Der Sicherheitsdienst der SS berichtet
„Auswirkung und Aufnahme der „ Woche der schaffenden Jugend“
Die in Zusammenarbeit von HJ und DAF zweiten Hälfte im Jahre 1943 veranstaltete „Woche der schaffenden Jugend“ stand unter dem Leitspruch:
„Disziplin und Leistung“
Infolge anderer Aktionen (z. B. Propaganda-Aktionen der Partei) konnte sie zeitlich nicht reichseinheitlich durchgeführt werden. Sie hat trotzdem im Ganzen gesehen zu einem guten Erfolg geführt. Verschiedentlich hat sie sich als Wegbereiter für den z.Zt. angelaufenen „Kriegsreichsberufswettkampf“ ausgewirkt, da viele Jugendliche durch sie den Antrieb zur Teilnahme bekommen haben.
«In einigen Ortswaltungen der DAF haben sich aufgrund der „Woche der schaffenden Jugend“ 90 % aller erfassten Jugendlichen zum KRBWK gemeldet« (Königsberg u. a.).
Besonders eindrucksvoll und nachhaltig wirkten die Leistungsschauen, die durchweg sowohl bei der schaffenden, als auch bei der sich auf den Beruf vorbereitenden Jugend und der übrigen Bevölkerung großen Anklang gefunden haben.
I. Die Jugendappelle, die in den meisten Fällen den Auftakt zur „Woche der schaffenden Jugend“ bildeten, waren in den einzelnen Gebieten durchweg gut besucht. Die schaffende Jugend nahm gewöhnlich geschlossen an den Veranstaltungen teil.
«Insgesamt wurden 250 Appelle durchgeführt, davon über 100 größere Kundgebungen, mit je über 120 bis 400 Teilnehmer.» (Dortmund)
«In Guben waren zu dem überörtlichen Jugendappell sämtliche Jugendliche (600 bis 700) erschienen, so dass der Saal nicht ausreichte.» (Frankfurt/O.)
«Die Beteiligung an den Jugendappellen war ausnahmslos sehr gut und einheitlich.» (Stuttgart)
«Mit einem Großappell von rund 4.300 Jungen und Mädeln wurde die „Woche der schaffenden Jugend“ abgeschlossen.» (Posen)
«Insgesamt kamen 510 Jugendappelle mit zusammen 74.774 Jugendlichen zur Durchführung.» (Dresden)
Darbietungen der Spieleinheiten der HJ umrahmten die Appelle und trugen so zum guten Gelingen bei.
«136 Spieleinheiten und Singscharen der HJ trugen zur würdigen Ausgestaltung der Kundgebung bei.» (Dresden)
«Der Einsatz der Bannspielschar Rumburg zeigte besonders gute Auswirkungen. Auch das Bann-Orchester Leipzig erfreute allgemein durch tadellose Leistungen.» (Reichsberg)
Appelle, zu denen gute und erfahrene Redner verpflichtet waren, die es verstanden, ihre Zuhörer mitzureißen, waren von besonderem Erfolg gekrönt. Ungünstige Eindrücke entstanden dagegen dort, wo die Redner ihrer Aufgabe nicht gewachsen waren, d. h. die Teilnehmer nicht persönlich ansprachen und nicht das Wesentliche berücksichtigen.
«In Frankfurt/O. sprach z. B. Generalarbeitsführer von Bothmer, dessen Rede die Jugendlichen sehr angesprochen hat, und in Schwarzheide Dr. Ebersbach, Berlin. Beide Redner gewannen die Jugendlichen restlos für sich.» (Frankfurt/O.)
«Besonders während und nach der Veranstaltung mit der Reichsreferentin Dr. Jutta Rüdiger war ein aufmerksames Mitgehen der Teilnehmer, festzustellen.» (Dortmund)
«Die Ausführungen des Redners waren ausgezeichnet - viele Stimmen Jugendlicher und Erwachsener.» (Dortmund)
«,Ein solcher Redner und Soldat, der über die nötige Pädagogik verfügt, erreicht mit wenigen, aus dem Herzen kommenden Worten viel‘ - Äußerungen Uber die Rede des Majors Fromm.» (Reichensberg)
«Inhaltlich schlechte Reden oder ein im sprachlichen Ausdruck gehemmter und unsachlicher Redner nehmen den Appellen meist ihre Wirkungskraft.» (Wien)
Die Appelle werden in den Berichten als aufmunternd, richtungsweisend und fördernd für die weitere Arbeit in der beruflichen Jugend- und Sozialarbeit bezeichnet. Das Herantragen von positiven Gedanken über betriebliche Jugenderziehung hat sich auch diesmal als besonders wirksam erwiesen, wodurch eine wesentliche Verstärkung der Auswirkungen hervorgerufen wurde.
II. Ausrichtungsappelle der betrieblichen Führungskräfte: Die Appelle, die die betrieblichen Führungskräfte (Betriebsführer, Betriebsobmänner, Ausbildungsleiter, Lehrmeister und Gesellen, sowie Jugendwalter und -walterinnen) vereinigten, waren durchweg gut, z. T. sogar 100 %ig besucht. Eine Ausnahme bildeten die Gebiete, in denen durch Luftterror besondere Verkehrsschwierigkeiten eingetreten waren.
Wie bei den Jugendappellen kann auch hier im Allgemeinen von einer guten Wirkung gesprochen werden. Anteil an diesem Erfolg hatten auch hier vor allem diejenigen guten Redner, die es verstanden, die Erziehungsaufgaben klar und verständlich darzustellen und nicht auf den Schwierigkeiten und dem „Versagen“ einzelner Führungskräfte herumritten. Gerade diesen liegt viel daran, Hinweis und Vorschläge für ihre immerhin schwierige Aufgabe in der betrieblichen Jugenderziehungsarbeit zu erhalten. Sie zeigten sich dafür stets aufgeschlossen und zugänglich. Einstimmige Anerkennung bei den Führungskräften fand die Betonung der Notwendigkeit einer einwandfreien Berufsausbildung der Jugend und der Hinweise auf die Möglichkeit, durch straffere Maßnahmen die Haltung der Jugend zu lenken.
III. Als weiterer Erfolg sind die Pflichtjahrtreffen zu bezeichnen, die in einzelnen Gebieten gesondert durchgeführt wurden und stets gute Antrittsstärken aufwiesen.
IV. Elternaufklärungsabend: Als weniger erfolgreich sind die Elternaufklärungsabende anzusehen. Die Gründe hierfür lagen z. T. in einer nicht immer verstandenen Passivität eines sehr großen Teiles der Elternschaft, die kaum noch auf eine propagandistische Ansprache reagiert und lieber die freie Zeit zu Hause verbringen will. Dies traf besonders für solche Eltern zu, die heute im Arbeitsprozess stark eingespannt sind. Zu einem großen Teil standen die Eltern der „Woche der schaffenden Jugend“ überhaupt Verständnis- und interesselos gegenüber, was in dem außerordentlich geringen Besuch der Elternabende überall zum Ausdruck kam. Als hierbei nicht unwesentlich ist allerdings auch die Tatsache festzustellen, dass andere Veranstaltungen, die zur gleichen Zeit durchgeführt wurden, sehr viele Eltern ablenkten.
«Als geradezu katastrophal muss das Interesse der Bevölkerung an den Elternabenden bezeichnet werden. Obwohl sie über die Betriebe, die Gliederungen der Partei und HJ sowie durch die Betriebsführer zur Teilnahme eingeladen waren, erschienen nur sehr wenige Eltern.» (Königsberg u. a.).
«Die Teilnahmelosigkeit der Eltern findet in dem schlechten Besuch der Elternabende ihren merklichen Ausdruck.» (Dresden)
«Dagegen litten die Eltern- und Hausfrauenabende durchweg unter einer minimalen Beteiligung.» (Frankfurt/O.)
V. Sonderveranstaltungen: Im Rahmen der Sonderveranstaltungen sind die Hausfrauenabende zu erwähnen, die gleich den Elternabenden eine sehr geringe Besucherzahl aufwiesen, so dass oft die von den Veranstaltern aufgewandte Mühe und Zeit in der Vorbereitung und Durchführung dieser Abende nicht einmal gelohnt wurde. Auch hier sind die Gründe teils in der Interesselosigkeit und dem geringen Wert zu suchen, den ein Teil der Hausfrauen diesen Veranstaltungen beimisst. (Reichenberg, Frankfurt/O., Dresden, Wien, Stuttgart u. a.).
VI. Leistungsschau und Werkstückausstellung: Den größten Erfolg hatte die Leistungsschau der Jugendarbeiter, die in zwei Formen durchgeführt wurde:
a) Leistungen- oder Werkstückausstellungen in eigens dafür hergerichteten großen Räumen.
b) Schaufensterausstellungen.
Beide Formen haben gleich gut angesprochen, wobei sich als besonders vorteilhaft gerade in der heutigen Zeit die Ausstellungen in den Schaufenstern erwiesen.
Die uneingeschränkt anerkannten Werkstückausstellungen waren Ausdruck der Leistung und Fähigkeiten der schaffenden Jugend. Sie haben oft Erstaunen und Bewunderung hervorgerufen.
«Ich hatte nicht erwartet, im fünften Kriegsjahr derartige Leistungen unserer Jugend in solcher Fülle sehen zu können.» (Schlosser- und Kunstschmiedemeister, Reichenberg).
«Das, was hier gezeigt wurde, ist das Beste von dem was in den letzten Jahren gefertigt wurde.» (Betriebsführer, Reichenberg.)
«Eine in Bruck/Leitha durchgeführte Werkstückausstellung von Lehrlingsarbeiten zeigte wirklich gute Leistungen.» (Wien)
«Eine besondere Beachtung verdient der Erfolg von Werkstückausstellungen der Lehrlinge.. Vor allem wurden der Lübecker Ausstellung rückhaltlose Anerkennung für die sauberen und gemäßen Arbeiten gezollt.# (Kiel)
«Die in einzelnen Schaufenstern ausgestellten Fertigungsstücke der Lehrlinge aus allen Betrieben zogen in der Hauptsache sachkundige Erwachsene und Jugendliche an und lösten allgemeine Begeisterung und Anerkennung aus.» (Stuttgart).
«Die Gauaustellung „Jugend am Werk“ und die Schaufensterausstellung, die sehr gute Arbeiten zeigten, waren der Anziehungspunkte vieler Erwachsener und Jugendlicher.» (Dresden)“