Weihbischof Stäter reagiert auf KJMV-Verbot in Aachen
Anlässlich des Verbotes des KJMV in der Diözese Aachen am 1. Februar 1938 weist der Aachener Kapitularvikar und Weihbischof Dr. Sträter am 3. Februar 1938 die Pfarrer der Diözese an, folgenden Text am Sonntag, den 6. Februar 1938 in den Messen zu verkünden:
„Liebe Diözesanen,
[…] Am 1. Februar ließ mir die Staatspolizeistelle Aachen mitteilen, dass in unserer Diözese der Jungmännerverband mit seinen Nebengliederungen sowie auch die Kongregationen, ja sogar die Messdienergruppen mit sofortiger Wirkung aufgelöst seien. Das gesamte Vermögen wurde eingezogen, an manchen Stellen sind auch die kirchlich geweihten Fahnen und Banner beschlagnhamt worden. Als Gründe für dieses Vorgehen gibt man an, dass die Vereine gegen die Bestimmungen über die Betätigung konfessioneller Jugendverbände verstoßen hätten. Obschon das Konkordat bei solchen Schwierigkeiten eine gemeinsame Regelung vorschreibt, ist in diesem Falle ohne jede vorherige Fühlungnahme mit der kirchlichen Behörde der Jungmännerverband aufgelöst worden.
Diese Maßnahme bedeutet einen Eingriff in das unveräußerliche Recht der Kirche, die Jugend zu bilden und zu erziehen. […]
Alle Einsichtigen unseres gläubigen Volkes wissen, wie unsere katholischen Jugendvereine im Krieg die Besten fürs Vaterland geopfert haben; sie wissen weiterhin auch, wie in den schweren Jahren der Nachkriegszeit die katholische Jugend ein starker Damm gewesen ist gegen volkszersetzende Kräfte. Wie würde sich denn das Geschick unseres Volkes gestaltet haben, wenn die vierhunderttausend katholischen Jungmänner nicht im katholischen Jungmännerverband gestanden hätten, sondern den marxistischen Jugendorganisationen. Es ist Tatsache, dass der katholische Jungmännerverband seit Jahrzehnten sich bemüht hat, seine Mitglieder zu treuen Katholiken und loyalen Staatsbürgern zu erziehen. […]
Darum verletzt es uns aufs Tiefste, dass jetzt für die Auflösung des Verbandes die Verordnung herangezogen wird, die der verstorbene Reichspräsident von Hindenburg gegen die kommunistischen Umtriebe erlassen hat. Es muss mit aller Entschiedenheit betont werden, dass der katholische Jungmännerverband niemals auch nur im Mindesten kommunistische staatsgefährdende Gewaltakte geübt oder geplant hat. Es ist schlechterdings unmöglich, eine irgendwie geartete innere Verwandtschaft zwischen katholischem Jungmännerverband und Kommunismus zu finden.
Liebe katholische Jungmänner, Euch und Euren Präsides sage ich Dank für die Treue, die Ihr Christus und seiner Kirche bewiesen habt. […] Ich werde in der allernächsten Zeit Euren Priestern Anweisung geben über die weitere Arbeit in der Jugendseelsorge. […]
Liebe Eltern! Ihr habt heute im Evangelium gehört, wie das Unkraut mitten zwischen dem Weizen wächst. Seid wachsam, dass der gute Samen, den Ihr in die Herzen Eurer Kinder gelegt habt, aufgehe und Frucht bringe […].
Liebe Diözesanen! Katholische Jungmänner! Priesterliche Mitbrüder! Uns allen gilt das Wort des Herrn in seiner Abschiedsstunde: […] Ihr sollt für mich Zeugnis ablegen. Wir alle wollen auch in unseren Tagen Zeugnis ablegen für Christus Jesus unseren Herrn, der da ist das Heil der Welt.
Es segne Euch alle der Allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Hl. Geist.“