Hauptbannführer Friedrich-Karl Bornemann, der Führer der Abteilung Grenz- und Ausland im Gebiet Mittelrhein (Köln-Aachen) gibt im Februar 1938 einen weitern Überblick über die Grenz- und Auslandsarbeit im "Jahr der Verständigung".
Eingangs erinnert er daran, dass in vielen Ländern mittlerweile HJ-Formationen unter den dort lebenden Deutschen aufgebaut sind. Es sei der "Stolz einer jeden GA-Abteilung" für solche Gruppen im Ausland Pate zu sein und deren Arbeit zu unterstützen. Dafür würden Briefwechsel organisiert oder Sammlungen von Büchern und Spielen durchgeführt. Zudem würden die Gruppen eingeladen, ihre Ferien in HJ-Lagern zu verbringen. Im Gegenzug würden die Gruppen des Reiches auf ihren Auslandsfahrten die Auslands-HJ besuchen.
Als Beispiel für eine solche Unternehmung nennt er die Fahrt der Kölner Rundfunkspielschar im April 1938 nach Luxenburg, wo sie mit den 1000 dort lebenden Deutschen den "Geburtstag des Führers" gefeiert hat. Solche Fahrten habe es auch schon zuvor gegeben.
Als weitere Maßnahme zur internationalen Zusammenarbeit geht Bornemann auf den Führungs- und Dolmetscherdienst der Mittelrhein-HJ ein, der 1936 eingerichtet wurde. Hier arbeiten Führer und Mitglieder aus HJ und Jungvolk freiwillig mit und werden sprachlich weitergebildet. Zudem werden ihnen Kenntnisse über verschiedene Länder sowie über die Geschichte des Rheinlandes vermittelt. Im Gebiet Mittelrhein stehen Dolmetscher für zwölf Sprachen zur Verfügung. Zudem gibt es Jungen, die ausländische Jugendgruppen auf ihren Wanderungen oder Reisen auf Wunsch begleiten.
1938 sei der Einsatz des Führungs- und Dolmetscherdienstes besonders stark gewesen, da Hunderte ausländischer Jugendlicher durch Köln hätten geführt werden müssen und zahlreiche Gruppen eine Begleitung gewünscht hätten.
Anschließend geht Bornemann auf die Arbeit des Grenzlandreferats ein, das gerade in der Grenzregion Köln-Aachen wichtige Aufgaben habe. Die besten und tüchtigsten Führer müssten in die Grenzbanne, und dort müssten auch die meisten HJ-Heime gebaut werden und die meisten Zeltlager im Sommer stehen. Unter dem Motto der "Kameradschaftsarbeit" habe man im ganzen Reich Gebiete und Banne aus dem Landesinnern mit je einem des Grenzlandes verbunden und zu engerer Zusammenarbeit verpflichtet. So seien auch die an der Grenze liegenden Banne des Gebietes Köln-Aachen mit je einem nicht an der Grenze liegenden verbunden und würden abwechselnd Schulungen und Führertagungen durchführen. Hinzu kämen gegenseitige Besuche und Sammlungen von Büchern, Sportgeräten, Musikinstrumenten usw. für die Grenzbanne. Das Grenzlandreferat würde dort überdies Spielscharfahrten, Dichterlesungen und Jugendfilmstunden organisieren.
Zudem stellt Bornemann das volksdeutsche Referat vor, das eng mit dem VDA zusammenarbeitet. Seine wichtigste Aufgabe ist die Schulung im "volkspolitischen Wissen und Denken": "Sein Ziel ist es damit, der deutschen Jugend immer wieder klarzumachen, dass es mehr Deutsche in der Welt gibt, als in seinen Grenzen wohnen." Volksdeutsche Jugendliche seien daher auch immer "besonders gerngesehene Gäste" der HJ, so 1938 die seinerzeit noch nicht zu Deutschland gehörenden 1200 Sudetendeutschen, die im Anschluss an das Sportfest in Breslau das Rheinland besucht hätten.
Abschließend nennt Bornemann auch noch die Arbeit des Kolonialreferates.