Tagung zum Landjahr im Regierungsbezirk Köln
Regierungspräsident Reeder lädt Anfang Dezember 1938 die Leiter der Auswahlkommissionen für das Landjahr des Regierungsbezirks Köln zu einer Tagung ein, auf der es um die Aufgaben des Landjahrs geht. Dabei stellt er die Erfolge des Landjahrs heraus, die er vor allem darin sieht, dass die jungen Menschen andere Landesteile kennenlernen und mit "Land und Leuten" vertraut werden. Zudem gibt er weitere Richtlinien für die Auswahl des Jahrgangs 1939 bekannt.
Neben den Besprechungen besichtigen die Tagungsteilnehmer, darunter Vertreter der Erzieherschaft, Ärzte der Gesundheitsämter und Vertreter der HJ, das Landjahrlager "Wulfshof" bei Bensberg, in dem 100 Jungen untergebracht sind, und das Mädchen-Landjahrlager in Herchen an der Sieg. Als besonders eindrücklich empfinden die Gäste angeblich die "peinliche Ordnung und Sauberkeit" in beiden Lagern. Daher sei man sich einig gewesen, dass die Entsendung von Jungen und Mädchen "vorbehaltlos" erfolgen könne. Dafür bürge auch das Lagerleben selbst, "bei dem die geistige, körperliche und weltanschauliche Schulung die jungen Menschen im nationalsozialistischen Geiste formen, damit sie später als Männer und Frauen ihre Pflichten kennen und erfüllen werden".
Hervorgehoben wird zudem, dass der Einsatz in der Landwirtschaft keine "schwere körperliche Arbeit" sei, da die Jugendlichen nur zu "Handreichungen" herangezogen würden, um die Landwirtschaft und die landwirtschaftlichen Handwerkszweige kennenzulernen.
Als "besonderes Erlebnis" werden die vierwöchigen Großfahrten erwähnt, die durch einen großen Teil des jeweiligen Gaues führten.
Eine ganze Reihe von Großbetrieben hätten das Landjahr bereits dadurch anerkannt, dass sie den Lehrlingen die Zeit im Landjahr auf die Lehre anrechnen würden.
Aus dem Regierungsbezirk Köln sind im Dezember 1938 760 Jungen und 600 Mädchen in den Landjahrlagern Schneidemühl, Liegnitz, Erfurt, Schleswig, Hannover, Hildesheim, Aurich, Kassel, Wiesbaden, Sigmaringen und Braunschweig untergebracht, davon aus der Stadt Köln allein 430 Jungen und 330 Mädchen.
1939 sollen aus dem Regierungsbezirk 600 Jungen und 500 Mädchen, davon 400 Jungen und 300 aus Köln, ins Landjahr entsandt werden. Im Regierungsbezirk Köln befinden sich drei Jungen- und fünf Mädchenlandjahrlager und zwar in Bensberg und Westhoven mit je 100, in Rheinbach mit 80 Jungen, in Iversheim und Bourauel bei Eitorf mit je 40, in Herchen und Wipperfürth mit je 60 und in Oedekoven mit 80 Mädchen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus Berlin und Braunschweig.
Zuletzt wird die gute Verpflegung in den Lagern hervorgehoben. Durchschnittlich würden die Jugendlichen hier 7,25 Kilo in sieben Monaten zunehmen.