Ablehnung von Swing als Gesellschaftstanz
Auf der "Reichsschulungswoche für Gemeinschaftstänze", die Anfang Dezember 1938 vom Amt "Feierabend" der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" in Zusammenarbeit mit dem Reichspropagandaministerium, der Reichsjugendführung und dem Reichsnährstand in Stecklenberg durchgeführt wird, werden neue Wege des Gemeinschaftstanzes als Ausdruck der nationalsozialistischen Weltanschauung gesucht. Einig ist man sich dabei in der Ablehnung von modernem Tanz und der entsprechenden Musik, die als "jüdisch" gebrandmarkt werden:
"Die Erneuerung unsers völkischen Lebens kann auch vor dem Tanz als einem wesentlichen Ausdruck unsers Gemeinschaftslebens nicht haltmachen. Wohl jeder unverbildete Volksgenosse lehnt aus seinem Empfinden heraus die Auswüchse ab, die ‚der moderne Gesellschaftstanz‘ unter artfremden, vor allem jüdischen Einflüssen zeitigte, ebenso wenig aber kann er sich meist für den Volkstanz in der Form erwärmen, wie er von gewissen sich vom Volk bewusst absondernden Gruppen früher gepflegt wurde. Das im nationalsozialistischen Deutschland immer stärker zum Durchbruch kommende Gemeinschaftsgefühl drängt vielmehr nach neuen, unserem Wesen entsprechenden und aus unserm eigenen Brauchtum erwachsenen Formen, die dabei noch gegenwartsnah sind. [...]
Genau wie in HJ, SA, SS, Arbeitsdienst ein neues Liedgut erstanden ist und weiter ersteht, müssen wir auch zu einem allgemeingültigen Tanz kommen, der das seelische Leben unseres Volkes widerspiegelt, ursprünglich ist, und an die Überlieferungen unsers Brauchtums anknüpft. Diese Forderungen können weder von dem bisherigen Gesellschaftstanz noch von dem in ‚Tanzkreisen‘ gepflegten Volkstanz erfüllt werden, sondern von beiden Gattungen muss das Minderwertige abgeschliffen, das Wertvolle herausgeschält und zu einem Neuen vereinigt werden."
Bei der Entwicklung neuer Formen möchte man zwar keine 'getanzte Weltanschauung" erfinden, aber erreichen, "dass die unsrer Weltanschauung entspringende Haltung das öffentliche Leben auch auf dem Gebiete des Tanzes kennzeichnet".