HJ und DAF betreuen "schaffende Jugend"
Im Kölner Gürzenichsaal findet am 23. Oktober 1938 eine Versammlung statt, auf der die Jugendwalter und Jugendwalterinnen der DAF im Gau Köln-Aachen die neuen Richtlinien für ihre "nationalsozialistische Jugendführung" erhalten. Teilnehmer sind zudem der Gauobmann der DAF, der stellvertretende Gauleiter Richard Schaller, Stabsführer Hartmann Lauterbacher, der Amtsleiter des DAF-Jugendamtes Schröder aus Berlin, Gebietsführer Hohoff und die Führer des Gebietes Mittelrhein.
Schaller stellt in seiner Ansprache die "ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Deutscher Arbeitsfront und Hitler-Jugend" heraus. Das Hauptaugenmerk müsse auf die Jugend gerichtet sein, daher erhalte diese die "vollste Unterstützung vonseiten der Partei und der DAF".
Amtleiter Schröder erinnert anschließend an die "gewaltige Verantwortung" der jungen Generation, deren Wertmesser und Inhalt ihres Lebens der "Grundsatz der Leistung" sei. Dieses Prinzip der Höchstleistung brächten die fünf Millionen schaffender Jugendlicher täglich im Wirtschaftleben zum Ausdruck. Die neue Haltung der Jugend sei das Ergebnis der "unermüdlichen Erziehungsarbeit der Hitler-Jugend", an der auch die Jugendwalter und -walterinnen großen Anteil hätten.
Die Anerkennung der Jugend im Wirtschaftsleben sei nun durch die Verkündung des Jugendschutzgesetzes erfolgt. In ihm habe sich der "mehr als hundertjährige Kampf um einen wirksamen Jugendschutz erfüllt". Die Betriebsführer müssten nun davon überzeugt werden, dass die Durchführung des Gesetzes nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern eine "moralische Verpflichtung sei, die sie vor der Nation übernehmen". Der Betriebsführer sei der "ideelle und geistige Vollstrecker" des Gesetzes, das niemals mit Jugendfürsorge verwechselt werden dürfe.
Anschließend erinnert Lauterbacher über den "Idealismus und die Einsatzbereitschaft der alten Garde" und ermahnt die Jugendwalter dafür zu sorgen, dass dieser Idealismus "für ewig in den jungen Herzen der deutschen Nation verankert bleibe und sich in jeder Generation erneuere". Es dürfe "im deutschen Volk keinen Jungen und kein Mädel geben, die des Glaubens seien, sie gehörten sich allen". Ihre Gesundheit und ihr Können seien vielmehr "Eigentum der gesamten Nation". Darum dulde der Staat auch "keine Parasiten", keiner könne mehr auf Kosten der "Volksgemeinschaft" leben.