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Ereignisse
1938
Juli

Gebietszeltlager der mittelrheinischen HJ in Nideggen

Im Juli 1938 ist das große Gebietszeltlager der mittelrheinischen HJ in Nideggen fertiggestellt. Nachdem es zunächst erst am 5. August mit Führeranwärtern belegt werden sollte, wird im Juli beschlossen, hier bereits vom 25. Juli bis 4. August die Gruppen unterzubringen, die eigentlich an die Ost- und Nordsee fahren sollten. Diese Fahrten wurden jedoch nach einer "reichseinheitlichen Regelung" abgesagt.

Zudem nimmt das Lager ab 1. August Angehörige der Motor-HJ auf, der dort u.a. ein vollständiger Werkstattzug und 30 Maschinen zur Verfügung steht.

Das Lager wurde durch ein "Vorkommando", bestehend aus 40 Hitlerjungen aus den Lehrwerkstätten der Reichsbahnausbesserungswerke in Köln-Nippes, aufgebaut und technisch ausgestattet, darunter mit Licht-, Wasser- und Rundfunkleitungen. Insgesamt besteht das Lager aus elf Teillagern, die in größeren Abständen zueinander liegen.

Sonntag, der 31. Juli 1938, wird zum Besuchstag des Lagers ernannt. Dann können die Eltern der 1000 Lagerteilnehmer das Lager besichtigen. An dem Tag kommen auch die Teilnehmer des Lagers des Bannes 217, die in der Nähe zelten, um mit den Teilnehmern des Gebietszeltlagers sportliche Wettkämpfe durchzuführen. Dabei soll auch die neue Hindernisbahn zum Einsatz kommen.

Die erste Lagerbesatzung des Gebietszeltlagers verlässt am 4. August das Lager. Bereits am nächsten Tag rücken 900 Führer aus dem ganzen Gebiet nach. Ziel soll es hier sein, unter den Teilnehmern eine Auslese "nach Charakter und Befähigung" vorzunehmen, um sie "vor größere Aufgaben zu stellen".

Die 300 Teilnehmer aus den Bannen 16, 53, 65 und 217 treffen sich am 5. August 1938 auf dem Neumarkt, um gemeinsam zum Bahnhof zu marschieren und anschließend nach Nideggen zu fahren.

Während des Führerlagers läuft in Nideggen auch ein Speziallager der Motor-HJ im Teillager 11.

Beim Führerlager spricht an einem Morgen der Chef des Kulturamtes der RJF, Obergebietsführer Cerff, zu den Teilnehmern über das Thema "Ein jeder gibt sich selbst den Wert". In den Lagern, die er in diesem Sommer besucht habe, leisteten die Jungen "in der Gemeinschaft des Lagers Erziehungsarbeit an sich selbst". Die "Erziehung zur Persönlichkeit" sei dabei am wichtigsten. Gerade durch die Gemeinschaft versuche die HJ, die Entwicklung jedes Einzelnen zu fördern.

Viele andere Staaten würden die Idee der HJ gerne übernehmen, es fehle ihnen jeoch an den "großen Persönlichkeiten der Führung": "Man muss aber eine Idee nicht nur verkünden, sondern auch vorleben können. Das beste Beispiel für den Wert der echten Persönlichkeit ist der Führer selbst. Führertum ist nicht durch Vollmachten gegeben, sondern durch Sauberkeit, Klarheit und Wahrheit. Der Führer glaubt nicht nur, er lebt vor!"

Im Rahmen der politischen Schulungsarbeit im Gebietszeltlager hält der Kolonialreferent der Abteilung Grenz-Ausland der Gebietsführung Mittelrhein, H.G. Esser, einen Vortrag über die "deutsche Kolonialforderung" und die derzeitige kolonialpolitische Lage. Nach einer Schilderung der politischen Situation des "Britischen Weltreichs" und der durch die "Gründung des Italienischen Imperiums" geänderten Lage im Mittelmeerraum geht er auf die "Gefahren" ein, die der "Erhaltung Afrikas für die weiße Rasse" angeblich drohen.

Dazu führt er in der Darstellung des Westdeutschen Beobachters aus, dass sich die "Komintern in Afrika" in einem "planmäßigen Angriff" auf Afrika befinde, die Folgen seien schon jetzt unabsehbar, die Abwehr der augenblicklichen Kolonialmächte sei unzureichend. Anschließend schildert Esser seine Eindrücke einer Kamerunreise und führt zum Schluss aus, dass Afrika "weder eine Hölle noch ein Paradies" sei, "sondern eine Wirklichkeit, in die sich wieder einzuschalten für uns Deutsche eine historische, welt- und rassenpolitische Notwendigkeit sei".

Das Gebietszeltlager wird Mitte August von verschiedenen "führenden Männern der Bewegung" besucht, darunter Stabsführer Lauterbacher, dem stellvertretenden Gauleiter Richard Schaller, dem Reichstreuhänder der Arbeit, Staatsrat Börger, und Gauamtsleiter Kölker.

Schaller spricht zum "Tag der DAF" über "Wesen und Wirken der Deutschen Arbeitsfront, vom Ethos der Arbeit im nationalsozialistischen Deutschland". Börger schildert die "Leidenszeit der Nationalsozialisten im Österreich der Schuschniggzeit" und betont, dass nun die Zeit gekommen sei, "wo die Gedanken von der Rasse und der Freiheit eines Volkes jene unsittlichen internationalen Ideen der jüdisch-bolschewistischen Friedensstörer in sich zusammenbrechen lassen". Kölker thematisiert das "Preußentum" und stellt heraus, dass der Begriff "unlösbar mit jedem deutschen Soldaten verbunden ist, und dass Preußentum — Soldatentum für den Nationalsozialismus eins ist".

 

Am 21. August 1938 wird im Gebietslager ein "Tag der Eltern" veranstaltet, auf dem zahlreiche Vorführungen, darunter eine "sportliche Leistungsschau" vorgesehen sind.

Zuvor hatte die gesamte Lagermannschaft weite Gepäckmärsche durch die Eifel unternommen sowie "Grenzlandkundgebungen" und Luftschutzübungen veranstaltet.

Im Lager der Motor-HJ wurden technische Prüfungen vorgenommen mit dem Ziel, dass am Ende des Lagers alle Teilnehmer den Führerschein Klasse 4 besitzen.

Mit einer großen Kundgebung auf dem Marktplatz in Düren endet das Gebietslager in Nideggen und gleichzeitig die Sommerlagerzeltaktion des Gebietes Mittelrhein.

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