Entwicklung des HJ-Heimbaus
Im Zuge einer erneuten Werbeaktion für HJ-Heime bringt der Westdeutsche Beobachter am 2. April 1938 einen ausführlichen und reich bebilderten Artikel über die Entwicklungen und Forderungen des HJ-Heimbaus.
Die ersten Heime der HJ waren noch sehr primitiv. In der "Kampfzeit" sei man froh gewesen, "irgendwo vier Wände zu haben, in denen man Schutz fand und sich unter Kameraden wusste". Die etwas "besseren" Heime wurden dann mit Unterstützung der Partei und ihrer Gliederungen nach der Machtübernahme in leerstehenden Bürogebäuden oder Villen eingerichtet. Doch diese Heime seien in ihrer "inneren Gestaltung Mischungen von Bauernstuben, Esszimmern und Salons" geblieben.
Anschließend führte die HJ Aktionen für den Bau eigener Heime durch, doch Ende 1936 war erst knapp ein Drittel der Jugendlichen in Heimen untergebracht, dabei in Großstädten deutlich weniger als in ländlichen Gebieten. Die Heime, die entstanden, waren darüber aus finanziellen Gründen hinaus meist "Notlösungen".
Eine stärkere Förderung des Heimbaus erfolgte erst, als Hitler selbst am 1. Dezember 1936 zum Bau von HJ-Heimen aufrief. Nun wurde der Posten "Förderung der Jugendpflege", den jede Gemeinde im Haushaltsplan hat, häufig zum Grundstock zu einer fortdauernden Geldbeschaffung für den Heimbau. Hinzu kamen die Beihilfen der Kreise, Provinzen, der Jugendpflegefonds der Bezirksregierungen und der Heimbaufonds der RJF.
Kritisiert wird, dass der Posten "Förderung der Jugendpflege" im Gemeindeetat nicht von allen Gemeinden für den Heimbau genutzt wird. Klar sei, dass die meisten Gemeinden nicht mit einem Schlag ein Heim bauen könnten. Dafür müssten Rücklagen gebildet werden.
Die HJ fordert den Bau von 50.000 Heimen und verweist dabei auf den Appell Hitlers vom 2. April 1938, dass Staat und Partei verpflichtet seien, die Jugend beim Heimbau zu unterstützen. In einem ähnlichen Sinn habe sich auch Frick dafür ausgesprochen.
Im Gau Köln-Aachen ergibt eine Rundfrage in den Kreisen den Heimbau betreffend ein unterschiedliches Bild. Ein Überblick zeigt die bereits fertiggestellten bzw. im Bau oder in der Planung befindlichen Heime und in Klammern die Anzahl der noch fehlenden Heime:
Köln-Stadt: 4 (13)
Köln-Land: 11 (4)
Bergheim: 9 (3)
Rheinisch-Bergisch: 11 (4)
Euskirchen: 10 (3)
Aachen-Stadt: 3 (1)
Aachen-Land: 8 (3)
Erkelenz: 5 (3)
Geilenkirchen-Heinsberg: 8 (4)
Monschau: 7 (3)
Bonn: 8 (5)
Siegburg: 6 (9)
Düren: 5 (4)
Jülich: 4 (1)
Schleiden: 6 (4)
Oberbergischer Kreis: 6 (7)
Im Landkreis Köln wurde ein Fünfjahresplan für den Heimbau aufgestellt, zudem übersteigt die Zahl der Heime dort schon die der Gemeinden. Im Kreis Bensberg wird mit einer "regen Heimbautätigkeit" gerechnet. Euskirchen baute die ersten Heime in der Ortsgruppe Münstereifel-Süd. Viele Heime wurden als Umbau erstellt, in Münstereifel beispielsweise in einem Stadtturm, was als eine "sehr unzulängliche Unterkunft" gewertet wird. Ein großer Ort wie Liblar besitzt noch kein Heim.
In Aachen sind dagegen große Fortschritte gemacht worden. In der Karlsburg wurden von der Stadt 15 große Heimräume sowie HJ-Dienststellen eingerichtet. Auch im Ponttor, einem alten Aachener Stadttor befindet sich ein gut eingerichtetes Heim. In Aachen-Burtscheid wurde Ende April 1937 das "schönste HJ-Heim Westdeutschlands" eingeweiht.
In Stolberg entstand unter Mithilfe der Bevölkerung ein neues Heim, dessen Kosten zum größten Teil durch eine Privatspende getragen wurde. Im Kreis Bonn müssen neue Heime gebaut und die bestehenden erweitert werden. Für den Kreis Düren wird konstatiert, dass der Heimbau hier der "Größe und Bedeutung" des Kreises nach "hinterherhinkt". Fünf Heime sind hier gebaut, die jedoch "nicht allen Anforderungen" entsprechen würden. Auch im Kreis Jülich seien die Heime "Notlösungen".
In Schleiden zeige sich ein erfreulicheres Bild. Die Kleinstadt selbst besitze ein "mustergültiges Kleinheim". Der Bann 388 habe einen Zehnjahresplan für die Heimbeschaffung aufgestellt, wonach durchschnittlich sechs Heime jährlich entstehen sollen. Im Oberbergischen Kreis wurde schon 1935 mit dem Heimbau begeonnen.
Organisiert wird der gesamte Heimbau im Gau Köln-Aachen durch die Dienststelle des Beauftragten für die HJ-Heimbeschaffung im Gebiet Mittelrhein in der Overstolzenstraße in Köln. Unter Leitung eines HJ-Architekten werden dort die gesamten Bauarbeiten geplant und überwacht. Die Stelle gibt die Bauvorhaben einschließlich der Kostenberechnung an den Arbeitsausschuss für die Heimbeschaffung der Hitler-Jugend in Berlin weiter, die mit Erteilung des Bauscheines die endgültige Genehmigung zjm Bau gibt.