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Ereignisse
1938
Januar

Landdienst als Instruement der Siedlungspolitik

Der Landdienst der HJ soll perspektivisch zweierlei leisten: Zum einen soll er dazu beitragen, den starken Landarbeitermangel zu beheben, zum anderen dafür sorgen, dass die östlichen Landesteile stärker besiedelt werden und damit eine "Stärkung der Bevölkerung", die als eine "dringende Notwendigkeit" angesehen wird, geleistet wird. Dies soll vorzugsweise durch Jugendliche aus dem Westen geschehen, da der Westen als zu dicht besiedelt gewertet wird. So wird der Landdienst zu einem Instrument der Siedlungspolitik.

Die HJ sieht sich hier in einem Resümee von Januar 1938 auf einem guten Weg und legt entsprechende Zahlen vor.

Von den 12.000 Jugendlichen, die 1937 im Landdienst waren, stammen 43,3 Prozent aus dem Obergebiet West und weitere 26 Prozent aus Schlesien. Als positiv wird auch gewertet, dass die Jugendlichen insgesamt jünger geworden sind und damit eher als Ältere bereit sind, dauerhaft von der Stadt aufs Land zu ziehen. Waren 1936 noch 47,5 Prozent der männlichen Landdienstangehörigen bis zu 18 Jahre alt, waren es 1937 bereits 84 Prozent. Damit ging der Altersdurchschnitt von 18 bis 19 Jahren 1937 auf 16 Jahre zurück. Bei den weiblichen Jugendlichen waren 91,5 Prozent bis zu 18 Jahren alt und von diesen wiederum 70, 5 Prozent bis zu 16 Jahren, insgesamt ein Altersdurchschnitt von 15 bis 16 Jahren.

Viele Jugendliche würden auch länger als es die Dienstzeit erfordert bleiben: "Von den während des Jahres 1937 auf dem Lande tätig gewesenen Jungen gehörten 3 v.H. bereits seit 1935 dem Landdienst an, weitere 14,5 v.H. haben sich seit 1936 hier eingesetzt, 39,5 v.H. haben sich zum Verbleibn während dieses Winters verpflichtet, 17 v.H. von ihnen wollen zunächst noch das Jahr 1938 über in ihren Gruppen verbleiben, und bisher 6 v.H. werden endgültig eine landwirtschaftliche Berufsbahn einschlagen."

Als noch aussichtsreicher wird die Entwicklung bei den weiblichen Jugendlichen gewertet: "8 v.H. der Mädel, die 1937 sich im Landdienst befanden, standen dort bereits seit 1936, also dem ersten Jahr des Mädellanddienstes, 59 v.H. wollen zunächst diesen Winter über weiter verbleiben, und 15 v.H. haben sich bereits entschlossen, ihre weitere Zukunft auf dem Lande aufzubauen."

Was die soziale und berufliche Herkunft der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeht, kommt zum Ausdruck, dass es sich hier vor allem um Jugendliche aus dem Arbeitermilieu handelt: "25 v.H. der Jungen [waren] vor Beginn ihrer Landarbeit als Hilfsarbeiter tätig, weitere 8 v.H. kamen aus der Industrie, 6,5 v.H. aus kaufmännischen Berufen, 2,5 v.H. aus dem Bergwerk. Mag es bei den erstgenannten Hilfsarbeitern vielleicht mehr eine gewisse Unlust und Unbefriedigtheit mit ihrer Tätigkeit gewesen sein, die sie zur Aufnahme der Landarbeit veranlasst hat, so kann man wohl sicherlich bei einem nicht unbeachtlichen teil der anderen Jungen den Beweggrund in der Erkenntnis suchen, dass die Landarbeit nicht nur freier und gesünder ist, sondern dass sich hier vor allem für den Leistungsfähigen beste Aufstiegsmöglichkeiten bieten.

Von den 26 v.H. der Jungen waren die Väter Industriearbeiter, bei 20 v.H. waren es Grubenarbeiter, bei weiteren 13 v.H. übten die Väter die Tätigkeit eines Hilfsarbeiters aus, 11 v.H. der Väter dieser Jungen waren in kaufmännischen Berufen tätig, während endlich 8 v.H. in Beamtenstellungen bzw. in freien Berufen standen. Um diese Feststellung noch zu unterstreichen, sei hervorgehoben, dass 21 v.H. der Jungen zwei, 17 v.H. drei und 13 v.H. vier Geschwister besaßen, während weitere 9,5 v.H. fünf und 14 v.H. mehr als fünf Brüder und Schwestern hatten."

Zuletzt wird noch auf die Zusammensetzung der Führerschaft im Landdienst eingegangen. Hier wird der Vorwurf zu entkräften versucht, es gebe kein "geeignetes Führermaterial". Dem wird entgegengesetzt, dass eine Umfrage unter 800 Landdienstgruppenführern ergeben habe, dass nur 14 Prozent zuvor Ungelernte gewesen seien. Andere hätten eine Berufsausbildung gemacht, rund 240 von ihnen seien Landarbeiter gewesen oder entstammten einer bäuerlichen Familie. Weitere 80 seien landwirtschaftliche Beamte. 55 Prozent seien bereits seit mehr als einem Jahr im Landdienst tätig, 8 Prozent seien verheiratet und von diesen wiederum 62 Prozent Familienväter.

Zudem wird bemerkt, dass nur 25 dieser Führer erst nach 1933 der NSDAP beigetreten seien, die übrigen hätten bereits in der "Kampfzeit in den Reihen der Bewegung gestanden".

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