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Ereignisse
1938
Januar

Grundsteinlegung der Adolf-Hitler-Schule in Waldbröl

Für den 16. [richtig: 15.] Januar 1938 ist die Grundsteinlegung der Adolf-Hitler-Schule in Waldbröl geplant. Auf der Feier, die auf allen Sendern übertragen werden soll, wird Dr. Ley sprechen.

Der Festakt am 15. Januar 1938 findet in Anwesenheit von Reichsorganisationsleiter Ley und Reichsjugendführer Baldur von Schirach statt. Gleichzeitig wird in anderen Gauen der Grundstein für neun weitere AHS gelegt.

Für die Aufnahme in eine AHS werden sowohl rassebiologische als auch politische Voraussetzungen gefordert. So ist nicht nur die "Erbgesundheit" ausschlaggebend, sondern auch die "Haltung der Eltern". Keine Rolle sollen dagegen deren "Stand und Vermögen" spielen.

Die Kandidaten werden von der HJ dem zuständigen Ortsgruppenleiter vorgeschlagen und anschließend einer "sorgfältigen Generalprüfung" unterzogen. Entscheidend ist dabei die "Gesamthaltung" eines Schülers, nicht sein "zeitweiliges Versagen auf einem Spezialgebiet".

Als wichtiger Grundsatz gilt die "völlige Gleichstellung der Schüler". Dazu gehört, dass die Eltern keine Kosten für die Ausbildung zu tragen haben und eine finanzielle Unterstützung sogar abgelehnt wird.

Bei der Feier werden viele tausend Gäste aus allen Teilen des Gaues Köln-Aachen erwartet, darunter über 5000 uniformierte Angehörige der Partei und ihrer Gliederungen.

Waldbröl hat zu diesem Zeitpunkt 3000 Einwohner. Diese würden, so der Westdeutsche Beobachter, darum wetteifern, den Festtag zu gestalten. Seit einem großen landwirtschaftlichen Fest 1928 mit etwa 10.000 Teilnehmern hätte der Ort keine Veranstaltung dieses Ausmaßes gesehen.

Anlässlich der Grundsteinlegung veröffentlicht der Westdeutsche Beobachter am 14. Januar 1938 einen Aufsatz von Robert Ley über Sinn und Aufgaben der AHS. Ley stellt darin das gesamte Sozialgefüge in Deutschland auf eine rassenideologische Grundlage und legt dementsprechend auch die Maßstäbe für die Heranbildung des Führungsnachwuchses an:

"Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob man ein Volk beherrscht oder führt. Völker, die rassisch keine Einheiten mehr sind, werden immer eine Herrscherschicht und eine Masse haben. Bei solchen Völkern wird die Führung sich immer nur aus der Herrscherschicht erneuern. Eine Volksgemeinschaft ist in einem solchen Volk undenkbar.

Bei Völkern, die rassisch noch gesund sind, wird es diese Klassenunterschied nicht geben. Rassisch gesunde Völker schließen sich schon aus Gründen der Vernunft zu einer Volksgemeinschaft zusammen, und die Bildung einer Führung erfolgt bei ihnen aus den breitesten Volksschichten.

Auf das deutsche Volk treffen diese Voraussetzungen zu. Die Partei und die Deutsche Arbeitsfront haben die Zellenbildung zur Grundlage ihrers organisatorischen Aufbaues gemacht. Sie wachen eifersüchtig darüber, dass sich die Führerauslese aus dem Jungbrunnen der breitesten Schichten erneuert.

Was sind die Grundsätze für das nationalsozialistische Bildungs- und Erziehungssystem, das in den Adolf-Hitler-Schulen und in den Ordensburgen der NSDAP seinen markantesten Ausdruck findet? Dieses Bildungs- und Erziehungssystem, das keiner Klasse verschlossen ist, reguliert sich nach Gesichtspunkten, die sehr einfach aussehen, bei der von uns aber sehr streng gehandhabten Durchführung volle Gewähr für die Erreichung unsers Zieles bieten.

Die Auslese für die Adolf-Hitler-Schulen geschieht nach den gleichen Grundsätzen, wie sie für die Ordensburgen aufgestellt wurden. Entscheidend ist das Zeugnis und die Bewertung durch die Hitler-Jugend.

1. Die Bewertung des Jungen durch die Hitler-Jugend. Hat sich der Junge im Kreise der Jugend bereits als Führernatur hervorgetan und durchgesetzt?
2. Den einwandfrei rassischen Nachweis seiner Vorfahren (Richtlinien Rassepolitisches Amt, selbstverständlich werden uneheliche Kinder den ehelichen gleichgesetzt, soweit sie dieser Bedingung Genüge erweisen).
3. Völlige Gesundheit.
4. Nachweis der Erbgesundheit der Sippe.
5. Betätigung der Eltern in der völkischen Gemeinschaft (Parteizugehörigkeit, Tätigkeit in den Gliederungen der Partei und den angeschlossenen Verbänden).

Als Fachinstrument für die Auslese bedienen sich die Hoheitsträger des Personalamtes und des Schulungsamtes. Da beide Ämter in engster Verbindung zusammenarbeiten, ist die ständige Fühlung zur Front gewährleistet. Hat der Hoheitsträger — zuletzt der Gauleiter der NSDAP — den Jungen als würdig befunden, so übernimmt die Partei bis zum 18. Lebensjahr die Verantwortung für den Jungen und damit die gesamte Fürsorge für denselben. Die Eltern verpflichten sich, die Jungen für diese Zeit der Partei in Obhut zu geben. Diese Schüler leben im Internat der Adolf-Hitler-Schule. Daneben werden die Adolf-Hitler-Schulen eine Anzahl externer Schüler aufweisen. Diese gesunde Mischung von internen und externen Schülern wird dafür sorgen, dass sich die Adolf-Hitler-Schulen nie abschließen können, sondern auch als Einrichtung immer die Verbindung mit dem tatsächlichen Leben behalten werden. [...]

Die gesamten Adolf-Hitler-Schulen sind eine Einheit der Hitler-Jugend und nach den Grundsätzen derselben organisiert und eingeteilt. Die Jungen selber werden weitgehend, zum Beispiel als Klassenführer und Führer der Arbeitsgemeinschaften, herangezogen und eingesetzt. [...]

Der Lehrplan sieht eine gemeinsame und gleichmäßige Förderung von Körper, Seele und Geist vor. [...]

Jede Schule hat eine handwerkliche Werkstatt, wo die Jungen handwerklich ausgebildet werden.

Damit nun die Jungen in den Adolf-Hitler-Schulen immer lebensnahe bleiben und niemals in einen exklusiven Dünkel verfallen, werden die Jungen auf die Einheiten der Hitler-Jugend außerhalb der Adolf-Hitler-Schulen aufgeteilt und müssen dort ihren HJ-Dienst ableisten."

Bevor Ley und Schirach nach Waldbröl fahren, machen sie in Köln Station, wo sie am 15. Januar 1938 von Abordnungen verschiedener NS-Organisationen begrüßt werden.

Die Fertigstellung der AHS in Waldbröl wird auf den 1. Oktober 1939 terminiert. Der Bau soll mit 480 Schülern aus dem Gau Köln-Aachen belegt werden, von denen 40 als Externe außerhalb der Schule wohnen sollen.

Die 500 m lange Anlage besteht aus einem geplanten Erziehungsraum in der Mitte, an dessen Rückseite eine Ehrenhalle gebaut werden soll. Rechts und links sollen sich die Unterkunftshäuser anschließen. Ganz links soll sich der Gemeinschaftsbau mit den Wirtschafts- und Garagenflügeln anschließen, auf der rechten Seite die Unterkunftsräume, die Sporthalle, das Hallen- und das große Freibad. Zudem ist die Errichtung eines Stadions geplant.

Vor der AHS soll eine Kreisburg entstehen.

Der Unterricht in der AHS soll unter anderem die Fächer Mathematik, Fremdsprachen, Volkskunde, Biologie, Physik, Chemie, Zeichnen und Sport umfassen. Fremdsprachen sollen nicht stundenweise unterrichtet werden, sondern tageweise, so dass an dem betreffenden Tag der gesamte Unterricht bspw. auf Englisch stattfindet.

Zeitgleich mit der Grundsteinlegung in Waldbröl werden die Grundsteine für neun weitere AHS gelegt und zwar in Koblenz (Gau Koblenz-Trier), Landstuhl (Gau Saarpfalz), Mittenwald (Gau München-Oberbayern), Heidelberg (Gau Franken), Weimar (Gau Thüringen), Schneckengrün bei Plauen (Gau Sachsen), Potsdam (Gau Kurmark), Heiligendamm (Gau Mecklenburg) und Tilsit (Gau Ostpreußen). Der Festakt in Waldbröl mit Robert Ley und Baldur von Schirach wird von allen deutschen Sendern übertragen.

Anlässlich der Grundsteinlegung ist der Weg nach Waldbröl beflaggt und mit Ehrenpforten versehen. Die Bevölkerung nimmt starken Anteil an der Veranstaltung und säumt die Straßen, durch die die zahlreichen Formationen mit insgesamt 5540 Teilnehmern ziehen. An dem Festakt selbst nehmen darüber hinaus viele Ehrengäste aus Partei, Wehrmacht, Staat und diversen Parteigliederung teil.

In seiner Ansprache betont Baldur von Schirach, dass die "Bewegung" mit der Grundsteinlegung der AHS nicht zur den Grundstein zu neuen Bauten, sondern zu einem "System der nationalsozialistischen Erziehung" lege. Als Besonderheit der AHS stellt er heraus, dass es dort zwischen Lehrern und Schülern keinen anderen Unterschied gebe als den der "natürlichen Autorität". Diese könne man "weder durch Examina noch durch Gebet erhalten".

Die Fähigkeit, andere zu führen, könne nicht angeschult werden. Daher erteilt Schirach auch der reinen Wissensvermittlung eine Absage:

"Die Entscheidung, die wir in diesem Wendepunkt der Erziehung zu erfüllen haben, ist die Entscheidung zwischen der Seele und dem kalten Intellekt. [...] Die Vergötzung des Geistes, wie sie Jahrzehnte hindurch in unserem Volk betrieben wurde, führte zur Zerstörung der naturgegebenen Ordnung. Der Weg des geistigen Menschen jener Zeit ging durch das Tor, über dem 'Wissen ist Macht' geschrieben stand, in ein Land der Verneinung. Dem intellekturellen Dünkel galt der Geist mehr als Volk, Fahne und Vaterland.

Wir Nationalsozialisten leugnen nicht die Macht des Wissens, aber wir dienen ihr nicht, sondern wir befehlen ihr. Was die Jugend auf unseren Schulen lernt, das soll sie nicht zu Zweiflern und damit zu Schwächlingen mache, die vor jede gute Tat die feige Frage nach ihrer Rentabilität setzen. [...] Die Waffen des Intellekts werden dieser Generation gegeben, und zwar die stärksten und härtesten, aber sie sollen nicht um ihrer selbst willen zu einem törichten und verderblichen Scheingefecht untereinander gebraucht werden, sondern einer höheren Idee dienen, so wie wir heute alles, was Deutschland an geistiger Kraft hat, in den Dienst eines guten Glaubens stellen, der uns glücklich macht."

Anschließend hebt Robert Ley in seiner Ansprache die Bedeutung der HJ als Organisation hervor, die die jungen Menschen "durch die harte Schule des Lebensmutes, der Tapferkeit und Einsatzbereitschaft" forme. Aus dieser Jugend komme die Auslese für die AHS, und es komme der Tag, an dem das ganze System der Schulung der Jugend vollendet sein werde.

Dann verweist Ley auf seine biografische Anbindung an Waldbröl, wo er seine Jugend verbracht hat. Die Kreisstadt habe sich in der "Kampfzeit" mit ganzer Kraft für das "Werk Adolf Hitlers" eingesetz. Und so werde auch hier eine Kreisburg gebaut, hier und in jedem anderen Kreis.

Anschließend verliest Gauleiter Grohé die Urkunde, die in den Grundstein gelegt wird, und Ley nimmt die Grundsteinlegung vor.

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