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Ereignisse
1938
Oktober

Der Kreisschulungsleiter berichtet aus Lippe

Am 5. Oktober 1938 verfasst der Kreisschulungsleiter des NSDAP-Kreises Lippe folgenden Stimmungsbericht:

„1. Die Stimmung ist z. Zt. gut. Die sudetendeutsche Frage beschäftigt auch den Letzten. Gerade in so ereignisreichen Tagen kann man am besten die Stimmung beurteilen. Mit Ausnahme von ganz wenigen stand das Volk in den kritischen Tagen zu den Forderungen Adolf Hitlers. Man konnte feststellen, dass sich heute alle für Politik interessieren, wenn auch hier und da Mangel an Vermittlung über politische Geschehen festzustellen war. So stellte ich vor wenigen Tagen noch fest, dass in einer abgelegenen Gemeinde unseres Kreises noch 1/3 der Bevölkerung keine Zeitung hält und nicht im Besitz von Radio ist. Einmal ist diesen Menschen, zumal wenn sie weit vom Zentrum liegen, keine Gelegenheit gegeben, an dem politischen Geschehen teilzunehmen, und zum anderen sind es gerade diese Menschen, die in kritischen Tagen den größten Unsinn verzapfen, eben weil sie keine Ahnung von der Politik überhaupt haben. In solchen Kreisen findet man auch die, die in ernsten Zeiten gehörig vorbeischießen. So musste in diesen kritischen Tagen hier ein Werksangehöriger festgenommen werden, weil er behauptet hatte, Adolf Hitler sei der größte Kriegshetzer der Welt. Dass diese Menschen politisch so unerfahren sind, liegt auch daran, dass die Schulung in unserem Kreis, und insbesondere in dem alten Kreis Lemgo, vollständig versagt hat. Ich habe alle Vorbereitungen getroffen, auch in diesen abgelegenen Orten die Idee des Führers vorwärts zu bringen und insbesondere den Politischen Leitern dieser Orte einen klaren Überblick über die politische Lage zu geben. Im Großen und Ganzen aber kann man sagen, dass die Bevölkerung heute interessiert die Politik des Führers verfolgt.

2. Aus der Arbeit der römisch-katholischen Kirche bzw. von dem Kampf der römisch-katholischen Kirche gegen unsere Bewegung kann von hier aus kaum etwas gesagt werden, da Lippe bis auf einige kleine Orte protestantisch ist. Eigenartig aber ist, dass in den katholischen Orten wie Niese und Sabbenhausen die Stimmung außerordentlich schlecht ist. Ich muss aber hierzu bemerken, dass ich noch nicht die Ursachen geklärt habe und der katholisch-römischen Kirche deshalb noch keinen Vorwurf machen kann.

3. Der Kampf der protestantischen Kirche gegen die NSDAP tritt daher schärfer heraus. So wurde von den hiesigen Pastoren van Senden, Schmidt, Wessel und Schreck ein Rundschreiben an die Amtsbrüder losgelassen, in dem die Obenbezeichneten ihre Kollegen auffordern, den Eid auf den Führer zu verweigern. Ein anderer Pfarrer äußerte in einem öffentlichen Café, er könne nicht „Heil Hitler“ sagen, denn Hitler sei ein Schuft und ein Halunke (in beiden Fällen ist Anzeige bei der Geheimen Staatspolizei erstattet). Als die NSDAP und das deutsche Volk in dem Augenblick, als der Kampf um den sudetendeut­schen Lebensraum und die Bevölkerung aufs schärfste ent­brannte, bemüht war, die sudetendeutschen Flüchtlinge unter­zubringen und insbesondere ihre Not zu lindern, da verweiger­te das Erholungsheim Bethesda in Bad Salzuflen (dieses Heim gehört der Inneren Mission) die Aufnahme von Sudetendeut­schen. Diese Fälle beweisen, dass unsere Gegner aus dem prote­stantischen Lager keine Mittel scheuen, um die NSDAP und den deutschen Staat anzugreifen.

4. Man kann wohl sagen, dass gerade die Arbeiterschaft die treu­este Gefolgschaft des Führers ist. Wenn der Führer in kritischen Tagen ruft, Dienst für Volk und Vaterland zu tun, dann ist der Arbeiter da, obwohl seine Familie in den meisten Fällen nur sehr dürftig unterstützt wird. Er findet sich mit der ihm auferlegten Pflicht eher ab als der Beamte, dessen Gehaltsweiterzahlung gesichert ist. Gewiss gibt es hier und dort noch berechtigte Klagen in der Arbeiterschaft. Es gibt eine Anzahl Betriebe, die ungeheuer leistungsfähig sind, die einen Fabrikbau nach dem anderen errichten und dennoch einen kärglichen Lohn zahlen. Diese Fälle aber sind der Deutschen Arbeitsfront und dem Reichstreuhänder der Arbeit zur Genüge bekannt und werden sicherlich bald einer Prüfung unterzogen werden. — Die Betriebe stecken heute bis über die Ohren in Arbeit und haben kaum Zeit, sich in anderen Dingen zu verlieren. Es muss abgewartet werden, ob die Wirtschaft die große Ankurbelung durch den Führer und seine Bewegung auch zu würdigen versteht.

5. Mit Ausnahme der größeren Städte unseres Kreisgebietes wird kulturell kaum etwas geboten. Wie dem Gauschulungsamt bekannt ist, lässt die kulturelle Arbeit im Kreise Lippe sehr zu wünschen übrig. Ich habe mich deshalb mit der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ zusammengesetzt und eine neue Basis geschaffen, auf der jetzt aufgebaut werden kann ... Ich werde mit allen Mitteln versuchen, gerade der Landbevölkerung kulturell etwas zu bieten und glaube, bald in der Lage zu sein, zu melden, dass ein Erfolg zu verzeichnen ist. In den Städten wird ja durch das Theater, die Veranstaltungen von „Kraft durch Freude“ und in den Städten Detmold und Lemgo durch die Wagner-, Grabbe- und Engelbert-Kämpfer-Woche Wesentliches geleistet.“

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