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Ereignisse
1944
September

Situation der Bonner Schulen

Am 13. September 1944 verfasst der Bonner Schulrat Speckamp folgenden Lagebericht zur Situation der Bonner Schulen für den Regierungspräsidenten in Köln:

„Seit meiner Rücksprache auf der Regierung am 5. ds.Mts. sind auch die Bonner Schulen stärker in den Gang der Ereignisse hineingezogen worden.

Bis jetzt sind 26 männliche Lehrkräfte notdienstverpflichtet. Die Kreisleitung hatte in der Angelegenheit am 9. ds. Mts. Fühlung mit mir genommen. 4 von den abgeordneten Lehrkräften sind inzwischen zurückgekehrt.

Drei Schulgebäude sind vor knapp 8 Tagen als Auffangstellen eingerichtet worden. Der Unterricht in 3 Schulen musste infolgedessen zunächst ausgesetzt werden. Da die Unterbringung der Flüchtlinge als kurzfristig gedacht war, konnte, abgesehen von Gründen der Entfernung, eine Verlegung der erwähnten Schulen in andere Schulen nicht erfolgen, zumal sämtliche Schulen bereits in Doppelschicht arbeiten und bei dem Zustand des Daueralarms die Einrichtung einer dritten Schicht wenig Sinn gehabt hätte. Für den Fall einer Besserung der Luftlage war diese selbstredend ins Auge gefasst. Die Lehrkräfte der vorgenannten 3 Schulen habe ich für die notdienstverpflichteten Lehrkräfte an den weiter arbeitenden Schulen eingesetzt.

Heute Morgen musste ein weiteres Schulgebäude zur Unterbringung militärischer Stellen in Anspruch genommen werden. Ich hatte bei der Stadt darauf gedrungen und erreicht, dass mir zum Ausgleich 6 Klassen der Berufsschule zur Verfügung gestellt wurden. Weiterhin habe ich im Interesse der Volksschulen als der Grundlage aller schulischen Arbeit auf die im Universitätsgebäude vorhandenen Möglichkeiten zur Unterbringung von Flüchtlingen und Truppenkörpern hingewiesen.

Nachdem ich in den letzten Tagen angeordnet hatte, dass der Unterricht für die Schulneulinge einstweilen ausgesetzt würde, hat nunmehr der Herr Oberbürgermeister als örtlicher Luftschutzleiter heute Morgen sämtliche Schulen geschlossen. (Die höheren Schulen haben infolge Belegung ihrer Schulen nur 1 bis 2 Tage nach den Ferien unterrichten können).

Der Unterricht ist bis heute während der Alarmzeit, vor allem während der Ö.L.W., in den Luftschutzkellern und Bunkern (Zellen) in einer den Verhältnissen angepassten Weise durchgeführt worden. Die schriftliche Betätigung musste im Allgemeinen notgedrungen hinter der mündlichen Arbeit zurücktreten. Rechnen, Lesen, Erzählen wurden vor allem geübt. Die Schulaufsicht vollzog sich infolge der Luftlage meistens in der Form von Besuchen der Bunker und Luftschutzkeller, in denen die einzelnen Klassen eines Systems kurzfristig besucht wurden. Vor allen wurde auf Ordnung und möglichste Beschäftigung gedrungen. Methodische Einzelfragen mussten zurücktreten.

Für die Lehrkräfte ist für die Dauer der Stilllegung der Schulen Bereitschaftsdienst eingerichtet worden. Sie stehen jederzeit zu meiner Verfügung und werden entsprechend den gegebenen Notwendigkeiten und Möglichkeiten eingesetzt.

Sofern sich die Verhältnisse wesentlich ändern, werde ich erneut berichten.“

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