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Ereignisse
1944
September

Bericht über kirchliche Betreuung in der KLV

Mitte September 1944 berichtet Pfarrer W. Heynen aus Köln-Mülheim über seinen Dienst an den Evakuierten in der Zeit vom 14. August bis 13. September 1944.

Am 14.8.44 wurde ich auf Veranlassung der Rheinischen Bekenntnissynode und nach Beurlaubung seitens meiner Gemeinde Köln-Mülheim vom Evangelischen Konsistorium der Rheinprovinz mit der Betreuung der Evakuierten in der Ostmark beauftragt und in den Gau Niederdonau entsandt. Als Ausgangspunkt der Arbeit war durch den Beauftragten beim Wiener E.O.K., Pfarrer Schult, das günstig central gelegene Pfarramt Neunkirchen ausersehen, das einen Bezirk von 1200 qm (?) mit 60 pol. Gemeinden und ca. 300 Ortschaften umfasst.

In dieser Zeit haben wir miteinander folgende Lager besucht:

am Semmering: Die Lager Silberschlössl, Helmer und Weinerheim
in Maria-Schutz: Die Lager Langner, Petterhof, Waldhof, Marienhof
in Mönichkirchen: die Lager Erika, Waldhof, Prenner, Mitteregg
in St. Corona: die Lager Hantich und Strobl
in Payerbach: das Lager Mühlhof,
in Schlagl: das Lager Westermeyer
in Küb: das Lager Wegeröhof,
so dass mir später noch die Lager Raxblick bei Prein und das Lager Leckner in Edlitz übrigblieben.
Neu entdeckt wurden die bisher nicht auf der Liste stehenden Lager in Preis, das Lager Orthof bei Prein, die Lager Singerin und Kaisersbrunn bei Nasswald.

Mit den Leitern und Leiterinnen, von denen wir meist sehr freundlich begrüßt wurden, haben wir Fühlung genommen und weitere Arbeit vereinbart.

In den Lagern in Maria-Schutz wurde der Religionsunterricht regelmäßig durch eine Lehrkraft, Frau Gebhardt, erteilt, ebenso in den Lagern in Mönichkirchen durch Frl. Hamann und Frl. Backhaus. Es wurde mit den Lehrerinnen vereinbart, dass sie, wie es zum Teil schon geschah, auch den Stoff des Konfirmandenunterrichtes mit in ihrem Lehrplan hineinnehmen, so dass die Mädchen alle 1945 oder bei ihrer nächsten Beurlaubung ihren Heimatpfarrern als reif zur Konfirmandenprüfung überwiesen werden können. Die Lehrerinnen wurden mit Unterrichtsplänen und Lehrbüchern ausgerüstet. So liegt der Unterricht in beiden Lagern in den besten Händen. Die Kinder werden zum Teil aus der Heimat mit Konfirmanden-Briefen regelmäßig versorgt (Vikarin Freiling, Sterkrade) und legen alle Wert darauf, in der Heimatgemeinde konfirmiert zu werden.

In den Lagern Mühlhof bei Payerbach und Wegerohof bei Küb kann kein Religionsunterricht mehr erteilt werden, da sich dort nur Mädel über 14 Jahren befinden. (Frauenschule und Kindergärtnerinnen-Seminar). Doch konnten für die Mädchen Abendandachten in der kath. Kirche in Payerbach gehalten werden, bei deren Ausgestaltung meine Tochter mithalf. Solange die Lager noch bestehen, d.h. nicht, wie täglich erwartet wird, zur Rüstungsarbeit eingesetzt werden, sollen diese Abendandachten alle 14 Tage fortgesetzt werden. Auch in Mönichkirchen wurde an Werktagen nachmittags 2-3 Uhr Gottesdienste in der kath. Kirche gehalten.

In Maria-Schutz wurde ein Waldgottesdienst gehalten und die regelmäßige Teilnahme der Mädchen (Deutsche Oberschule aus Oberhausen) an den monatl. Gottesdiensten beim Bärenwirt (zwischen Semmering und Maria-Schutz) verabredet. Die Beteiligung seitens der Lehrer- und Schülerschaft war eine denkbar erfreuliche. Schwierigkeiten entstanden nur in St. Corona bei der Deutschen Oberschule für Jungen aus Oberhausen, wo der Leiter Stud. Rat. Fritz zu keiner Veranstaltung einladen oder die Jungen beurlauben wollte ohne eine besondere Erlaubnis des Gebietsführers. Verhandlungen darüber sind im Gange.

Sonst sind die rheinischen Kinder in allen Lagern mit Unterricht und Gottesdiensten versorgt.“

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