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Ereignisse
1944
Mai

Einführung des „Tages der Härte“

In Folge Nr. 3/44 des „Nachrichtenblatts KLV“ des Beauftragten für die Erweiterte Kinderlandverschickung in Böhmen und Mähren heißt es im Mai 1944:

„Tag der Härte

In den Jungenlagern Böhmen und Mährens wird wöchentlich ein ‚Tag der Härte‘ eingeführt. An diesem Tage sollen die Jungen möglichst aus sich heraus irgendetwas vornehmen oder durchführen, was besondere Willenskraft oder körperliche Zähigkeit von ihnen verlangt. Möglichst soll jedes Mal irgendetwas anderes gemacht werden oder eine Steigerung der Leistung erzielt werden.

Die Lagermannschaft kann zum Beispiel ausmachen, auf dem Weg zur Schule an diesem Tage kein Wort zu sprechen. Zwar darf den Jungen kein Essen entzogen werden, aber an diesem Tage kann das Mittagessen einmal die Mahlzeiten enthalten, die wenig beliebt sind. An einem heißen Tag wird nichts getrunken, morgens kein Kaffee, abends kein Saft, tagsüber kein Wasser.

Eine besonders gute und lange Marschleistung, sogar bei schlechtem Wetter, wird durchgeführt. (Schuhe und Kleidung sind dabei natürlich nicht über Gebühr anzustrengen). Bei gutem Wetter wird barfuß gelaufen, wenn der Weg auch noch so steinig ist.

Diese wenigen Anregungen zeigen schon, dass die Erfindungsgabe der Lagermannschaft selbst noch viele Möglichkeiten schaffen wird. Wesentlich ist, dass nicht immer Befehle des Lagerleiters oder des Lmf. ausschlaggebend sind, sondern der freie Wille der Jungen, an diesem Tag der Härte immer mehr von sich selbst zu verlangen.

Aufgabe der Lagerleitung und des Lmf. ist es, dafür zu sorgen, dass nicht etwa gesundheitliche Schädigungen durch Überanstrengung oder Erkältung vorkommen.

Es ist auch gut möglich, dass die einzelnen Stuben oder Kameradschaften einen Härtewettkampf lagermäßig durchführen, bei dem die härtesten Kerle für die originellsten und größten Leistungen in irgendeiner Weise ausgezeichnet werden. Es soll natürlich niemand auf die Idee verfallen, wie ein indischer Fakir auf Glasscherben zu schlafen. Alle Maßnahmen müssen im Rahmen des Jungenmäßigen bleiben. Es ist bis zum 15. Juni an die Abteilung Führung und Ausrichtung zu berichten, wie die ersten Tage der Härte durchgeführt worden sind. Berichte der Jungen sind dazu besonders willkommen.“

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