Menü
Ereignisse
1944
August

Die OfJ Köln-Nippes zur Situation der LWH

Anfang August 1944 berichtet Betreuungslehrer Egelhoff von der Oberschule für Jungen in Köln-Nippes über die Situation der Luftwaffenhelfer.

Klasse 7:

„A. Die Fürsorge war in den letzten Monaten bei L 51715 befriedigend.

Bei L 51715 werden im Allgemeinen die Schlafzeiten nach nächtlichem Alarm am Morgen zugegeben.

Bei L 30573 ist meist um 7 Uhr Wecken. Zapfenstreich 21 Uhr scheint im Hochsommer zu früh zu sein, so dass nach längeren Alarmen in der Nacht nicht immer 8 - 10 Stunden Schlaf erreicht werden. Hier ist die Verpflegung ausreichend, aber schlecht zubereitet, insbesondere fehlt die Abwechslung, obwohl die Jungen täglich 0,50 RM für Gemüse zuzahlen. Die Abendportionen genügen nicht, sodass die Jungen sich von zu Hause das Fehlende mitbringen müssen. Die ihnen zustehenden 125 gr. Marmelade bekommen sie ebenfalls nicht. Die Jungen bekommen keinen Bohnenkaffee wie die Soldaten, aber auch keine Süßwaren, wie die zivilen Jugendlichen.

Während bei L 51715 die Schule der Batterie Fußbälle, Boxhandschuhe, Keulen, Medizinbälle für den Sportbetrieb der Luftwaffenhelfer zur Verfügung gestellt hat, fehlen solche bei L 30573 vollständig. Hier wird kein Sport betrieben.

Der Wäschewechsel (Bettwäsche) ist sechswöchentlich und länger bei L 51715. Obwohl alle LWH ihre Leibwäsche zu Hause waschen lassen, bekommen sie dafür seit 5 Monaten weder Seife noch Seifenkarten.

Die Beurlaubung erfolgt bei L 51715 mit 1 x 48 Stunden im Monat.

In der Baracke von L 30573 (für 12 Mann ein Raum) regnet es durch. Obwohl eine gute Baracke leer steht, wird diese nicht zur Wohnbaracke genommen. Die Unterbringung hier ist schlecht.

B. Ganz allgemein genügt die Zeit, die den LWH zur geistigen   Erziehung zur Verfügung gestellt wird, in keiner Weise den Anforderungen, die die höhere Schule stellen muss. Insbesondere ruft der zweimalige 16-tägige Urlaub im Jahr eine derartige Störung und Hemmung hervor, dass die Jungen, wenn noch die vielen Alarme während des Unterrichts hinzukommen, in ihren Leistungen gar nicht mit denen in der Schule zu vergleichen sind. Das störende Fehlen einer Anzahl von Jungen bei „L 15“ das in letzter Zeit sehr häufig vorkam, ist besonders hervorzuheben.

Infolge der geringen Zeit, die neben Alarm, Schlafen, Essen und Dienst in Batterie und Schule (einschließlich Arbeitsstunden) zur Verfügung steht, kann an eine Freizeitgestaltung und eine Erhaltung der geistigen Aufnahmefähigkeit nicht gedacht werden.

C. Hierzu ist nur Erfreuliches zu berichten. Unterrichtsräume und Zusammenarbeit der Fachlehrer untereinander lassen nichts zu wünschen übrig.

D. Die Zusammenarbeit mit den Einheitsführern erfolgt reibungslos.

E. Die Lehrkräfte warten noch immer auf die Zuweisung von Kleidungsstücken (insbesondere Schuhe).“

Klasse 6:

„A 1. Unterbringung und Verpflegung und Betreung der LWH waren zufriedenstellend.

Der Schlaf war im Allgemeinen ausreichend, wenn auch die Aufhebung der Bestimmung, daß bei Alarm nach 24 Uhr diese Zeit ab 7 Uhr nachgeschlafen werden konnte. Von den LWH als Härte empfunden wurde (in Einzelfällemn) - Dies war der Fall am 27./28. Juli 1944. Es war Alarm von 0 Uhr 30 - 1 Uhr. Wecken um 7 Uhr, die Jungen hatten nicht ausgeschlafen. - Ein Ausgleich ist immer möglich, wenn die Mittagspause von 12 Uhr 30 bis 15 Uhr zum Schlafen benutzt wird.

Im Juli wurde aus mil. Gründen nur einmal Kurzurlaub gewährt.

B 1. Der Unterricht wurde, soweit er nicht wegen Alarms unterbrochen werden mußte, ordnungsgemäß durchgeführt. Vom Beginn der Schulferien, d.h. ab 13.7. wurde an 5 Schultagen unterrichtet. Es fehlten von 44 LWH durchschnittlich im Monat Juni 14 Jungen, im Monat Juli 13 durch Beurlaubung, Krankheit und Abkommandierung zu Sonderkursen.

Für sportliche Zwecke wurden von der Anstalt Lederbälle für Fuß- und Handballspiel zur Verfügung gestellt.

C 1. Es war nicht möglich, die LWH ausreichend mit Lehrbüchern zu versorgen. Dies gilt insbesondere für Deutsch und Geschichte. Das Kartenmaterial f. Erdkunde ist völlig unzureichend.

D. Die Zusammenarbeit der Lehrkräfte mit den Dienststellen der Luftwaffe erfolgte reibungslos.

E. Bekleidungsstücke, insbesondere Schuhe, wurden trotz Bedarfsmeldung nicht zugewiesen.

F: Besondere Vorkommnisse: keine.“

Baum wird geladen...