Das Gymnasium Düren zur Situation der LWH
Am 27. Juli 1944 berichtet das Dürener Gymnasium über die Situation der Luftwaffenhelfer:
„Zu A.
1. Alle Luftwaffenhelfer am Schulort, Feldpost-Nr. 54 798 Lg.P.A.Münster. Unterkunft in Holzbaracken in der Nähe Dürens.
2. Luftlage bedingt Verminderung des Schlafes, vielfach Zeichen von Ermüdung, sodass auch die geistigen Kräfte nicht voll ausgenützt werden können.
3. Gelegentlich Klagen über zu seltenen Wechsel der Bettwäsche.
4. Primitive Baracken, die zum Teil Wind und Regen durchlassen.
5. Beurlaubung plan- und regelmäßig.
Zu B
1. Unterricht und Betreuung erfolgen von Fachlehrern der Anstalt. Unterricht - 18 Wochenstunden - in den Räumen der Anstalt, lehrplanmäßig gewährleistet.
2. Zum Teil untragbare Ausfälle durch Beurlaubungen und Teilnahme an Lehrgängen.
3. Arbeitszeit - 1 Stunde täglich - zu knapp bemessen, fällt oft aus durch Postenstehn, Essenholen u.a.
4. Schüler benutzen jede Freizeit nach Möglichkeit zum Schlafen. Geistige Aufnahmefähigkeit infolge körperlicher Übermüdung sehr stark gemindert, daher Leistungsstand weiter unter dem der Normalklasse.
Zu C.
Keinerlei Schwierigkeit, da Einsatz der Luftwaffenhelfer bei Einheiten am Schulorte.
Zu D.
Keine Schwierigkeiten.
Zu E.
Entfällt, da Unterricht in der Schule, nur regelmäßig Kontrollgänge der Betreuungslehrer in die Stellung bei unerheblichen Anmarschwegen.
Zu F.
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Zu G.
Der Betreuungslehrer der Klasse 8b: gez.: Dr. Casaretto, St.Rat
Der Betreuungslehrer der Klasse 7b: gez.: Ambros, St.Rat
Der Betreuungslehrer der Klasse 6b: gez.: I.V. Ambros, St. Rat.“
Ergänzende Mitteilung vom 26.07.1944 zum Bericht:
„Infolge der besonderen Lage hier in Düren hat dieser Bericht für die Luftwaffenhelfer der Klassen 6, 7 und 8 in gleicher Weise Geltung.“
Am 1. August 1944 folgt ein weiterer „Sammelbericht“ auf der Grundlage von Angaben sämtlicher Betreuungslehrer der Schule:
„Der nachstehende Sammelbericht ist nach Rücksprache mit den übrigen Betreuungslehrern zusammengestellt.
Die Lw.Helfer der Schule sind z.Zt. örtlich stark zersplittert. Gruppen von ihnen sind außer in Düren im Gebiet von Horrem, in Jülich, in Köln und neuerdings, voraussichtlich zwar nur vorübergehend, in Hangelar eingesetzt.
Die körperlichen Kräfte der LWH sind z.Zt. überbeansprucht, da es vor allen Dingen an dem notwendigen Schlaf fehlt.
Nach einem vorübergehenden Abflauen der Feindtätigkeit und der damit verbundenen Fliegeralarme setzt in letzter Zeit in der Regel um Mitternacht Alarm ein, der meist 2 - 3 Stunden dauert. Während die den Zügen zugeteilten Soldaten nach nächtlichen Alarmen am Vormittag entsprechende Ruhe haben, müssen die Lw.Helfer zum Unterricht, ein Teil von ihnen kämpft dabei mit dem Schlaf und ist geistig nicht aufnahmefähig. Eine Stunde Bettruhe nach Mittag ersetzt nicht die verlorene Nachtruhe. -
Die Verpflegung ist zufriedenstellend, die Unterbringung als befriedigen anzusprechen. Neben dem täglichen Exerzierdienst von durchschnittlich 2 ½ Stunden bleibt für den Sport kaum noch Zeit übrig, insbesondere, da die tägliche Freizeit auch vielfach durch Postenstehen, Essenholen usw. in Anspruch genommen ist. - Für die notwendige Körperpflege ist Gelegenheit gegeben. Die Beurlaubung erfolgt nach den vorhandenen Bestimmungen.
Die Unterrichtsstunden wurden. soweit sie nicht durch Fliegeralarm unterbrochen waren, innegehalten.
Störend für den gesamten Unterricht wirken die Abkommandierungen zu längeren (14 tägigen) militär. Lehrgängen und die 14 tägige Beurlaubung während der Schulzeit. In jeder Klasse fehlen im Allgemeinen laufend 2 - 3 Schüler. - Täglich ist eine Studienstunde angesetzt. Soweit die Freizeit nicht für die oben erwähnten Verrichtungen in Anspruch genommen ist, wird sie von den Lw.Helfern noch teilweise zu Schularbeiten, zum Lesen oder Spiel benutzt.
Aus den obigen Erwähnungen ergibt sich, dass die Lw.Helfer unter schwierigeren Verhältnissen arbeiten müssen als die Schüler der Normalklassen und auch ihre Mitarbeit im Unterricht nicht immer so gewährleistet ist. So ist es erklärlich, dass der Leistungsstand der Lw.Helfer-Klassen im ganzen unter dem der übrigen Schulklassen liegt.
Da der Unterricht in den Räumen der Schule stattfindet, stehen auch die dort vorhandenen Lehrmittel zur Verfügung. Die Überwachung der Teilnahme am Unterricht erfolgt durch Führung von Kontrollbüchern, die durch Lehrer und Zugführer gezeichnet werden. - Durch Besprechungen der Fachlehrer untereinander und mit dem Betreuungslehrern ist die Zusammenarbeit gewährleistet.
Die Zusammenarbeit mit den Dienststellen und Einheiten der Luftwaffe vollzieht sich reibungslos.
Ein besonderer Anmarschweg für die Lehrkräfte entfällt, da der Unterricht in den Schulen erteilt wird.“