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Ereignisse
1944
April

Probleme beim Unterricht verlegter LWH

Der Rektor der Wüllenweberschule in Bergneustadt, Petry, bittet OStDir Halfmann, sich um einen angemessenen Lateinunterricht für die in Köln eingesetzten LWH seiner Schule zu kümmern:

„Wie ich in meinem Begleitschreiben Tagebuch Nr. 292 II vom 8.4.44 gemeldet habe, ist die 7. Klasse meiner in Köln befindlichen Luftwaffenhelfer am 4.4.44 nach der anderen Rheinseite verlegt und in die unterrichtliche Betreuung einer Oberschule in Nippes genommen worden. Wie mir meine nach Köln abgestellten Lehrer berichtet haben und auch aus mehreren Telefonanrufen von Eltern dieser Jungen hervorgeht, werden letztere anscheinend in einer Normalklasse 7 dieser OfJ unterrichtet und klagen nun sehr darüber, dass sie den Anforderungen des Unterrichts nicht gewachsen seien und infolgedessen nicht mitkämen. Ich habe darüber mit den Fachlehrern konferiert. Das Ergebnis ist, dass diese LWH in allen mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern das Grundsätzliche beherrschen müssten, wenn sie vielleicht auch nicht so vielfältig geübt sein mögen wie die Schüler einer 7 der grundständigen Oberschule. Auch D, G, Ek dürften bei gutem Willen keine Schwierigkeiten machen. Eine Ausnahme bildet lediglich das Lateinische, und die hier entstandene - vom Blickpunkt des Schülers aus berechtigte - Unzufriedenheit mag den Anstoß zu diesen Beschwerden gegeben haben. Wir beginnen den Lateinunterricht erst mit Klasse 5 (fünf!). Unsere LWH haben also zunächst einmal 2 Jahre weniger Unterricht gehabt als die Kameraden der grundständigen Oberschule. Zweitens hat diese LWH-Gruppe infolge Erkrankung des Deutschkundlers an Tuberkulose Ende November 43, Scharlachquarantäne von mehreren Wochen im Februar 44 und Teilnahme an einem 14-tägigen Schießkursus, ferner infolge Ersatzes vorgenannten Deutschkundlers durch einen Studienrat, der kein Latein geben konnte und statt dessen Englisch erteilen musste, - seit Ende November 43 kein Latein mehr gehabt. Man kann also billigerweise von diesen Jungen nicht verlangen, dass sie imstande sind, den Kameraden in 7 zu folgen. Ich weiß nicht, ob auf die Dauer eine Angleichung an die besser und länger Vorgebildeten möglich ist, halte es im Gegenteil für ziemlich ausgeschlossen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie Ihre kostbare Zeit opfern und sich gerade dieser Angelegenheit des Lateinunterrichts einmal annehmen wollten. Es ist bis jetzt meinem Betreuungslehrer Studienrat Dr. Janssen nicht möglich gewesen, den Namen des Kollegen, der in Nippes diesen Unterricht erteilt, festzustellen. M.E. müssten unsere Jungen in Latein gesondert Unterricht erhalten - etwa 3 Wochenstunden -; man könnte versuchen, durch Beschränkung auf das Notwendigste - ?? auch die Erhöhung der Wochenstundenzahl - sie zur Mitarbeit mit der Normal-7 reif zu machen. Es wäre mir sehr liebt, wenn es Ihnen gelänge, diese 3 Stunden irgendwie zu ergattern. Ich bedaure sehr, saß ich Ihnen diese unliebsame Mühe machen muss, aber meine Lateinlehrerin (einzige Fachkraft der Schule!) kommt nicht in Frage; dann habe ich nur noch zwei Lehrer, die als ehemalige Gymnasiasten den Unterricht ohne Fakultas geben könnten, von diesen ist der eine der vorgenannte erkrankte, der nicht mehr für LWH verwandt werden darf, der andere aber ist disziplinarisch schwer bestraft und darf bei LWH überhaupt nicht unterrichten.

Ich bitte Sie, sich dieser Jungen etwas anzunehmen, und danke Ihnen schon im Voraus herzlich!“

Das Problem blieb offenbar ungelöst. Am 26. Juli 1944 teilte Halfmann Petry Folgendes mit:

„Ich hatte mit Herrn Kollegen Ackermann, von dessen Schule Ihre Jungen bisher teilweise betreut wurden, vereinbart, zu Beginn der Ferien einen Fachlehrer für Lateinisch freizumachen. Leider ist dies nicht möglich gewesen. Ich kann aber spätestens bei Beginn des neuen Schuljahres einen Herrn mit drei Wochenstunden Latein für Ihre Klasse in Riehl freistellen, sofern Sie den lateinischen Unterricht nicht durch einen Ihrer Herren erteilen lassen können.

Ich bitte Sie, mir kurz mitzuteilen, in welchen Stellungen zur Zeit sich Ihre Klassen hier in Köln befinden, um wie viel Schüler es sich handelt und welche Unterstützung Sie für den Unterricht notwendig haben.“

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