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Ereignisse
1944
April

Bericht der Kölner OfJ Köln-Deutz zur Situation der LWH

Am 12. April 1944 legt Betreuungslehrer Dr. Keller von der Kölner Oberschule für Jungen Köln-Deutz folgenden Bericht zur Situation der Luftwaffenhelfer vor:

„Bericht über die Durchführung von fürsorgerischen, erzieherischen und organisatorischen Aufgaben der Betreuungslehrer der Luftwaffenhelfer. (Betreuungslehrer: Stud.Rat Dr. Keller).

Fürsorge

1. Allgemeines

Es muss anerkannt werden, dass gerade in fürsorglicher Beziehung die Zusammenarbeit zwischen BL und den militärischen Dienststellen keine Schwierigkeiten ergeben hat. Immerhin findet man das größte Verständnis für die Belange der LwH bei den verheirateten älteren Vorgesetzten, während Jüngere, vor allem Vorgesetzte aus dem Unteroffiziersstand, vielfach im LwH nur den Soldaten sehen sollen.

2. Es kann festgestellt werden, dass die leichte Flak die LwH am meisten beansprucht. Die Bat.Chefs erklären, außer den LwH keine Soldaten zur Verfügung zu haben, sodass die Helfer neben dem eigentlichen Flakdienst Nebenbeschäftigung haben, z.B. Postenstehen zur Nachtzeit bis 24 Uhr (je 1 Stunde). Die Beanspruchung, abgesehen vom Einsatz, überschreitet mit diesen Nebenaufgaben die 3-Stundengrenze manchmal bedeutend. Es müsste sich ermöglichen lassen, dass vor allem diese Nachtwachen von älteren Soldaten gestellt würden, wie es in anderen Städten der Fall ist. (Düren) Die Verpflegung ist meist gut, nur vorübergehend, bei Stellenwechsel, kommt vielfach für einzelne Tage eine Notverpflegung in Frage.

3. Es haben sich bisher keine Klagen über mangelnde Körperpflege ergeben.

4. Ich habe mich stets davon überzeugt, dass die Unterbringung fast immer gut ist. Bei plötzlichem Wechsel der Unterkunft können allerdings Misstände entstehen. Vorübergehend mussten LwH in zu grossen Mengen zusammenschlafen. Ursachen-Zerstörung der Baracken durch Brandbomben oder erstmaliger Aufbau der Stellung.

5. Die Handhabung des Jahresurlaubs ist in Ordnung. Die Gewährung des Wochenurlaubs ist auch gewährleistet, ist aber durch den Dienst unregelmässig. Das gilt in noch höherem Masse von dem gelegentlichen Nachmittagsurlaub. Auch hier ist die kleine Flak wieder benachteiligt.

Erziehung und Unterricht

1. Allgemein. Hier treten die grössten Schwierigkeiten auf. Es besteht bei manchen militärischen Dienststellen nicht das genügende Verständnis für die schulischen Belange. Die Einsprüche des BL sucht man abzutun mit der Bemerkung, es sei die erste Aufgabe, den Krieg zu gewinnen. Bei Einhaltung der LwH-Bestimmung des Flakregimentes 14 Abt. 2 vom 12.10.43 würde alle Schwierigkeiten dieser Art weggeräumt sein. Immerhin ist anzuerkennen, das bisher die meisten Unstimmigkeiten aus der Welt geschafft werden konnten.

2. Durchführung des Unterrichts. Wenn nicht Alarm oder dringende einsatzmäßige Beanspruchung der LwH in Frage kommen, ist die regelmäßige Teilnahme am Unterricht gesichert. Die Erkrankungen halten sich in mäßigen Grenzen. Die Unterrichtszeit wird streng eingehalten. Zu wünschen wäre noch, dass die Besichtigungen, ärztlichen Untersuchungen u.s.w. nicht in die Unterrichtszeit fielen.

3. Arbeitsstunden. Es wird vielfach über zu geringe Vorbereitungszeit geklagt. Die eine Stunde Vorbereitung, wie sie im Erlass des Luftgaukommandos 6 vom 16. Juli 1943 aufgestellt ist, genüge durchaus nicht, selbst nicht bei den geringsten Anforderungen. Die militärischen Stellen verwechseln vielfach die Freizeit mit der Vorbereitungszeit zum Unterricht. Es wäre zu wünschen, dass von höherer Stelle befehlsmäßig wenigstens 2 Stunden Vorbereitungszeit außer der Freizeit angeordnet würde.

4. Freizeitgestaltung. Die Schüler können aus der Schulbücherei der Stammschule mit Lektüre versorgt werden. Im Allgemeinen vertreiben sich die Schüler mit Musik, Gesang, Lektüre und allerlei Kurzweil.

5. Disziplinarfälle. Konflikte zwischen den LwH und den schulischen Pflichten sind bisher nur bei 1 Schüler zu verzeichnen. Derselbe LwH hatte aber mit den militärischen Stellen dauernde Zusammenstöße. (Dreimalige Kriegsgerichtsverhandlungen.) Die Schuld lag in allen Fällen bei dem Schüler. In 2 leichten Zusammenstößen lag die Schuld bei den 2 Unteroffizieren, die auch von den Vorgesetzten bestraft wurden.

Organisatorische Arbeit des BL´s.

1. Allgemein. Diese beruht zur Hauptsache in der Zusammenarbeit mit dem Einheitenführer. Diese Zusammenarbeit war bisher durchaus gut, wodurch alle auftretenden Unstimmigkeiten sofort beseitigt werden konnten.

2. Die Unterrichtsräume sind in Ordnung. Nicht befriedigend sind die Lehrmittel für Chemie und Physik, da auch kein Unterrichtswagen vorhanden ist. Bei der dauernden Einsatzbereitschaft ist es auch nicht möglich, von Zeit zu Zeit die entsprechenden Lehrräume der Stammschule aufzusuchen.

3. Der Unterricht, resp. die Teilnahme am Unterricht wird überwacht von der Lehrerschaft wie auch von dem militärischen Betreuungspersonal.

4. Die Zusammenarbeit der Fachlehrer ist gewährleistet durch regelmäßige Konferenzen der Lehrer untereinander und der Lehrer mit dem Leiter der Stammschule. Außerdem berichtet der BL fast jede Woche einmal dem Direktor der Stammschule, mit dem er auch in weiteren fernmündlichen Unterhaltungen steht.

D. Zusammenarbeit der Dienststellen und Einheiten der Luftwaffe.

In jeder Stellung ist ein Betreuungsoffizier oder Betr. Unteroffizier, der dem Bat. Chef dauernd berichtet.

E. Lehrkräfte.

Da wir 3 Stellungen zu betreuen und dort zu unterrichten haben, ist es nur möglich, mit dem Fahrrade dorthin zu kommen, weil diese Stellungen z.T. bis 6 km auseinanderliegen. Dabei können alle Lehrkräfte ihre Wohnungen beibehalten. Bekleidungsstücke sind bisher den Lehrkräften nicht zugewiesen worden.

F. Besondere Vorkommnisse.

G. Bemerkungen.

Bei Verschiebungen ganzer Klassen von Luftwaffenhelfern wird manchmal nicht zweckentsprechend verfahren. So wurde die 6. Kl. der LwH unserer Schule von Höhenberg nach Westhofen verlegt, und an ihre Stelle rückte die 6. Kl. der Schule in der Spiesergasse. Man hätte die letztere nach W. schicken müssen, die dadurch nichts verlor, wogegen der Unterricht der Unsrigen auseinandergerissen wurde. Ähnliche Fälle gibt es mehrere.“

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