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Ereignisse
1944
April

Bericht der Wüllenweber-Schule Bergneustadt zur Situation der LWH

Am 8. April 1944 berichtet Betreuungslehrer Janssen von der Wüllenweber-Schule in Bergneustadt über die Situation der Luftwaffenhelfer:

„"Von der Wüllenweberschule befinden sich z.Zt. = 11 LWH Jahrgang 1927, Klasse 6 in Köln-Höhenhaus und werden unterrichtlich durch St.-R.Dr. Janssen (Deutschkde u. Frdspr.) und St.-R. Schneider (Ma. u.Natwiss.) versorgt. Sieben LWH des Jhgs. 1927 der Klasse 7 sind am 4.4.44 nach Köln-Niehl (oder Riehl?) verlegt worden und werden anscheinend von einer anderen Schule betreut. Dr. J. konnte am 5.4. in K.-Höhenhaus hierüber nichts Näheres erfahren.

A Fürsorge: Gute Betreuung durch Zuführer Ltn. Lessmann (Abiturient), wichtig, dass es ein Offizier ist, kein Uffz., der die Jungen kasernenmäßig „drillen“ will; alle LWH merkwürdig oft erkältet, Pkt. 2: läßt sich nicht regeln, weil abhängig v.d. milit. Beanspruchung (Alarmhäufigkeit), Mittagsruhe muss streng eingehalten u. milit. scharf überwacht werden; Verpflegung gut, Unterkünfte sauber, Lage der Stellung unweit Autobahn bequem u. sauber, Zugänge durch Verwendung von Kleinpflaster sauber angelegt. Sport kommt nicht in Frage, Körperpflege müsste militärisch überwacht werden; Unterbringung in Köln entgegen Urfeld gut, Beurlaubung durch die milit. Stellen großzügig, zur Bewahrung gerade unserer ländlichen Jungen vor Großstadtgefahren haben wir Stadturlaubssperre erwirkt.

B. Durch Krankheit u. Urlaub fehlt beim Unt. regelmäßig ein Dritte der LWH; Einhaltg. d. Unt.-stunden i.a. regelmäßig; Einhaltung der Arbeitsstunden muss scharf überwacht werden, sonst faule Ausreden; Freizeitgestaltung kommt aus Zeitmangel nicht in Frage; außerdienstliche Überwachung (nachts, falls kein Alarm!) schon zur Vermeidung geschlechtlicher Exzesse unbedingt erforderlich. Beschw.-Mögl. ist durch d. Betreuungslehrer gegeben.

C Schwierigkeiten des natwiss. Unterrichts! In Chemie Reagenzglasversuche, in Physik haben wir kleine Gruppen gebildet, etwa 3 Mann, jede Woche kommt 1 Gruppe z .Stammschule, ihr werden die Experimente vorgeführt, sodass in jedem Monat die ganze Klasse alle Versuche gesehen hat. Falls sich dies auf die Dauer nicht durchführen lässt, muss die nächstgelegene Oberschule aushelfen. In Urfeld sind wiederholte Versuche des Fachlehrers, in der OfJ in Bonn (Ernst Moritz Arndt-Schule) zu arbeiten, an juristischen Bedenken der Verantwortlichen gescheitert. Zusa.-arbeit d.Fachl.u. mit der Stammschule ist dad. gewährleistet, dass der Betr.-L. an der Stammsch. Unt. erteilt u. an allen Besprechenden teilnimmt.

D Zusammenarbeit mit d. milit. Dienststellen reibungslos.

E Lage u. Anmarschwege in Köln-Höhenhaus günstig (Straßenbahn); keine Verpflegung, Unterbringung unnötig (wäre im Notfalle möglich), Kleidungsstücke bis jetzt nicht beantragt, jetzt werden Schuhe benötigt (Dr. Janssen Nr. 45), St.-R. Schneider hat s. Wettermantel im LWH-Dienst verbraucht, kann aber auf den ihm ausgestellten Bez.-schein keinen Ersatz erhalten, da er nicht Fliegergeschädigter ist. Die Bezugsscheine der LWH-Lehrer müssten auf die gleiche Dringlichkeitsstufe wie die des Militärs gestellt werden.

Gestellung von Fahrzeugen ist nicht beantragt worden.

F. Besondere Vorkommnisse: ---------

G: Bemerkungen: Die Jungen fühlen sich in Köln-Höhenhaus wohl. Die militärischen Stellen haben Verständnis für die besonderen Verhältnisse und Belange der LWH.

1. Übersicht über die Beschäftigung der Luftwaffenhelfer-Lehrer.

11 LWH Jahrg. 1927, Kl. 6 in Köln-Höhenhaus, zu dieser Klasse sollten Schüler einer Kl. aus Düren kommen. Kl. 7 ist von Köln-Höhenhaus über den Rhein nach Niehl (oder Riehl) verlegt und soll anscheinend ganz von einer anderen Schule betreut werden; 7 Mann.

Von der Wüllenweberschule sind zum Unterricht tw. abgestellt

a) als Lehrer f. Deutschkunde u. Frdspr.: St.-R. Dr. Janssen.

Er erteilt in Köln-Höhenhaus 10 Stdn, an der Stammschule in 3:D 5, Ek 2, in 4: G 3 zusammen 10 Stdn, an die LWH an der Aggertalsperre (21,Kl.5) D3, Ek 2     5 Stdn, zusammen 25 Wochenstunden. Dr.J. muss 3 Tage in Köln und 1 Tag an der Aggertalsperre arbeiten. Für die restlichen beiden Tage habe ich ihn mit der täglichen Durchschnittszahl von je 5 Stunden eingesetzt.

b) als Lehrer f. Math. und Natwiss. St.-R. Schneider. Er gibt in Köln-Höhenhaus: 8 Stdn, dazu f. diese LWH 1 physik. Übungsnachmittag mit wöch. 2 Stdn, an der Stammschule in den Klassen 5: Ch 2, Ph 1, 6: Ch 2, Ph 2, Biol 2, 7: Ma 3, Ph 2, Ch 2, Biol 2, zusammen 18 Stdn, zusammen also 28 Wochenstunden.

2. Die Unterrichtsstundenzahl aller Lehrer ist gemäß Erlass OP. v. 2.3.44 -Gen. Nr. 333-erhöht worden. Eine Unterrichtsverteilung habe ich der Behörde zum 20.3.44, wie der Erlass es vorschreibt, eingereicht und dabei den Unterricht bei den beiden LWH-Gruppen (Köln und Aggertalsperre) eingesetzt. Klassenteilungen sind nicht vorgenommen worden, obwohl 3 = 58 (!), 4 = 52, 5 nach Abgang der LWH immer noch 27, 6 = 16, 7 = 15 Schüler(innen) zählen. Eine Zusammenlegung mit Nachbarschulen kommt nicht in Frage. Unterrichtskürzungen treten nicht ein. Infolge Erkrankung eines Assessors, über dessen Dienstfähigkeit noch nichts gesagt werden kann, und des nebenamtlichen Zeichenlehrers wird keine Lehrkraft (vorläufig) frei, trotz Erhöhung der Pflichtstundenzahl.“

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