Alternativen zur Verlegung von LWH
Um die mit Verlegungen verbundenen Unterrichtsausfälle zu vermeiden schlägt der Sonderbeauftragte des Reichserziehungsministers für den Einsatz von LWH beim Oberpräsidium in Münster seinem Ministerium vor, an Stelle der Jugendlichen zunächst Flaksoldaten an die neuen Einsatzorte zu entsenden, die später von Luftwaffenhelfern aus der jeweiligen Umgebung ersetzt werden könnten:
„Wenn eine Batterie von ihrem bisherigen Einsatzort so weit verlegt wird, dass die unterrichtliche Betreuung durch Lehrkräfte der Stammschule nicht möglich iist, so fällt der Unterricht der Luftwaffenhelfer erfahrungsgemäss wochenlang aus, da eine unterrichtliche Betreuung durch Lehrer benachbarter Schulen entweder überhaupt nicht oder erst nach geraumer Zeit durchführbar ist.
Die Bildung sogenannter „beweglicher Lehrkörper“ scheitert zunächst am Mangel an Lehrkräften.
Ich erlaube mir deshalb, folgenden Vorschlag zu unterbreiten, den ich auch dem Luftgaukommando VI gemacht habe.
Bei jeder Division oder Flakgruppe wird ein „beweglicher Zug von Flaksoldaten zur besonderen Verwendung“ gebildet, der anstelle der Luftwaffenhelfer bei der Verlegung einer Batterie in eine weit entfernte neue Einsatzstelle mitgeht und am neuen Einsatzort so lange verbleibt, bis er durch Luftwaffenhelfer aus der Umgebung der neuen Einsatzstelle ersetzt werden kann.
Für den Unterrichtserfolg ist es von wesentlicher Bedeutung, dass der Unterricht der Luftwaffenhelfer nicht unterbrochen wird, und dass möglichst kein Lehrerwechsel eintritt. Wenn die Luftwaffenhelfer bei Verlegung von Batterien zurückgelassen werden, wird ausserdem die Verbindung zum Elternhaus aufrechterhalten bleiben und viele Klagen der Eltern werden gegenstandslos.
Meines Erachtens müsste es selbst unter Berücksichtigung des Personalmangels möglich sein, bei jeder Flakdivision oder Flakgruppe einen solchen beweglichen Zug von Flaksoldaten zur besonderen Verwendung zu bilden.
Ich bitte, meinen Vorschlag zu prüfen und dem Reichsluftfahrtminister unterbreiten zu wollen.
Zur Begründung meines Vorschlages weise ich auf folgende Vorgänge hin: Wie ich bereits berichtet habe, wurde kurz vor Weihnachten eine Batterie von Dortmund nach Bruck a.d. Muhr verlegt. Etwa 35 Luftwaffenhelfer gingen mit. Auf meinen Einspruch wurde mir erklärt, dass auf die Luftwaffenhelfer nicht verzichtet werden könnte, da die Batterie sonst nicht feuerbereit sei. Tatsächlich aber wurden die Luftwaffenhelfer, nachdem sie 1000 km gefahren waren, sofort auf Weihnachtsurlaub geschickt und wurden im Februar nach Dortmund entlassen. Das Entgegenkommen der Luftwaffe muss anerkannt werden. Die Tatsache aber, dass die Luftwaffenhelfer unmittelbar nach ihrem Eintreffen am neuen Einsatzort beurlaubt wurden, beweist, dass sie entbehr werden konnten.
Vor kurzer Zeit wurde eine Batterie aus Neuss nach Stadlan bei Wien verlegt. Von den mitgenommenen 16 Luftwaffenhelfer gingen ebenfalls einige auf Heimaturlaub, andere wurden zwecks Musterung für den Reichsarbeitsdienst nach Neuss zurückgeschickt, fuhren dann an den neuen Einsatzort zurück, um kurze Zeit darauf zwecks Einberufung zum RAD wieder nach Neuss zurückzukehren. Die Jungen mussten demnach eine Strecke von 1000 km in sehr kurzer Zeit 4 mal zurücklegen. Abgesehen davon, dass die Bahn durch derartige Maßnahmen unnötig belastet wird, haben Eltern und Schulleiter für ein derartiges Verfahren kein Verständnis. Die im neuen Einsatzort zunächst verbliebenen Luftwaffenhelfer wurden nach Angabe des Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Stadlan meist mit Innendienst oder Kartoffelschälen beschäftigt. Ende Februar sind die restlichen 7 Luftwaffenhelfer nach Neuss zurückgekehrt. Es dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen, dass die abgebende oder aufnehmende Division für diese wenigen Luftwaffenhelfer hätte Ersatz durch Soldaten stellen können.
Ich bitte daher, meinen Vorschlag dem Luftfahrtminister zu unterbreiten.“