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Ereignisse
1944
Januar

LWH-Bericht der OfJ Spiesergasse

Am 8. Januar 1944 berichtet die Kölner Oberschule für Jungen in der Spiesergasse über den LWH-Einsatz ihrer Schüler der Klassen 5 bis 8:

„In der Anlage überreiche ich einen Bericht über die Unterrichtserfahrungen in der Beschulung der Luftwaffenhelfer, die unter besonders schwierigen Verhältnissen, wie aus dem Bericht hervorgeht, durchgeführt wurde.

A Der Unterricht.

1. Physik und Chemie: Solange Scheinwerfer (1/2 Jahr), ordnungsmäßig in Brühl und Bonn; seitdem Kanonen, nur Tafel-Kreide in den Stellungen.

2. Fehlen:

a) bis zu 30% durch 14 tägigen Urlaub, der nicht ganz in die Ferien gelegt werden konnte. (Juli und Dez.).
b) bis zu 50% durch Krankheit (Gelbsucht, Angina, Grippe, Scharlach im November bis Dezember 1943.)

3. Ausfall durch Stellungswechsel:

Bei Stellungswechsel gehen normalerweise 3 - 4 Tage verloren: 1.) Abbau 2.) Umzug 3. und 4.) Aufbau. Bei Bahntransport und Umzug in schwer erreichbare Stellungen entsprechend mehr.

Klasse 8: 1. Brühl - Schwadorf - Falkenlust nach Badorf 3 Tage; 2. nach Dirmerzheim 7 Tage; 3. nach Brühl-Vochem 3 Tage; zusammen: 13 Tage
Klasse 7 (26): von Roisdorf nach Dransdorf 2 Tage; nach Graurheindorf 5 Tage; nach Brenig 4 Tage; nach Römerhof 3 Tage; zusammen: 14 Tage
Klasse 7 (27): von Bornheim nach Bonn-Buschdorf 5 Tage; von Bonn nach Schwarz-Rheindorf 4 Tage; nach Siegburg-Mülldorf u.n. Vochem 18 Tage; zusammen: 27 Tage
Klasse 6: von Mengenich nach Godorf-Berzdorf 9 Tage; nach Urfeld - Eichholz 2 Tage; nach Liblar - Köttingen 6 Tage; nach Brüggen / Erft 6 Tage; zusammen: 23 Tage

15 Mal Stellungswechsel!

Im Laufe eines Jahres sind also in 4 Klassen 77 Tage, im Durchschnitt durch Stellungswechsel 20 Tage ausgefallen.

5.) Bücher bringen die LWH von der Schule her zum großen Teil mit. Bei Versetzung wird Austausch vorgenommen. Große Schwierigkeiten bereitet die Beschaffung von deutscher Lektüre und fremdsprachlichen Texten.

6.) Die sog. Arbeitsstunden stießen bei Scheinwerferbatterien auf keine Schwierigkeiten (12 Stunden pro Woche.

Bei Kanonenbatterien kommen praktisch trotz des Entgegenkommens der Einheitsführer im Durchschnitt nicht mehr als 6 Stunden pro Woche zu Stande. Die übrigen fallen, besonders im Winter mit frühen Alarmen, durch Batteriedienst aus. Vielfach musste erst der Widerstand der Unteroffiziere überwunden werden. Die Arbeitsstunden leiden sehr durch die Enge des Raumes, gegenseitiges Stören, sie erreichen erst ihren Zweck, wenn sie unter Aufsicht durchgeführt würden.

7.) Störungen des Unterrichtes durch Eingriffe des Militärs sind selten und werden von der Schule aus sofort mit Beschwerden beantwortet.

B. Unterbringung:

1.) Die Unterbringung der LWH ist im Sommer als erträglich, im Winter als durchaus unzureichend zu bezeichnen. Die dünnwandigen Baracken sind zum Teil zugig, zum Teil am Boden morsch und verfault, zum Teil 4 bis 5 Jahre alt und verfallen.

Der sehr starke Wechsel der Batteriechefs zerschlägt leider die Ansätze zur Besserung im Entstehen. Gut gemeinte Beschwerden der Einheitsführer versanden auf dem Dienstweg, die Materialbeschaffung ist teilweise sehr schwierig. Dauernde Kontrolle des Betreuungslehrers und Vorstellung desselben sind erforderlich.

Bei plötzlichem Stellungswechsel in ländlichen Gegenden ist die Unterbringung trotz energischster Bemühungen der Batteriechefs oft völlig unzureichend. Es ist vorgekommen, dass Schüler der 6. Klasse nach Stellungswechsel 2 - 3 Wochen ohne eigene Baracken geblieben sind. Sie wurden notdürftig bei einer Nachbarbatterie untergebracht in Urlauberbetten usw. Unterricht, Kantine und Küche waren in demselben Raum. Öfen waren nicht beschafft. Baracken und Öfen wurden erst durch persönliche Vorstellungen des Betreuungslehrers beim Regiment beschafft.

2.) Die Unterrichtsräume waren anfangs, solange Scheinwerfer, in Volksschulen benachbarter Dörfer und als befriedigend zu bezeichnen, trotz Mangel an Lehrmitteln. In den Kanonenbatterien sind die Unterrichtsräume zum Teil in den Kantinen, zumeist in den Schlafräumen der LWH. Im Winter musste der Unterricht des Öfteren von den älteren Lehrern abgebrochen werden, weil trotz allen Heizens die Temperatur unerträglich war. Es kann nicht verantwortet werden, dass die Schüler in völlig durchnässten Kleider und Schuhen stundenlang in kalten Räumen sitzen.

3.) Der Urlaub der LWH ist reichlich und wird von den Einheitsführern großzügig gehandhabt. Eine vollständige Übereinstimmung mit den Schulferien ist aber aus militärischen Gründen nicht zu erreichen. Die Versorgung an den Urlaubstagen ist nach anfänglichen Schwierigkeiten bis auf einzelnen Ausnahmen in Ordnung.

4.) Bei Stellungswechsel waren die Batterien nicht immer in der Lage den Betreuungslehrern Mitteilung zu machen. Die Lehrer erscheinen in der alten Stellung und finden sie leer. Der Betreuungslehrer findet die LWH auf einem Verladebahnhof.

5.) Das Verhältnis der Schule zu den Batteriechefs ist das denkbar beste.

6.) Im Verkehr mit den Soldaten lernen die LwH all das, was sie bisher noch nicht wussten und nicht wissen sollten. Im Übrigen ist das Verhältnis gut.

7.) Sehr schlecht sind die Waschgelegenheiten: 14 Mann in drei Waschschüsseln; 8 Mann in einer selbst besorgten Waschschüssel.

8.) Die Verpflegung lässt manchmal zu wünschen übrig, im Allgemeinen ist sie ausreichend und in den einzelnen Stellungen verschieden. Im Monat Dezember 1943 z.B. in Brüggen schlecht. (Abgezählte Pellkartoffel usw.)“

 

Aus der erwähnten Anlage geht Folgendes hervor:

„Die L W H der Oberschule SPIESERGASSE sind in folgenden Stellungen eingesetzt:

1.) Klasse 8, 7 (27) und 6 (28): 5/371 Gruhlwerk II bei Vochem. Bahnfahrt (hin und zurück) 40 Minuten; Fußmarsch 40 Minuten
4.) Klasse 7 (26): 1/438 Römerhof über Brenig. Bahnfahrt 2 Stunden; Fußmarsch 2 ½ Stunden; Fuhrwerk 1 Stunde
5.) Klasse 6 (27): 4/465 Brüggen/Erft. Bahnfahrt 2 ½ Stunden; Fußmarsch; 30 Minuten
6.) Klasse 5: 5/353 Gremberg. Bahnfahrt 50 Minuten; Fußmarsch 15 Minuten.

Nach unzähligen Bemühungen ist es gelungen, die Zersplitterung der Stellungen für unsere Anstalt auf das vorstehend aufgeführte Maß zurückzuführen. Ohne das verständnisvolle Eingreifen des II b der 7. Division wäre die Zersplitterung eine viel größere und eine vernünftige Beschulung unmöglich. Trotzdem müssen auch jetzt noch für 72 Unterrichtsstunden 8 (acht) Lehrer eingesetzt werden, während unter normalen Verhältnissen 3 bis 4 Herren dafür ausreichend wären. Trotz aller Schwierigkeiten wurde der Unterricht, soweit er nicht durch die oben geschilderten Umstände behindert wurde, voll durchgeführt.

Der Einsatz der LWH

Die LWH sind eingesetzt:

1.) zu einem geringen Teil bei:

a) leichter Flak-Trupp
b) Kommando-Gerät
c) F.M.G.
d) Geschütz-Staffel

2.) zum weitaus überwiegenden Teil in der Umwertung.

Nach den bisherigen Erfahrungen wird die Umwertung äußerst selten benötigt. D.h. nur dann, wenn eines der Feuerleit-Geräte ausfällt und die Batterie als Nebenbatterie schießen muss. Auch das Planfeuerschiessen ist bisher nicht benötigt worden. Es wäre daher militärisch zu überprüfen, ob der starke Einsatz der LwH nicht im Hinblick auf diese tatsächliche Inanspruchnahme eingeschränkt werden könnte.

Gesamtunterrichtserfolg

Der Unterrichtserfolg ist nach Klassen verschieden:

In Klasse 8: erfreulich
In Klasse 7 (26) Scheinwerfer: sehr befriedigend
In Klasse 6 (27): mangelhaft
In Klasse 5: eben ausreichend.

Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass der Unterrichtserfolg im Verhältnis zu den Unterrichtserfolgen in der Schule und infolge der angegebenen Schwierigkeiten naturgemäß gering ist. Es kann aber gesagt werden, dass die Schüler selbst mit Rücksicht auf ihr späteres Weiterkommen auf diesen Unterricht drängen und erreicht wird, dass sie immerhin in Fühlung bleiben mit dem Unterrichtsstoff und in einem geistigen Training. In manchem könnte leicht Abhilfe geschaffen werden, z.B. wenn die geradezu oft unsinnigen Verlegungen unterblieben. Die Bezeichnung widersinnig ist mit Bezug auf einen der letzten Erlasse gewählt, wenn z.B. unsere Anstalt in Siegburg oder in unmittelbarer Nähe von Bonn eingesetzt war.“

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