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Ereignisse
1944
Januar

OfJ Köln-Hansaring berichtet über LWH-Einsatz

Am 6. Januar 1944 berichtet Betreuungslehrer Kreutz von der Kölner Oberschule für Jungen am Hansaring über die Situation der Luftwaffenhelfer:

„1. Nachdem der Unterricht in den ersten 3 Monaten des Jahres, d.h. von Februar bis Mai ziemlich regelmäßig stattfinden konnte, war die Arbeit in den Sommermonaten bis spät in den Herbst sehr beeinträchtigt durch verschiedenen Stellungswechsel und die Verlegung aus dem Stadtbezirk nach außerhalb. Erst seit dem Oktober ist ein geordneter Unterricht wieder möglich. Darunter haben besonders die im Sommer eingezogenen 6. Klassen gelitten.

Der Unterricht erfolgt in den Stellungen. Der naturwissenschaftl. Unterricht war folglich auf den theoretischen Unterricht beschränkt.

Das Fehlen im Unterricht war zeitweilig so störend, dass in einzelnen Stunden höchstens 1-2 Schüler anwesend waren, die die vorherige Stunde besucht hatten. Wir lassen heute jeden Fehlenden in eine List mit gleichzeitiger Angabe des Grundes eintragen, die der Betreuungslehrer allmonatlich mit dem Batteriechef durchspricht.

2. Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Schulbücher ergaben sich bis jetzt kaum. Die Jungen besaßen bereits den größten Teil der notwendigen Bücher vor der Einberufung. Vielfach war es den Herren Fachlehrern durch ihre Verbindungen möglich die Klassen texte zu beschaffen. Wir haben ferner noch in den ersten Monaten für jede Klasse eine kleine Bibliothek mit ca. 40 Büchern unterhaltender und allgemeiner Art beschaffen können. Diese Reihen werden von Zeit zu Zeit ausgetauscht. Die Ausleihe übernahm meist der Betreuungs-Unteroffizier.

3. Die Unterbringung der Jungen war sehr unterschiedlich. Die ersten Stellungen waren die besten. Auch die Unterkünfte der 6. Klasse in Klettenberg sind sehr ordentlich. Dagegen ist die Unterbringung der Jungen der Klassen 7/8 sehr primitiv. Die Räume sind zu klein, die Zahl der Betten reicht nicht einmal aus. Die Räume waren beim Bezug noch unfertig, hatten kein Licht und keine Verdunkelungseinrichtungen, sodaß die Jungen dort sehr gedrückt waren.

So fehlt auch in Berrenrath im Gegensatz zu Klettenberg ein eigener Unterrichtsraum. Der Unterricht findet in der Kantine statt oder in den einzelnen Stuben. Im ersten Falle geht eine unverhältnismäßig lange Zeit durch das Mittagessen verloren, weil die Kantine von 12 Uhr 30 bis 13 Uhr belegt ist und dann gereinigt werden muss. In den Stuben ist die schnell verbrauchte Luft und die Hitze einer intensiven Arbeit sehr abträglich.

Über die Verpflegung der Jungen im Urlaub haben wir bisher keine Klagen gehört. Wohl aber beschweren sich die Schüler bitter, dass sie nicht in den Besitz der Sonderzuteilungen gekommen wären.

4. Über die Erteilung des Urlaubs ist mit den Herrn Batterieführern dahingehend eine Vereinbarung getroffen, dass der Urlaub der schwachen Schüler nach Möglichkeit auf die unterrichtsfreien Tage gelegt wird und im Übrigen der Betreuungslehrer vor der Erteilung eines langfristigen Urlaubs gehört wird.

5. Wachtmäntel besitzen unsere Jungen nicht.

6. Das Verhältnis der Jungen zu den Batteriechefs ist außerordentlich wechselnd gewesen. Wir haben so ziemlich alle Abstufungen erlebt. Bis auf eine Stellung ließen sich alle Differenzen der Schüler mit den militärischen Vorgesetzten durch den Betreuungslehrer wegschaffen. Wir haben aber auch schon den Fall erlebt, dass die soziale Einstellung des Batteriechefs den Jungen gegenüber derart schroff war, dass ein Ausgleich nicht erzielt werden konnte. Durch diese Haltung des Batteriechefs ist die Einsatzfreudigkeit der LwH in beängstigender Weise herunter gesetzt. Dies ist um so bedauerlicher, als gerade diese Klasse - es handelt sich um eine 7. Klasse - als besonders anstellig und einsatzbereit gelobt wurde. M.E. müsste den Herren Offizieren von übergeordneter Stelle noch einmal ganz deutlich gesagt werden, daß der Betreuungslehrer hinsichtlich der erzieherischen Lenkung der Jungen viel mehr heranzuziehen ist. Es geht doch nicht an, dass die zum Teil über das Maß hinausgehenden Bestrafungen der Jungen ohne jede Rücksprache mit dem Betreuungslehrer vorgenommen werden. Bei diesen Herren ist Entziehung des Urlaubs und Massenbestrafungen - oft sogar ohne Angabe des Grundes - dauernd üblich. Es wäre wirklich notwendig, dass diesen Batteriechefs noch einmal deutlich gesagt würde, welche Stellung der Betreuungslehrer einnimmt und wie weit ihre Kompetenzen gehen.

7. Das Verhältnis der LwH zu den Leuten der Batterie ist durchweg sehr erfreulich. Wir haben im Sommer und Herbst vielfach die Soldaten mit den Jungen zu Filmstunden eingeladen, für die sich die älteren Soldaten den Jungen gegenüber sehr dankbar zeigten, besonders wenn die Batterien weit draußen lagen.

8. Der Unterrichtserfolg ist sehr verschieden in den einzelnen Klassen. Es hängt dies einmal ab von der Zusammensetzung der Klasse und von ihrer Vorbildung. Die besten Ergebnisse bracht selbstverständlicher Weise die Klasse 8, die noch das nötige Rüstzeug von der Schule mitbrachte und dazu die geistige Betätigung als Gegengewicht zu dem rein militärischen verlangte. Am unerfreulichsten war die Arbeit in den 6. Klassen. Die Jungen sind zu jung, um die Zwitterstellung Soldat; Schüler auf die Dauer ertragen zu können. Ihnen hat vor allem der naturwissenschaftliche Unterricht am wenigsten zu geben, da sie kaum je ein Experiment gesehen haben.“

Über die Unterbringung der Schüler berichtet die Schule am 8. Januar 1944:

„Klasse 8: Flak-Abt-4/65-3.Batterie

Klasse 7: Diese Batterie liegt in Altenrath in einer ehemaligen Braunkohlengrube.

Zu erreichen ist die Stellung von der Endstation der Köln-Berrenrather Eisenbahn. Die Fahrzeit beträgt von Bahnhof Köln-Sülz bis Berrenrath 30 Min. Der Fußweg zur Stellung ist besonders bei schlechtem Wetter sehr schwer zu gehen. (Dauer ca. 25 Min.)

Erschwerend kommt hinzu, dass die Zugverbindungen dorthin und zurück sehr schlecht sind. (2-3stündige Abstände).

Klasse 6a/6b: Diese Klassen liegen in der 2. Batterie derselben Gruppe. Die Stellungbefindet sich zwischen Klettenberg und Efferen. Die Stellung ist zu erreichen von der Endhaltestelle der Linie 27 in Klettenberg. Der Fußweg beträgt ca. 20-25 Minuten.

Die LwH-Klassen haben folgende Stärke:

Klasse: 6: 24 - 6: 25 - 7: 26 - 8: 12

Die Klasse 5 wird voraussichtlich nach der Ausbildung die Klasse 8 in Berrenrath/Altenrath ablösen.“

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