Bibelfreizeit für Soldaten
Obwohl ihm im März 1938 die Durchführung von Bibelfreizeiten untersagt worden war, bleibt Pfarrer Wilhelm Busch seiner Linie treu und weiterhin - wenn auch mit anderer Klientel - in dieser Richtung aktiv. Dabei wird ihm die Briefkontrolle zum Verhängnis, die die Gestapo über ihn verhängt hat. Dabei wird ein Schreiben eines Soldaten an Busch abgefangen, in dem der über ein geplantes Treffen einer größeren Soldatengruppe auf dem elterlichen Gut des Betreffenden in Ostwestfalen die Rede ist. Dabei geht es offenbar um weitaus mehr als Bibelarbeit: „Wenn hier wirklich eine Arbeit ins Leben gerufen wird, so möchte ich so gerne vermeiden, dass sie nach Schema C.V.J.M. oder E.C. abgestempelt wird. Deren Zeit ist vorbei. Wenn überhaupt, so müssen wir die neuen Arbeiten ohne Organisation ganz frei aufziehen. Es haben schon 15-20 Soldaten zugesagt. Vielleicht kommen noch mehr." Außerdem regt der Soldat weitere solcher „Freizeiten" speziell für Offiziere an.
Die Essener Gestapo gibt ihre Erkenntnisse nach Ostwestfalen weiter und als am 14 Mai 1938 am Bahnhof in Farmbeck 12 Soldaten eintreffen, stehen sie bereits unter Beobachtung. In einem polizeilichen Bericht hierüber heißt es: „Wie vertraulich festgestellt werden konnte, handelt es sich fast ausschließlich um ehem. Mitglieder der CVJM. Nach der Ankunft in Farmbeck begaben die Genannten sich nach dem Gut von Reden nach Wendlinghausen. Hier hat vermutlich eine ‚Bibelfreizeit' stattgefunden. Pfarrer Busch aus Essen war ebenfalls erschienen und hat vermutlich einen Vortrag gehalten. Näheres konnte hier vertraulich nicht in Erfahrung gebracht werden."
Offenbar schreckte die Gestapo davor zurück, in den Hoheitsbereich der Wehrmacht einzudringen. Jedenfalls wurde die Angelegenheit wohl nicht weiterverfolgt.