Kardinal Schulte zum Verbot der katholischen Jungmännervereine!
Am Sonntag, den 3. Februar 1938, wird anlässlich des am 24. Januar 1938 erfolgten Verbotes des Katholischen Jungmännerverbandes der Erzdiözese Köln in allen katholischen Kirchen der Erzdiözese ein Hirtenwort des Kölner Erzbischofs Kardinal Schulte verlesen. Darin heißt es u.a.:
„Geliebte Erzdiözesen!
Wie ihr selbst wahrgenommen oder in den Zeitungen gelesen habt, wurden am vorherigen Dienstag ganz plötzlich der Kölner Diözesanverband der Jungmännervereine und alle ihm angeschlossenen Vereine der katholischen männlichen Jugend der Erzdiözese durch Beamte der Staatspolizei für aufgelöst erklärt und alles Eigentum dieser Vereine beschlagnahmt oder sichergestellt. Diese Maßnahmen werden vielfach auch auf Gebäude, geweihte Fahnen und andere Gegenstände ausgedehnt, die nicht Eigentum der Jugendvereine, sondern der Kirchengemeinden sind und z. T: ausschließlich gottesdienstlichen Zwecken dient.
Dieses Vorgehen bedeutet einen so tiefgehenden Eingriff in die männliche Jugendseelsorge der Erzdiözese, dass die Gläubigen eine Anspruch darauf haben, von ihrem Oberhirten ein Wort der Stellungnahme und Aufklärung zu vernehmen. Vor allem erwartet ihr mit Recht eine Äußerung von mir zu der Begründung, die der Auflösungsverfügung gegeben wurde. Dieses Schriftstück beruft sich nämlich in seinen ersten Worten auf die Verordnung, die der verewigte Reichspräsident von Hindenburg i. J. 1933 'zur Abwehr kommunistischer, staatsgefährdender Gewaltakte' erlassen hat. Ihr richtet mit Recht an Euren Oberhirten die Frage: Haben die zahlreichen aufgelösten Vereine, unter den Augen ihrer Priester, unter den Augen ihres Erzbischofs sich wirklich so verhalten, dass von ihnen kommunistische, staatsgefährdende Gewaltakte zu erwarten waren? Auf diese Frage gebe ich im Bewusstsein meiner oberhirtlichen Verantwortung öffentlich und feierlich zur Antwort, die sicherlich auch auf Grund eurer eigenen Beobachtung ihr erwartet:
Es ist unrichtig, dass die aufgelösten Vereine sich kommunistischer Bestrebungen schuldig gemacht haben. Dieser Vorwurf ist eine unverdiente, schwere Kränkung ihrer geistlichen Führer, ihrer zahlreichen treukatholischen und treudeutschen Mitglieder und all der gewissenhaften Eltern, die ihre Söhne am Leben der Vereine teilnehmen ließen. Es ist eine geschichtliche Tatsache, die nicht mehr aus der Welt geschaffen werden kann, dass gerade unsere kirchlichen Jugendorganisationen ein starkes Bollwerk gegen das Vordringen des Kommunismus waren, schon zu einer Zeit, in der sie die Last dieses Kampfes fast ganz auf eigenen Schultern tragen musste. (...)
Was soll nun geschehen, damit der durch die neue Lage entstandenen Erschwerung der Jugendseelsorge entgegengewirkt und unberechenbarer Schaden für das Seelenheil unserer katholische Jungen und Jungmänner abgewandt wird? Auf diese sorgenvolle Aufgabe gebe ich den Gläubigen der Erzdiözese eine dreifache Antwort:
1) Vom Boden der Wahrheit, des Rechtes und des unveräußerlichen, auch vertraglich gewährleisteten Anspruches der Kirche auf Jugendvereine werde ich bei den zuständigen staatlichen Stellen gegen die Auflösung feierlich und entschieden Einspruch erheben und mich um die Rücknahme der Verordnung bemühen.
2) Die Mitglieder der betroffenen Vereine weise ich an, solange die Auflösungsverfügung der Staatspolizei nicht zurückgenommen worden ist, den polizeilichen Anordnungen zu folgen und die Vereinsarbeit zu unterlassen. Hierin erwarte ich sowohl von den Geistlichen und Laienführern als auch von allen Mitgliedern der polizeilich aufgelösten Vereine strenge Disziplin.
3) Inzwischen wird die unumgänglich notwendige Seelsorgearbeit an der männlichen Jugend im Rahmen der Jugendseelsorge der Pfarrei sich vollziehen, wobei die bischöflichen Richtlinien vom April 1936 auch weiterhin in allen Pfarreien zu befolgen sind. Von der katholischen Jugend erwarte ich vermehrten Eifer in der Beteiligung an der pfarrlichen Jugendseelsorge. Dabei arbeiten sowohl die Jugendseelsorger selbst wie ihre Jugendlichen Laienhelfer weiter in einem bischöflichen Auftrage. Auch die katholischen Eltern sind um ihre eifrigste Mithilfe gebeten."