Hohe HJ-Mitgliedszahlen in Bonner Schulen
Nach den Meldelisten der Bonner Schulen von Juli 1938 ist ein Großteil der Schülerinnen und Schüler aus den Volksschulen Mitglied in den Gliederungen der HJ. In der Regel gibt es auf jeder Schule nur ein paar Klassen, in denen ein oder zwei Schüler keine Mitglieder sind. Eine hundertprozentige Mitgliedschaft ist allerdings auf keiner Schule erreicht. Gründe für die Nicht-Mitgliedschaft sind nicht immer angegeben, doch sowohl die Südschule als auch die Schule in Grau-Rheindorf und die Karlschule machen dazu nähere Angaben.
Der Rektor der Südschule gibt bei zwei Schülern rassenideologische Gründe an. Da alle Mitglieder der HJ den Nachweis zu erbringen haben, „arischer“ Abstammung zu sein, heißt es hier in einem Fall: „Schüler wird in HJ nicht aufgenommen, weil infolge unehelicher Geburt arische Abstammung zweifelhaft.“ Zu dem anderen Schüler bemerkt er: „Schüler wird in HJ nicht aufgenommen weil Judenmischling.“
Die Schule Grau-Rheindorf erklärt die fehlende Mitgliedschaft von 14 Jungen und einem Mädchen dadurch, dass drei nicht angemeldet worden seien, drei wegen Krankheit oder Körperfehler nicht beigetreten seien und neun früher vom Fähnleinführer ausgeschlossen worden seien.
In der Karlschule sind von 206 Schülern nur 158 in der HJ und von 197 nur 152 im BDM. Hierzu bemerkt der Rektor, dass 23 Schüler der Klassen I und II nicht in der HJ seien, weil neun von ihnen unfreiwillig ausgeschlossen worden seien und sieben freiwillig ausgetreten seien. In einer Klasse III fehlten 25 Schüler, die dem Alter nach noch nicht in die Anwärterliste gehörten. Bei den Mädchen fehlten in den Klassen I und II 29 Schülerinnen und zwar fünf wegen Ausschluss, neun wegen Krankheit, vier wegen häuslicher Helferdienste und acht wegen fehlender Zustimmung der Eltern. In einer Klasse III fehlten 16, und zwar weil sieben abgelehnt worden seien (sechs zu alt, eine zu jung), fünf wegen Krankheit, drei wegen fehlender Einwilligung der Eltern und eine, da sie nicht gemeldet worden sei.
Die Mitgliedschaft in konfessionellen Verbänden spielt für die Nichtzugehörigkeit zur HJ zu dem Zeitpunkt so gut keine Rolle mehr. Auf allen 19 Schulen, von denen Zahlen vorliegen, gibt es überhaupt nur zwei Schulen, auf denen überhaupt Angehörige konfessioneller Verbände sind, davon insgesamt aber auch nur fünf!
Ein anderes Bild von den Mitgliedszahlen in den Gliederungen der HJ bietet sich auf der städtischen gewerblichen und hauswirtschaftlichen Berufsschule sowie der Gewerbeschule für Frauen und Mädchen (Robert-Wetzlar-Stiftung). Hier ist ein sehr viel höherer Anteil der Schülerinnen und Schüler nicht mehr organisiert. Auf der Berufsschule sind nur 1225 von 1655 Jungen Mitglied in der HJ und sogar nur 737 von 1224 Mädchen (zwei sind in konfessionellen Verbänden). Auf der Wetzlarschule sind es von 183 Mädchen 134 Organisierte.