HJ-Heim in Dingden
In Dingden (heute ein Ortsteil von Hamminkeln) verfügt die HJ im Herbst 1938 immer noch nicht über ein eigenes Heim. Der Bürgermeister entschließt sich daher, der HJ den Sitzungssaal des Amtshauses in Dingden zur Verfügung zu stellen und diesen ansonsten nur noch zu wichtigen Ratssitzungen zu nutzen. Da der Raum in seinem bisherigen Zustand jedoch nicht den Anforderungen der HJ entspricht und eine Instandsetzung und neue Einrichtung in Höhe von 1500,- RM notwendig sind, wendet sich der Bürgermeister am 12. Oktober 1938 an den Landrat in Borken und bittet um einen Zuschuss von mindestens 500,- RM, die auch gewährt werden.
Von dem Geld werden Malerarbeiten durchgeführt, eine neue Dampfheizung anteilsmäßig bezahlt sowie 50 Stühle, fünf Tische, Vorhänge, drei Bilder (u.a. eines von Hitler und eines von Schirach) und ein eigens von einem Schreiner angefertigter „Heimschrank“ bezahlt. Dieser Schrank hat vier einzeln verschließbare Abteilungen für die vier Gliederungen (HJ, DJ, BDM, JM) und ist zur Unterbringung von Büchern, Schulungsmaterial, Bastelarbeiten usw. vorgesehen.
Am 30. April 1939 wird das Heim im Anschluss an den Hauptgottesdienst feierlich der HJ übergeben. Die Übergabefeier findet vor dem Amtshaus statt, anschließend kann das Haus besichtigt werden.
Nach Ausbruch des Krieges wird das Heim dann doch wieder für verschiedene Veranstaltungen genutzt, da der Gemeinde wegen der Zwangsbewirtschaftung Aufgaben übertragen werden, für die keine anderen geeigneten Räume zur Verfügung stehen. Der k. Führer des Bannes Weißes Venn (261) beschwert sich daher am 3. Juli 1943 beim Amtsbürgermeister. Das Heim werde „mehr und mehr seiner eigentlichen Aufgabe entfremdet und allen möglichen Vereinen zur Benutzung zur Verfügung gestellt“. Eine Überweisungsfeier der HJ am 28. März habe daher in eine Wirtschaft verlegt werden müssen, weil das Heim von einem Verein, „wahrscheinlich Sanitätskolonne“ besetzt gewesen sei. Zudem habe das Heim vor der Durchführung des HJ-Dienstes „wiederholt von Jungen gesäubert und aufgeräumt werden“ müssen. Hier solle der Bürgermeister „einmal nach dem Rechten“ sehen.
Der Bürgermeister erklärt die Nutzung daraufhin in einem Schreiben an den Bannführer vom 5. August 1943 durch die Kriegssituation und die schwierige Raumsituation in der Gemeinde. So müsse alle vier Wochen die Kartenausgabe in dem Raum stattfinden, da ansonsten kein anderer geeigneter Raum vorhanden sei. Da die Ausgabe jedoch vormittags stattfinde und der Raum anschließend wieder in Ordnung gebracht werde, dürfe sich dafür für den HJ-Dienst „keine Nachteile“ ergeben. Ansonsten werde der Raum kaum von der Gemeinde genutzt; lediglich die Ortsgruppe Dingden der NSDAP halte dort ab und zu ihre Parteiversammlungen ab. Nur einmal habe dort zudem das Rote Kreuz einen kurzen „kriegswichtigen“ Lehrgang abgehalten. „Außergewöhnliche Zeiten“, so der Bürgermeister deutlich verärgert über die ihm wohl unangemessen erscheinende Beschwerde des Bannführers, „verlangen außergewöhnliche Opfer und ich darf wohl annehmen, dass auch die HJ durch die vereinzelte Bereitstellung ihres Heimes für kriegswichtige Zwecke einen Anteil an dem gemeinsamen Opfergeist nimmt.“
Anschließend lässt es sich der Bürgermeister denn auch nicht nehmen, einmal darauf hinzuweisen, dass das Benehmen der HJ auch nicht immer korrekt ist:
„In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass die Aufsicht über die HJ-Angehörigen bei der Benutzung dieses Heimes sehr zu wünschen übrig lässt. Die Gemeinde Dingden hat keine Kosten gescheut, um der HJ ein würdiges Heim zur Verfügung zu stellen. Das Heim ist aber von der HJ nicht so verwaltet worden, wie man es wohl hätte erwarten dürfen. Der schöne Schrank ist, abgesehen von vielen kleinen Schrammen und Beschädigungen, durch gewaltsames Aufbrechen der Türen demoliert worden. Die untere Tür des Schrankes hängt in den Angeln. Von dem Kronleuchter, einst ein Zierstück des Raumes, sind drei Lampen gewaltsam abgebrochen. Die Holztäfelung des Raumes ist an mehreren Stellen, anscheinend durch Lanzenstiche und Kugeln aus Luftbüchsen, beschädigt worden. Ja, sogar auf das schöne Führerbild sind noch in letzter Zeit zwei Schüsse, anscheinend aus einer Luftbüchse, abgegeben worden, die an der Schläfe und an der Nase eingeschlagen sind und das Bild beschädigt haben. Ebenfalls ist das Bild Baldur von Schirachs durch zwei Schüsse beschädigt worden.“
Daher bittet der Bürgermeister, dafür Sorge zu tragen, dass solche „Missstände“ zukünftig „unter allen Umständen unterbleiben“.