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Ereignisse
1938
Dezember

Das Sicherheitshauptamt berichtet für das Jahr 1938

„Jugenderziehung außerhalb der Schule

Die Erziehungsarbeit der Staatsjugend im vergangenen Jahr umfasste vorwiegend die weltanschaulich-geistige Schulung und körperliche Ertüchtigung der deutschen Jugend. Von Seiten der Reichsjugendführung wurde ein umfangreiches und gut durchgearbeitetes Schulungsmaterial herausgebracht, das jedem Einheitsführer und jeder Einheitsführerin die Möglichkeit gab, die weltanschauliche geistige Erziehung einwandfrei durchzuführen. Die Zahl der Lager und der Teilnehmer an Lagern und Fahrten ist im Vergleich zum Vorjahre erheblich gestiegen.

Auch in diesem Jahre ist die Staatsjugend immer wieder bemüht gewesen, ihre totalen Erziehungsansprüche auf allen Lebensgebieten gegenüber den übrigen Erziehungsträgern, der Schule und der Wehrmacht, durchzusetzen. Sowohl der Reichsjugendführer wie der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley haben anlässlich der Grundsteinlegung der 10 ersten Adolf-Hitler-Schulen sich grundsätzlich zu dem Problem der nationalsozialistischen Jugenderziehung geäußert. Der Reichsjugendführer betonte, dass das erzieherische System der nationalsozialistischen Bewegung nichts mit einer Schulreform bzw. mit der Schule im herkömmlichen Sinne zu tun habe, sondern ein revolutionärer Beginn einer neuen, nationalsozialistischen Jugenderziehung sei. Man ist in Kreisen der HJ-Führerschaft der Ansicht, dass die eigentliche Jugenderziehung ausschließlich der nationalsozialistischen Bewegung, also der Hitlerjugend, zustehe.

Von Seiten der Eltern- und Lehrerschaft wird immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass Maßnahmen und Anordnungen der RJF wohl vorbildlich und einwandfrei seien, es aber innerhalb der Staatsjugend an entsprechenden Führern und Führerinnen fehle, die in der Lage seien, den Jungen und Mädeln nationalsozialistische Weltanschauung in der entsprechenden lebendigen Form zu vermitteln und vorzuleben. In Zusammenhang hiermit wird angeführt, dass das Benehmen der HJ in der Öffentlichkeit, die Disziplinlosigkeiten, die Interessenlosigkeit am Dienst, die Zersetzung der HJ mit bündischem oder konfessionellem Gedankengut und die sonstigen Mängel innerhalb der außerschulischen Erziehung ausschließlich auf das Fehlen einer verantwortlichen Führerschaft zu-rückzuführen seien. Besonders stark ist der Mangel an geeigneten Unterführern auf dem Lande. Das Fehlen einer geeigneten HJ-Führerschaft wird einerseits auf die erhöhte Einziehung zum Arbeits- und Wehrdienst und andererseits auf das Fehlen einer geordneten und anerkannten Berufs- und Ausbildungslaufbahn zurückgeführt. Auch wird - vor allem in den größeren Städten - darüber geklagt, dass sich die ehrenamtliche HJ-Führerschaft fast ausschließlich aus Jungen der höheren Schulen zusammensetze. Da die Schulen besonders durch die Neuordnung des höheren Schulwesens gesteigerte Leistungen verlangen und gleichzeitig die HJ-Führer durch dienstliche Verpflichtungen bis zu 5 Tagen in der Woche in Anspruch genommen sind, ergeben sich bei den hiervon betroffenen HJ-Angehörigen verschiedentlich Unzuträglichkeiten. Weiterhin wird der Führermangel darauf zurückgeführt, dass die Reichsjugendführung aus einer gewissen Ablehnung gegenüber der Schule heraus die Mitarbeit der Lehrerschaft innerhalb der außerschulischen Erziehung ablehne. Von Seiten der HJ-Führerschaft befürchtet man durch die Übernahme von Lehrern eine weltanschauliche Überfremdung und Verflachung der revolutionären nationalsozialistischen Jugenderziehung und eine hierdurch bedingte zu große außerschulische Erziehung. Man ist im Gegensatz hierzu bestrebt, HJ-Führer bzw. aus der HJ hervorgegangene und noch in der HJ stehende Junglehrer in den staatlichen Erziehungsapparat entscheidend einzubauen, um eine Beeinflussung der Schule durch die Hitlerjugend sicherzustellen. Veranlasst durch die verschiedenen Äußerungen des Reichsjugendführers und durch verschiedene Aufsätze in den HJ-amtlichen Zeitschriften, befürchtet man in Kreisen der Lehrerschaft eine „Gleichschaltung durch die HJ“, bzw. zumindest eine Umgestaltung des Schulwesens nach den von dem Reichsjugendführer und dem Reichsleiter Dr. Ley gewünschten Richtlinien. Neben der weltanschaulichen Erziehungstätigkeit der Staatsjugend nimmt die Leibeserziehung einen verhältnismäßig breiten Raum ein. Im Sommerhalbjahr sind in den einzelnen Standorten der Banne und Untergaue Sportfeste durchgeführt worden, die zum Teil einen ausgezeichneten Ausbildungsstand erkennen ließen. Den Höhepunkt bildete das Gebietssportfest des HJ-Gebietes Schlesien im Rahmen des Deutschen Turn- und Sportfestes, das mit seinen Massendarbietungen, Einzelleistungen und vor allem infolge des disziplinierten Auftretens der Jungen und Mädel einen hervorragenden Eindruck bei allen Zuschauern hinterließ. Von Seiten der Reichsbundvereine wird jedoch betont, dass die vorzügliche sportliche Breitenarbeit und die Erfolge der HJ auf diesem Gebiete letzten Endes der Erziehungstätigkeit der Sportvereine zuzuschreiben sind, da die Mehrzahl der sportlichen Ausbildungsleiter der HJ aus den Reichsbundvereinen hervorgegangen seien.

Die wehrsportliche Ertüchtigung und vormilitärische Jugenderziehung der HJ ist in diesem Jahr erstmalig in vollem Umfang mit Unterstützung der betreffenden Truppenteile der Wehrmacht bzw. Einheiten der Gliederungen der NSDAP durchgeführt worden. Die innerhalb der Staatsjugend aufgestellten Sonder- und Spezialformationen dienen der entsprechenden Gliederung der NSDAP bzw. der entsprechenden Truppengattung als Nachwuchs und werden von diesen durch finanzielle Mittel, z. B. Überlassung von Unterrichtsräumen und Ausrüstungsgegenständen und durch Heranziehung zu kleineren gemeinsamen Übungen unterstützt. Die technisch-fachliche Ausbildung der Staatsjugend auf diesen Gebieten wird von der Eltern- und Lehrerschaft anerkannt.

In der außerschulischen Mädelerziehung haben während der Berichtszeit die Einrichtung und der Aufbau des BDM-Werkes „Glaube und Schönheit“ eine wesentliche Stellung eingenommen. Dieses Werk wurde anfänglich von der Bevölkerung und auch von der HJ- und BDM-Führerschaft kritisch aufgenommen, später jedoch in fast allen Volkskreisen begrüßt, da man sich - vor allem durch die Werbeaktionen des BDM - von den tatsächlichen Vorteilen einer derartigen Mädelerziehung überzeugen ließ. Man sieht in der Erfassung der berufstätigen Mädel in einer Organisation, die die weiblichen Eigenschaften berücksichtigt und fordert, eine befriedigende Lösung. Abgesehen von der Mädelerziehung auf dem Lande, konnten das BDM-Werk und die von diesem gebildeten Arbeitsgemeinschaften fast überall erfolgreich eingerichtet und durchgeführt werden. Entscheidend für die weitere erfolgreiche Durchführung des BDM-Werkes „Glaube und Schönheit“ und der weiblichen Jugenderziehung innerhalb des BDM ist die Führerinnenfrage. In Parteikreisen wird festgestellt, dass innerhalb des BDM Kräfte zur Ausbildung herangezogen werden, die bisher der Arbeit der Staatsjugend völlig fernstanden und weltanschaulich und politisch keineswegs den gestellten Anforderungen genügen, wenn sie auch fachlich zum größten Teil die nötigen Fähigkeiten besitzen. Es wird vor allem auf dem Lande darüber geklagt, dass in den katholischen Gegenden noch oft Doppelmitgliedschaft zwischen BDM und konfessioneller Jugend herrsche. Die alte HJ-Führerschaft behauptet, dass sich der BDM in einigen besonders stark konfessionell gebundenen Gebieten immer mehr zu einer unpolitischen und die Hitlerjugend belastenden Organisation entwickele. Die Reichsjugendführung ist bemüht, diesem Einbruch des konfessionellen Gegners in die nationalsozialistische Mädelerziehung entgegen zu treten.

Auch auf anderen Lebensgebieten, besonders in der Kultur-, Sozial-, Grenz-und Auslandsarbeit hat sich die außerschulische Erziehungsarbeit der Staatsjugend als entscheidender Faktor größtenteils durchgesetzt. Die kulturelle Tätigkeit der HJ hat vor allem in größeren Städten durch Besuch von Theater, Film und Konzerten, der Einrichtung von Jugend- und Volksmusikschulen und durch eine vorbildliche Fest- und Feiergestaltung ein bestimmtes Gepräge erhalten. In den Landbezirken tritt die Kulturarbeit der Staatsjugend - abgesehen von einigen in verschiedenen Gebieten durchgeführten, gut gelungenen Dorfgemeinschaftsabenden - mehr in den Hintergrund. In einzelnen Teilen des Reiches sind in den Städten Sing-, Tanz-, Volkstums- oder Laienspielgruppen, die die Aufgabe haben, auf das Land hinauszugehen und Dorfabende zu gestalten, gegründet worden. Sowohl von der Bevölkerung, wie von der Eltern- und Lehrergemeinschaft wird die kulturelle Tätigkeit der Staatsjugend im allgemeinen anerkannt. Es wird hervorgehoben, dass erst durch die Maßnahmen der HJ gerade den finanziell weniger gut gestellten Jugendlichen die Möglichkeit gegeben sei, an dem kulturellen Leben des Volkes teilzuhaben. Auch wird allgemein betont, dass durch diese Einrichtungen und Maßnahmen der Staatsjugend das künstlerische und schöpferische Interesse der Jungen und Mädel geweckt werde. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Baugestaltung der HJ-Heime und Jugendherbergen hingewiesen, in denen der revolutionäre, schöpferische Geist der jungen Nation zum Ausdruck kommt. Die auch in diesem Jahre mit Unterstützung der Gemeinden durchgeführte Heimbauaktion der HJ ist, abgesehen von örtlich bedingten finanziellen Schwierigkeiten der Gemeinden bzw. Parteidienststellen, erfolgreich durchgeführt worden.

Innerhalb der Sozialarbeit der Staatsjugend standen der Reichsberufswettkampf und die Einführung des weiblichen Pflichtjahres im Vordergrund. Aus fast allen Teilen des Reiches wird berichtet, dass der Leistungskampf erfolgreich durchgeführt sei und die im Vorjahre noch vorhandenen Mängel und Schwierigkeiten überwunden seien. Auch die Elternschaft erkennt die Notwendigkeit einer zusätzlichen, beruflichen Schulung an und begrüßt die Maßnahmen der Staatsjugend und der DAF auf diesem Gebiet. Die Einführung des weiblichen Pflichtjahres dagegen wurde vor allem in den betroffenen Kreisen vielfach als unangenehm empfunden und als eine Beschränkung der persönlichen Freiheit aufgefasst. In kinderreichen Familien dagegen wird die zur Verfügungstellung einer zusätzlichen billigeren Arbeitskraft begrüßt, wenn auch die Leistungen dieser „Haushaltslehrlinge“ nicht überschätzt werden.

Größte Aufmerksamkeit wird von Seiten der Hitlerjugend dem HJ-Land-dienst entgegengebracht. Man ist bestrebt, gemeinsam mit den hierfür zuständigen Organisationen und der Schutzstaffel der rückläufigen Bewegung des Landarbeiterstandes zu begegnen und eine Überfremdung des Landes mit fremdvölkischen Elementen zu verhindern, wenn auch aus vielen Teilen des Reiches noch über soziale Unzulänglichkeiten innerhalb des Landdienstes der HJ berichtet wird, so konnte doch festgestellt werden, dass sich eine größere Anzahl von Jungen und Mädeln freiwillig zur Verfügung stellten und sich auch teilweise zum Verbleiben in der Landwirtschaft entschlossen.

Die im April dieses Jahres erfolgte Verkündung des Jugendschutzgesetzes wurde als soziale Notwendigkeit und als Abschluss eines 5-jährigen Kampfes der HJ um die Freiheit der Jugend von der Bevölkerung und vor allem von der werktätigen Jugend begrüßt. Gerade in den Fragen der Urlaubsregelung und der Arbeitszeit der Jugendlichen hat das Sozialamt der RJF vorbildliche Arbeit geleistet. Im Zusammenhang mit dem Jugendschutzgesetz wird von der Staatsjugend eine vorbeugende Gesundheitsbetreuung der Jugend durchgeführt, um die körperlichen Voraussetzungen für eine nationalsozialistische Jugenderziehung zu schaffen. Die verschiedenen von der HJ veranlassten Untersuchungen von Jugendlichen gerade auf dem Lande haben gezeigt, dass eine ständige gesundheitliche Überwachung unumgänglich notwendig ist, um dem Volke einen gesunden Nachwuchs zu stellen. Die Maßnahmen der Staatsjugend auf diesem Gebiet werden allgemein von der Erzieherschaft und der Bevölkerung begrüßt, nur fehlt es zum größten Teil noch an der nötigen Anzahl von HJ-Ärzten, um eine generelle Gesundheitsbetreuung im größeren Maßstab durchzuführen. Die Grenz- und Auslandsarbeit der Staatsjugend ist in dem „Jahr der Verständigung“ mit erhöhter Intensität durchgeführt worden. Die verschiedenen Gemeinschaftslager reichsdeutscher und fremdvölkischer Jugendgruppen, die Auslandsfahrten reichsdeutscher HJ und die Besuche fremdvölkischer Jugendgruppen im Reich dienten der Verständigungspolitik des Reichsjugendführers und dem gegenseitigen Sichkennenlernen der Jugend der einzelnen Völker. Die Veranstaltungen der Reichsjugendführung auf diesem Gebiete konnten größtenteils erfolgreich durchgeführt werden, wenn auch im Hinblick auf die außenpolitischen Schwierigkeiten verschiedentliche Zusammenkünfte mit fremdvölkischen Jugendgruppen abgesagt wurden. Besonders enge Beziehungen sind zwischen der deutschen, italienischen, japanischen und rumänischen Staatsjugend geknüpft worden. Schwierigkeiten in der Verständigungsarbeit der Jugend werden der HJ immer wieder von der englischen Boy-Scouts-Bewegung und den ihr angegliederten Pfadfindergruppen in den einzelnen Ländern entgegengestellt. Die englisch-imperialistische Boy-Scouts-Bewegung sieht in der Freundschaft nationaler Staatsjugendgruppen eine Beschränkung der Macht und des Einflusses des Empire auf diesem Gebiet und eine Beschneidung ihrer angeblichen ‚Rechte‘.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die gesamte Jugenderziehung außerhalb der Schule maßgeblich von der Hitlerjugend getragen wird. Die Tätigkeit der Staatsjugend auf fast allen Lebensgebieten bedingt naturgemäß eine gewisse gegensätzliche Stellung zu den übrigen Erziehungsträgern.

Neben den positiven Erziehungsträgern innerhalb der außerschulischen Jugenderziehung machen sich noch immer gegnerische Strömungen sowohl von Seiten der Konfessionen wie auch der illegalen bündischen Jugend bemerkbar. Die kirchliche Beeinflussung der Jugend ist besonders in den Grenzgebieten als der Operationsbasis des politischen Katholizismus niemals vorher so intensiv betrieben worden wie im vergangenen Jahre. Mit allen Mitteln versuchte die Geistlichkeit gerade in den volkstumspolitisch gefährdeten Gebieten die außerschulische Jugendarbeit zu beeinflussen. Organisatorisch gesehen hat sowohl die katholische wie die evangelische Jugend jede äußere Form einer Gemeinschaft abgelegt und sich zwanglos in der losen Form einer Pfarrjugend gesammelt, die durch Exerzitien oder Bibelabende gut geschult und zusammengefasst wird. Besonders auf dem Lande gelingt es der Staatsjugend kaum, dem politischen und geistigen Einfluss des Pfarrers entgegenzutreten, da geeignete Führer fehlen. Besonders auffallend sind die Zersetzungserscheinungen auf dem Lande innerhalb der außerschulischen Mädelerziehung. Die meisten Mädel werden, beeinflusst durch Elternhaus und Erzieherschaft, von Jungfrauen-Kongregationen oder ähnlichen Einrichtungen aufgefangen, und es ist keine Seltenheit, dass diese Kongregationen mancherorts stärker sind als die BDM-Einheit. Der hauptsächlichste Grund für das Vordringen konfessioneller Einflüsse innerhalb der Jugend ist im Wesentlichen die Beeinflussung der Jugendlichen durch die teilweise noch konfessionell gebundene Elternschaft. Auch muss berücksichtigt werden, dass die Tradition der konfessionellen Jugendvereine, die früher meist eine wesentliche Rolle im Gemeindeleben spielten, sich noch heute nachhaltig im Leben einer Dorfgemeinschaft bemerkbar macht. In Kreisen der Partei-und HJ-Führerschaft vertritt man auch die Auffassung, dass die Maßnahmen von Seiten der Partei und des Staates völlig unzureichend und ungeeignet seien. Um die konfessionelle Zersetzungstätigkeit innerhalb der außerschulischen Sommermonate zu stoppen wurde die durch staatliche Erlasse gegebene Möglichkeit zur Abhaltung von Ferien- und Freizeitlagern bis ins letzte erschöpft und gleichzeitig eine intensive Werbung betrieben. Die Einflussmöglichkeiten gegnerischer Strömungen innerhalb der außerschulischen Erziehungsarbeit zeigen am deutlichsten, dass die innere Entwicklung der Staatsjugend mit den organisatorischen Maßnahmen nicht Schritt gehalten hat. Von Seiten der Erzieherschaft wird betont, dass die Erfolge der Hj nicht so sehr auf dem Gebiete der eigentlichen nationalsozialistischen Jugendführung und Jugenderziehung als vielmehr in der kulturellen und sozialen Betreuung der Jugend liegen. Bei der Betrachtung und Erfassung gegnerischer Kreise innerhalb der außerschulischen Erziehungsarbeit konnte immer wieder beobachtet werden, dass jede oppositionelle Jugend, sei sie hündischer, konfessioneller oder parteipolitischer Art, mehr oder weniger unter dem Einfluss der hündischen Ideologie steht und ihre Gemeinschaften im Gegensatz zu der Staatsjugend auf dem hündisch-homoerotischen Freundschaftsprinzip aufbaut. Innerhalb des Altreichgebietes haben maßgebende hündische Kreise versucht, ihre Arbeit durch eine geschickte Verlags- und Schrifttumstätigkeit zu tarnen. Durch die Auflösung der österreichischen Jugendverbände, insbesondere durch die Auflösung des österreichischen Pfadfinderbundes, ist der Exekutive erstmalig Gelegenheit gegeben worden, in die tatsächliche Tätigkeit der internationalen Boy-Scouts-Bewegung Einblick zu nehmen. Es konnte durch diese Aktion bewiesen werden, dass die englische Boy-Scouts-Bewegung und die ihr unterstellten Pfadfinder-bünde in den einzelnen Ländern ausschließlich der englischen Interessenvertretung dienen und die führenden Persönlichkeiten - vor allem die sogen, internationalen Kommissäre - im Aufträge des Internationalen Büros in London, das unter der Leitung des englischen Freimaurers und Nachrichtenoffiziers, Lord Baden-Powell steht, Nachrichten für den ‚Intelligence-Service‘ sammeln.

Eine vollkommen neue Form der gegnerischen Jugend ist in den sogenannten „wilden Gruppen“ in Erscheinung getreten. Diese Jugendlichen sind ohne einen festen organisatorischen Zusammenhalt hauptsächlich in verschiedenen Großstädten festgestellt worden und bedeuten eine akute Gefahr der außerschulischen Jugenderziehung, da sich in ihren Kreisen fast ausschließlich asoziale, sittlich verrohte und kommunistisch beeinflusste Elemente sammeln. Die einzelnen Gruppen veranstalten auch getarnte Fahrten und Zusammenkünfte, in deren Mittelpunkt teilweise sexuelle Orgien stehen. Ebenfalls werden zum Teil asoziale und sittlich haltlose Elemente der weiblichen Jugend erfasst, die für die übrigen Jugendlichen einen Anziehungspunkt bilden. Zwischen der Staatsjugend und diesen asozialen Gruppen ist es verschiedentlich zu Schlägereien gekommen, so dass sich die Exekutive in einzelnen Städten genötigt sah, umfangreiche Aktionen einzuleiten.“

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